Mittwoch, 24 August 2011 20:18

Projekt sichere Schule

von unserem Redakteur Tim Schaale-Freyth (20.04.2008)

Die Schlagzeile des Tages: Lidl und andere Supermärkte überwachen Mitarbeiter. Lächerlich. Hier an meiner Schule kamen wir schon drei Jahren auf die Idee unsere Schüler UND Lehrer per Kameras zu überwachen. Nicht nur die wachsende Terrorgefahr und die steigende Zahl von Amokläufen an Schulen haben mich darauf gebracht ein High-Tech-Überwachungssystem hier am Goethe-Gymnasium zu installieren, sondern ich wollte auch endlich mal wissen, wieso die Lehrer immer öfter zu spät zum Unterricht kommen.

 

 

 Überwachungskamera auf dem Schulhof

 

 

Hier auf Monitor 2 kann man ein Paradebeispiel sehen: In der Pause fünf Minuten vor Ende eine Zigarette rauchen, dann in unser Lehrerzimmer Kaffee trinken und danach erst langsam Richtung Klassenraum marschieren um am besten noch ein Schwätzchen mit dem Kollegen zu halten. Eine Schande. Gott sei Dank hat das Kollegium sich schnell den neuen Regeln angepasst. Leider waren dafür einige „Rationalisierungs-Maßnahmen“ nötig; Tragisch, sehr tragisch.

 

 

 Das GGS-Team (Goethe-Gymnasium Security)

Weniger belehrbar sind wie immer die Schüler. Immer noch wird während den Arbeiten gespickt, Toilettenpapier in die WCs gestopft, auf den Fluren gerannt und auf dem Schulgelände geraucht. Auch beschweren sich immer mehr Schülervertreter über mein Sicherheitssystem, obwohl der SV-Vorstand die Pläne genehmigt hat.

 

Erschreckend waren aber einige Kommentare meiner älteren Kollegen. Zuerst wurden Dinge geflüstert wie: „Der macht aus unserer Schule einen Überwachungsstaat“, oder „Hat er die Ideen von der Stasi?“ Gott sei Dank haben wir auch junge Lehrer, die nicht so quer denken. So habe ich mich auch erkenntlich gezeigt, wenn mir davon berichtet wurde, dass jemand solche kontraproduktiven Sprüche von sich gegeben hat.

 

Ach du liebe Güte, da auf Monitor 14, ein Schüler sitzt vor seinem Klassenzimmer auf einer Fensterbank! Während des Unterrichtes!!! Diese undisziplinierten Neuntklässler. Aber auch für solche Aufrührer habe ich eine Lösung: Mein Bruder betreibt eine private Sicherheitsfirma, und genau diese fachmännisch ausgebildeten Mitarbeiter sorgen dafür, dass solche Unruhestifter nicht in unseren Gängen herumlungern.

 

Auf meinem Weg zu einer Schulüberwachung gab es viele Hürden. Aber ein Argument hat alle Kritiker verstummen lassen: Das Land Hessen bezahlt die Installation und Wartung der Sicherheitsanlagen. Roland Koch höchstpersönlich hat meiner Schule dieses Angebot gemacht, und da konnte ich einfach nicht widerstehen.

 

Im Großen und Ganzen ist und bleibt mein Projekt „Sichere Schule“ ein Erfolg, anders als bei Lidl. Eine Tatsache stört mich aber immer noch, und zwar dass auch in meinem Büro Kameras angebracht wurden. Denn was in meinem Büro vor sich geht, geht wirklich niemanden was an...

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