Ehrenamt im Notzustand

Ehrenamt im Notzustand

Jede*r vierte Deutsche engagiert sich ehrenamtlich. Die ergab eine Erhebung der Statista. Ehrenamtlich aktiv zu sein hat mir, einem ehemaligen Schüler des Goethe-Gymnasiums, ein Stipendium für mein Studium erbracht. Doch seitdem im Frühjahr das Coronavirus den ganzen Globus in einen Ausnahmezustand versetzt, ist die Möglichkeit, ein Ehrenamt auszuüben, stark eingeschränkt. Es folgt mein persönlicher Bericht über die Erfahrungen mit Ehrenamtlichkeit in diesem Jahr. Für mich und mein Ehrenamt kam Anfang März dieses Jahrs die Hiobsbotschaft: Die Veranstaltung des Europäischen Jugendparlaments (EJP) in Göteborg fiel aus.

Dienstag, 03. November 2020

Corona - mein persönlicher Lockdown

Von 
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Von unserer Gastredakteurin Tamina Fohrmann

Corona. Und? Ich wette, mindestens 98% von euch haben bei diesem Wort nicht an einen Namen gedacht (der weibliche Vorname „Corona“ bedeutet die „Gekrönte“, lat. Krone, Kranz). Das ist auch gar kein Wunder, denn das Corona-Virus macht uns allen schon seit fast einem Jahr Probleme. Ich kann mich noch ganz genau an einen Abend Ende Februar erinnern. Ich lag nach dem Training auf dem Sofa, Mama war am Korrigieren. Als Papa ins Wohnzimmer kam, fingen die beiden an, über das damals noch neue Virus zu sprechen. Mama machte sich Sorgen und überlegte, ob sie nicht auch ein paar Lebensmittel und Masken kaufen sollte, nur so zur Sicherheit. 

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Zu der Zeit waren gerade mal ein paar kleinere Städte in Deutschland im Lockdown. Ich rekelte mich auf dem Sofa und musste grinsen. „Die übertreiben ja total. Es wird doch eh nichts passieren“, dachte ich. Und drei Wochen später wurden alle Kasseler Schulen zugemacht. In meiner Klasse gab es eine Menge Leute, die das super fanden. Für sie war der Lockdown wie etwas andere Ferien. Ausschlafen & Chillen. Die konnten jetzt zuhause machen, was sie wollten, mussten nicht mehr lernen oder den Lehrern bei ihren ewigen, langweiligen Erklärungen zuhören, keine Arbeiten mehr schreiben. 

Ich sollte dazu sagen, dass ich wirklich sehr gerne in die Schule gehe. Es macht mir Spaß, Neues zu lernen. Deshalb war ich nicht so begeistert. Und alle meine Hobbys konnten ja auch nicht mehr stattfinden, was die Sache nicht gerade besser machte. Immerhin Geigenunterricht konnte ich während des Lockdowns über  „Zoom“ nutzen. Es ging dann auch ziemlich schnell mit dem Homeschooling los. Jeder Lehrer hat für sein Fach einmal wöchentlich Aufgaben in ein Schulportal gestellt, die wir dann innerhalb einer Woche erledigen und ein Foto der gemachten Aufgaben abgeben mussten. Wirklich schwer fand ich diese nicht, ich bin sehr gut und schnell damit zurecht gekommen. Ich weiß aber auch, dass es genug Schüler gab, die keine Lust auf die Aufgaben hatten. 

Einige der Jungs hatten eine WhatsApp Gruppe gegründet. Die haben es so gemacht, dass sie jedem ein Fach zugeteilt haben. Jeder hat dann die Aufgaben für sein Fach gemacht und die Ergebnisse in diese Gruppe geschickt. So brauchte man die anderen Aufgaben nur noch abschreiben. Viele der anderen Schulen hatten sich auch häufig zu Videokonferenzen verabredet, in denen sie dann Unterricht gemacht haben. Diese Möglichkeit hatten wir eher selten und wenn, dann hat unsere Klassenlehrerein eher mit uns darüber gesprochen, ob es irgendwelche Probleme gäbe und wie wir denn unsere Freizeit jetzt gestalteten.

Ich bin mit einer Freundin jeden zweiten Tag fünf Kilometer laufen gegangen, habe viel gelesen, ferngeguckt, mit Freunden telefoniert und mich verabredet. Am Anfang habe ich den Abstand zur anderen Person noch eingehalten, aber irgendwann wollte ich meine Freundinnen einfach wieder in den Arm nehmen, und dann war es mir egal. 

Von mindestens einem Mädchen (ich wette, es waren noch ein paar mehr) weiß ich, dass sie von März bis zu den Sommerferien mehr als sechs ganze Serien geguckt hat - und zwar lange Serien mit mehreren Staffeln! Bei uns Zuhause lief das definitiv anders ab. So viel dürfte ich ganz bestimmt nicht ferngucken, obwohl ich mich während des Lockdowns auch immer öfter zurück in mein Zimmer gezogen habe, um alleine zu sein. Meine Mutter fand das sehr schade, aber ich wollte keine Gesellschaft. Es gab allerdings zwischendurch auch immer wieder Tage, in denen ich sehr gerne mit meinen Eltern ein paar Spiele gespielt habe und wir viel Spaß hatten. Wirklich vermisst habe ich also am Anfang nichts. Das ist mit der Zeit viel mehr geworden. 

Ich habe mich nicht wirklich gelangweilt, die Sehnsucht nach meinem ganz normalen, strukturierten Alltag war viel schwerwiegender. Immer zu wissen, was ich wann als nächstes tue, hielt mich davon ab, zu viel rumzuliegen. Das ist mir während Corona immer öfter passiert, und das fand ich schließlich nicht so toll. Außerdem sind so viele Sachen ausgefallen! Das war so nervig und frustrierend!

Aber inzwischen habe ich einen Teil  der Normalität wieder zurück. Basketball, Rudern, Geige und Tischtennis finden jetzt wieder wie gewohnt statt, nur die Nachrichten zeigen, dass wir mit Corona noch lange nicht durch sind, und die ständig zu tragenden Masken erinnern mich so oft daran, wie es nur weiter gehen könnte. Wie lange sie wohl noch unsere täglichen Begleiter sein werden?

Ein Nachtrag aus der Redaktion: Als Tamina den Artikel, der auch im FORUM WESERTOR erscheinen wird, verfasst hat, gab es noch nicht den "Lockdown light" - wir hoffen sehr, dass ihr und allen anderen noch viele Freizeitbeschäftigungen erhalten geblieben sind!!

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