Samstag, 04 Juni 2011 23:42

Ich bin verliebt in meinen Lehrer

Namen sind der UMLAUFOnline-Redaktion bekannt (26.04.2007)


Ich schlage die Augen auf und mein Blick wandert auf meine Wanduhr. 6:17 Uhr. In 10 Minuten müsste ich aufstehen, wäre ich denn mal ausgeschlafen. Doch ich bin es nicht. Schon lange kann ich nicht mehr schlafen, zumindest nicht mehr tief, denn egal was ich tue, er scheint mich zu verfolgen, egal was ich träume…

 

Deprimiert richte ich mich auf. Schnell gehe ich ins Bad und mache mich erstmal mit ordentlich viel Wasser wach. Später vor dem Kleiderschrank denke ich wieder nur an ihn.

 

Verliebt zu sein ist wunderbar, ...

Vor allem bei meiner Kleiderwahl passe ich besonders auf, seit er einmal fast wie nebenbei bemerkte, dass er gelb besonders bevorzuge. Somit trage ich diese Farbe jeden Tag, zwar nicht auffällig, aber mal im Haarreif oder in der Haarspange.

 

Mit immer lauter klopfendem Herzen nähere ich mich der Schule und somit auch ihm. Zu meinem Glück habe ich ihn sogar jetzt drei Stunden lang. Der Gedanke zaubert sofort ein Lächeln auf meine Lippen. Die Klingel läutet und ich renne schnell die letzten Meter zu meinem Klassenzimmer, aber natürlich nicht all zu schnell und das hat seine Gründe.

 

Zaghaft klopfe ich an die Tür. Mit einem verlegenem, aber lauten "Guten Morgen" betrete ich die Klasse. Sofort richten sich seine blauen Augen auf mich. Meine Knie werden in Sekundenschnelle weich wie Pudding. Lächelnd sieht er mich an. Ich bin perplex von der Wärme, die er ausstrahlt und bekomme natürlich kein Wort mehr heraus. „Guten Morgen, warum stehst du hier wie bestellt und nicht abgeholt? Du weißt doch, wo dein Platz ist.“ Die Klasse kichert und ich werde rot. Wie peinlich das ist. Zum Glück schaltet sich mein Gehirn wieder ein und ich finde meinen Sitzplatz.

 

...auch wenn andere Gedanken unmöglich sind.

Jetzt beginne ich zu träumen: Wie er mich angelächelt hat! Ob er wohl die Worte ausgewählt hat, um mir etwas mitzuteilen? Ob er sich sogar vielleicht ein bisschen gefreut hat mich zu sehen.

 

Alle diese Gedanken schwirren durch meinen Kopf, während er etwas von Evolution doziert. Ach ja… die Biologie. Zwischen uns ist sie gewaltig vorhanden, da bin ich mir sicher. Sonst würde ich ihn ja auch nicht so mögen, oder? Egal was er mit uns im Unterricht macht, er macht es mit der größten Leidenschaft. Sei es die Biologie oder die Chemie. Aber am liebsten mag ich ihn ’chemisch’. Vor allem bei seinen Versuchen. Und wenn sie dann hin und wieder einmal schief gehen, tut mir dies ja immer fürchterlich Leid. Aber die süße Miene, die er dann zieht, ist einfach zu knuffig.

 

Seit ich mich in ihn verliebt habe, bin ich fürchterlich eifersüchtig auf alles und jede. Die anderen Mädchen aus meiner Klasse stören, da mich immer wieder die Angst befällt, dass sie ihm besser gefallen als ich. Und sei es nur, wenn er jemanden dran nimmt. Ich beobachte ihn aufs genauste, ob sich die Mimik ändert oder sich nur ein kleinstes Lächeln auf sein Gesicht schleicht. Passiert dies, dann brodelt es sofort in mir und ich könnte laut losschreien.

 

Auch habe ich so meine Eigenarten entwickelt. Ich bin nicht länger mehr ein Ass in Biologie. Ich lasse mich gehen und lerne nicht mehr, denn so ist mir seine Aufmerksamkeit gewiss. Und als ’Sorgenkind’ bekommt man diese zuhauf. So bin ich schon am Ende der einen oder anderen Stunde mit ihm allein, denn seine Schüler liegen ihm am Herzen. Jemanden scheitern zu sehen bricht ihm wohl das Herz. Ebenso habe ich versucht Kekse zu backen, da er immer davon schwärmt, wie toll seine Mutter Plätzchen backen könne. Nun, da will ich in nichts nachstehen.

 

Warten auf die große Liebe

Ja, traumhaft wäre es, wenn er mich einmal in die Arme nehmen würde, aber dies wird niemals so sein. Diese unüberwindbare Distanz macht mich innerlich krank, denn niemals kann ich ihm gestehen, dass ich mich in ihn verliebt habe. Und so lebe ich in den Tag hinein. Am Morgen mit einer Depression durch die schlaflosen Nächte, am Nachmittag in Hochstimmung, weil ich ihn wieder sehen durfte. Und dann wieder der Abend mit seiner alltäglichen, unendlichen Trauer.

 

Ich weiß, dass diese Zeit vorübergehen wird. Er wird dann nicht mehr die unerreichbare Nummer eins in meinem Leben sein. Irgendwann wird jemand kommen, der genau so toll ist und ihn ersetzen wird.

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