Ehrenamt im Notzustand

Ehrenamt im Notzustand

Jede*r vierte Deutsche engagiert sich ehrenamtlich. Die ergab eine Erhebung der Statista. Ehrenamtlich aktiv zu sein hat mir, einem ehemaligen Schüler des Goethe-Gymnasiums, ein Stipendium für mein Studium erbracht. Doch seitdem im Frühjahr das Coronavirus den ganzen Globus in einen Ausnahmezustand versetzt, ist die Möglichkeit, ein Ehrenamt auszuüben, stark eingeschränkt. Es folgt mein persönlicher Bericht über die Erfahrungen mit Ehrenamtlichkeit in diesem Jahr. Für mich und mein Ehrenamt kam Anfang März dieses Jahrs die Hiobsbotschaft: Die Veranstaltung des Europäischen Jugendparlaments (EJP) in Göteborg fiel aus.

Dienstag, 01. April 2014

Wieder mal zu Fuß zur Schule?

Von 
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Am Dienstag, den 18.März 2014, war es mal wieder soweit: Die Tarifverträge im Öffentlichen Dienst sind ausgelaufen und somit galt auch die Friedenspflicht nicht mehr. Einher damit gingen einmal mehr die Warnstreiks. Für viele Schüler boten die Streiks einen Anlass zu körperlicher Betätigung: Die Linien 1 bis 30, von der Kassler Verkehrsgesellschaft betrieben, fielen aus. So mussten sich die Schüler günstigstenfalls von ihren Eltern zur Schule chauffieren lassen. Wer Pech hatte, kam mit dem Fahrrad oder  zu Fuß.

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"Ich wurde morgens von meinem Vater zur Schule gebracht, da es auf dem Weg zu seiner Arbeit lag. Nach der Schule musste mich meine Mutter mit dem Auto an der Schule abholen, weil ich keine andere Möglichkeit hatte, nach Hause zu kommen", berichtet Jan Lukas Beckmann aus der Q-Phase. Gerade für die Abiturienten stellte dieser Streik ein Hindernis dar, da auch an diesem Tag wieder Abiturprüfungen geschrieben wurden. "Ich wusste erst einen Tag zuvor, dass am Dienstag gestreikt wurde. Zum Glück konnten mich meine Eltern fahren", beschreibt Lukas die Planung der Anreise zum Abitur. Eike Phlak aus der E-Phase erzählt: "Der Streik ist mir egal. Ich fahre sowieso mit dem Fahrrad. Trotzdem finde ich, dass die Angestellten im Öffentlichen Dienst gerecht entlohnt werden sollten!" Doch für was wird eigentlich gestreikt und warum gerade jetzt?

Die Forderungen der Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst sind einmalige 100 Euro und 3,5% mehr Lohn. Außerdem fordern sie zusätzliche 70 Euro für die Beschäftigten im Nahverkehr. Bei einer erfolgreichen Tarifverhandlung wird der neue Vertrag auf maximal zwei Jahre Laufzeit terminiert. Doch wie läuft eine solche Tarifverhandlung eigentlich ab und wie kommt es zu einer Einigung? IMG 1135Wenn der Tarifvertrag in seiner Dauer abgelaufen ist, setzen sich die beiden Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zusammen und verhandeln über die zukünftigen Konditionen. Eventuell sind diese Verhandlungen begleitet von Warnstreiks, wie es am Dienstag bei uns in Kassel der Fall war. Bei einer Einigung kommt es zum Abschluss eines neuen Tarifvertrages. Wenn die Einigung hingegen von beiden oder einer der Parteien nicht akzeptiert wird, gelten die Verhandlungen als gescheitert. Daraufhin kommt es zur Schlichtung, in der eine neutrale Position zu vermitteln versucht. Auf diese Schlichtung kann eine Einigung folgen. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit eines erneuten Scheiterns. Dann kommt es zu einer Urabstimmung. Wenn mehr als 75% der Gewerkschaftler für einen Streik sind, kommt es auch dazu. Eventuell kann damit eine Aussperrung einhergehen, die die Arbeitnehmer für die Zeit des Streikes freistellt. Die freigestellte Zeit muss dann von der Gewerkschaft teiweise entlohnt werden. 

IMG 20140320 153854Auf einen Streik folgen auch immer neue Tarifverhandlungen, um die Lage zu beruhigen und vor einer Eskalation der Situation zu schützen. Der beschlossene Vertrag wird vorgelegt und in einer Urabstimmung akzeptiert oder abgelehnt. Wenn hier weniger als 25% für eine Einigung sind, kommt es erneut zu einem Streik. Stimmen hingegen mehr als 25% der Gewerkschaftler für diesen Vertrag, kommt es zu einer Einigung, das heißt ein neuer Tarifvertrag ist beschlossen und für dessen Dauer gilt die Friedenspflicht, die einen Streik in dieser Zeit ausschließt und Arbeitskampfmaßnahmen nicht möglich macht.

Da sich die Parteien inzwischen geeinigt haben, hoffen wohl alle, dass zunächst einmal wieder Ruhe einkehrt und auch die Straßen wieder ein bisschen leerer sind. Bei allem Schimpfen auf verspätete Züge hat man während des Streiks doch an vielen Stellen gemerkt, wie wichtig und entlastend die öffentlichen Verkehrsmittel sind, auch wenn man selbst eher der Radler- oder Autofahrer-Fraktion angehört!

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