Meine Vorlesereise

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Meine Vorlesereise

Von unserem Gastredakteur Bosse Niemetz (6e)

Als unser Deutschlehrer, Herr Schön, uns im letzten Schuljahr sagte, dass unsere Klasse und damit auch unsere Schule am Vorlesewettbewerb teilnehmen wird, waren wir alle aus der 6e sehr aufgeregt. Zuerst wurde im November 2020 in unserer Klasse der oder die Beste im Vorlesen gesucht. Diese zwei von uns würden dann in den Schulentscheid der 6. Klassen am Goethe-Gymnasium kommen. Die Gewinner bei uns in der Klasse wurden so ermittelt: Einer oder eine beim Vorlesen in unserer Klasse wurde von der Klasse ausgewählt und der oder die andere von unserem Deutschlehrer.

Sonntag, 07. Februar 2021

Ein Interview zum Abschied von Frau Jochheim

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„Was haben Sie in Ihrer Zeit als Lehrerin fürs Leben gelernt? Würden Sie sich im Rückblick erneut für Ihren Beruf entscheiden?" Diese und viele weitere Fragen haben wir Frau Jocheim in einem Interview gestellt, da Sie in Pension geht und eine große Lücke an beiden Standorten unserer Schule hinterlassen wird. Die Interview-Situation mussten wir aufgrund der Pandemie räumlich etwas distanzierter gestalten, aber mit Frau Jochheims guter Laune wurde auch die Videokonferenz zu einem netten Zusammentreffen. Fast so, als hätten wir uns zum Kaffee verabredet.

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Würden Sie, wenn Sie auf die Jahre als Lehrerin zurückschauen, sich wieder für diesen Beruf entscheiden?

Ganz sicher. Das war übrigens nicht mein Wunsch. Ich wollte immer Biologin werden, aber der Numerus Clausus war zu hoch und deshalb habe ich Biologie und Chemie studiert, weil ich dachte, ich würde darüber weiterkommen, bin dann aber in die Schule gegangen und ich glaube, ich habe das richtig gemacht, denn ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe.

Was nehmen Sie von unserer Schule im Hinblick auf die Schüler*innen mit?

In den 40 Jahren, in denen ich im Schuldienst war, hat sich die Schüler-Klientel immer wieder mal geändert. Das hat mich aber auch ein bisschen jung gehalten. Ich habe mich immer an den Schüler*innen orientieren können und habe immer gewusst, was der Trend der Zeit ist. Eine Zeit lang waren meine Kinder selber auch an der Schule, aber als sie fertig waren, studiert hatten und in andere Städte gezogen sind, da hatte ich immer noch meine Schüler und das war eigentlich immer ein sehr schöner Ausgleich. Meine Tochter hat immer gesagt: „Ich habe dich trotzdem lieb Mama, obwohl ich dich immer mit 1000 Schülern geteilt habe.“

Was wünschen Sie sich für das Goethe-Gymnasium in Zukunft?

Ich hoffe, dass das Goethe-Gymnasium weiterhin so erfolgreich ist, denn wir haben eine Menge Sachen auf die Beine gestellt, Bilingual ist zum Beispiel eine super Sache geworden und wir haben sehr viele Kolleg*innen, die unglaublich engagiert sind und immer für ihre Schüler da sind; und ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt, die Schule ist auf einem guten Weg.

Was mochten Sie an unserer Schule am meisten?

Das Arbeiten mit den Kindern. Das hat mir Spaß gemacht. Es geht nicht nur um das Unterrichten, sondern es geht um Gespräche, wenn ich Konflikte lösen konnte oder wenn ich Kolleg*innen helfen konnte, das hat mir sehr viel bedeutet. Spaß macht das zwar nicht immer, aber ich hatte trotzdem immer das Gefühl, ich bin an der richtigen Stelle.

Gibt es auch Dinge, die Sie nicht vermissen werden?

Ja, die gibt es auch, und zwar die widerspenstigen Eltern, welche zum Teil gar nicht zuhören, wenn man ihnen was sagt. 

Welche Pläne haben Sie für die Zeit ohne Schule?

Jetzt möchte ich gerne verreisen. Ich habe einen Camper vor der Haustür stehen und ich würde mir gerne zuerst im Inland alles angucken, was ein wenig zu kurz gekommen ist. Mit der Ostseeküste würde ich anfangen wollen und dann begebe ich mich ins Inland. Ich würde gerne die Märchenstraße entlang fahren, aber auch die Weinstraße, nicht weil ich so gerne Wein trinke, sondern allein weil ich die großen Städte mal alle sehen möchte, denn die Städte mit Weinbergen, das weiß ich auch von Würzburg, die sind einfach bezaubernd. Und das möchte ich mir jetzt mal angucken.

Gibt es ein Ereignis, das Ihnen als Lehrerin besonders im Gedächtnis bleiben wird? Vielleicht auch eine kleine Anekdote?

Ja, es gab immer wieder Anekdoten, die ich mir vorgenommen hatte aufzuschreiben. Ich habe auch mal welche aufgeschrieben, aber die habe ich nicht mehr gefunden. Aber eine ist mir wieder eingefallen: Wir hatten das Thema „Vögel“ in der Klasse 6 und warum es Zugvögel gibt; und eine Frage in der Klassenarbeit war: „Wo sind die Insekten im Winter?“ Die Antwort von mehreren Schülern war: „Die fliegen in den Süden.“

Was haben Sie in ihren Jahren als Lehrerin fürs Leben gelernt?

Ich habe, auch durch Fortbildungen, an mir arbeiten können und habe mir immer vorgestellt, wenn ich mit jemandem rede, in welcher Position der andere ist. Ich habe versucht, wie Streitschlichter das so machen, eine Win-Win-Situation herbeizuführen. Es war mir immer wieder wichtig, mich darauf einzustellen, ob derjenige ein Schüler, ein Elternteil oder ein Lehrer ist. Die haben ja auch ihre Bedenken und ihre Ängste, und ich wollte ihnen immer auch auf Augenhöhe begegnen, so dass sie nicht rausgegangen sind und frustriert waren, sondern dass sie das Gefühl hatten, dass wir eine gemeinsame Basis haben.

Was wünschen Sie Ihrem Kollegium noch?

Dass alle die Corona-Krise gut überstehen und auch weiterhin gerne an dieser Schule unterrichten, weil es sich wirklich lohnt. Auch wenn man mal meint, da ist eine Klasse völlig außer Rand und Band, da gibt es immer einige drunter, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Haben Sie noch einen Rat für alle Schüler?

Haltet die Ohren steif und nehmt am Online-Schooling teil, denn das ist eine wichtige Sache.

 

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Wir danken Frau Jochheim für dieses kurzweilige und angenehme Gespräch und wünschen ihr alles Gute für die Zeit im Ruhestand! Und ein weiteres Dankeschön geht an Herrn Waldrich, der keine Anstrengung gescheut hat, für uns Fotos herauszusuchen, die Frau Jochheim über die Jahre in unterschiedlichsten Situationen zeigen. 

 

 

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