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Specials (390)

Sonntag, 17 April 2011 18:06

Susanne Osthoff

(16.12.2005 19:01)

Es irritiert schon, wenn man an frühere Fallbeispiele denkt, die in der bundesrepublikanischen Presse ausführlich dargestellt worden sind. Auch im Vergleich zu ähnlichen Entführungsfällen in Italien, Frankreich und Spanien wird die Situation des Entführungsopfers Susanne Osthoff fast verschwiegen oder verschwindet hinter Schlagzeilen wie EU-Finanzierung, CIA-Folter und Eigenheimförderung. Fast scheu beschäftigt sich die deutsche Öffentlichkeit mit diesem Entführungsfall, als ob Archäologin und konvertierte Muslima einen Makel darstellen. Deshalb will die UO-Redaktion an dieser Stelle auf das Engagement von Frau Osthoff im Irak aufmerksam machen, das ungewöhnlich ist und mit dem in Deutschland beständig geforderten Begriff Zivilcourage nur unzureichend beschrieben werden kann.

Ausgangspunkt: Irak-Intervention der USA


"Das Leid der 43-jährigen Archäologin und ihres Fahrers ist auf dem Foto nur zu ahnen, eines aber ist deutlich: Es zeigt Susanne Osthoff in der Opferrolle. Nach allem, was man über sie weiß, muss allein das eine Horrorsituation für die umtriebige Bayerin sein, die doch ihrerseits die Hilfe für die Not leidende Bevölkerung im Irak in den vergangenen Jahren zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat. "Wenn Sie wissen, wie die Menschen leiden, da kann man nicht warten, da muss man handeln", hat Susanne Osthoff im März 2004 gesagt, als sie den "Tassilo"-Preis der "Süddeutschen Zeitung" für Zivilcourage verliehen bekam. Osthoff hatte es im Jahr zuvor als erste Deutsche noch während des laufenden Irakkriegs geschafft, einen Lastwagen mit Medikamenten von Damaskus nach Bagdad zu bringen. Die angesehene internationale Hilfsorganisation IPPNW war seinerzeit froh, die fließend Arabisch sprechende Frau, die schon während ihres Studiums in München den Irak als ihre Leidenschaft entdeckt hatte, als Transportbegleiterin zu gewinnen. "Sie kennt dort unten Gott und die Welt", heißt es anerkennend bei IPPNW, "und sie hat es damals wirklich geschafft, dass die Medikamente an ihren Bestimmungsort kamen und der Transport vorher nicht geplündert wurde." Angeblich hatte Osthoff damals Beduinen-Schleichwege quer durch die Wüste genutzt, um Überfällen auf den Lastwagen zu entgehen. Nach ihrer Ankunft in Bagdad erkrankte sie an Typhus.

Susanne Osthoff mit Fahrer (sitzend) und ihren Entführern

Ein harter Einsatz ist das, rücksichtslos gegen sich selbst, immer im Dienst der Sache. Es scheint ihr Lebensmotto zu sein. Der Frankfurter Arzt Ulrich Gottstein, der sie im Mai 2004 im vom Krieg zerstörten Bagdad traf, um ihr, die "sehr knapp mit Geld war", finanziell unter die Arme zu greifen, erinnert sich an eine vor Energie strotzende "arabisch gekleidete" Frau, die gleichwohl "tieftraurig über das Elend der Menschen dort unten war". Wehmut. Trauer. Wut. Waren das die Antriebsfedern der Susanne Osthoff? Hat sie, die noch zu Kriegszeiten einmal ihre Hilfsphilosophie so beschrieben hat: "Die Flüchtlinge kommen nicht raus, also muss ich rein", dabei womöglich die Gefahr für ihr eigenes Leben übersehen? "Wenn man nass ist, dann spürt man den Regen nicht mehr", hat Susanne Osthoff, Mutter einer elfjährigen, in Deutschland bei Freunden lebenden Tochter, einmal gesagt und damit ihr von viel Entbehrungen gekennzeichnetes Engagement für die Menschen im Irak zu erklären versucht.

Die Öffentlichkeit ist bisher sehr zurückhaltend

Doch in der Gemeinschaft der internationalen Hilfsorganisationen wird der Einsatz im Irak zunehmend als unverantwortbar gefährlich angesehen. So stellten im vergangenen Jahr viele ausländische Organisationen nach und nach ihre Arbeit ein. "Im Irak kann man nicht mehr arbeiten", sagt ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der schon vor dem Krieg in Bagdad war und auch die entführte Susanne Osthoff kennt. "Der Aufwand und die Gefahr stehen in keinem Verhältnis zum Resultat mehr", fasst er, der ungenannt bleiben will, seine Erfahrungen zusammen - nichts sei mehr vorhersehbar, keiner der in anderen Krisenregionen üblichen Schutzmechanismen greife mehr.

http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/30.11.2005/2205674.asp

(29.12.2005 16:24)

Nach jahrelangen Vorbereitungen hat Europa den ersten Satelliten seines Navigationssystems Galileo ins All gebracht. Der 600 Kilogramm schwere Testsatellit GIOVE-A startete am Mittwochmorgen vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan mit einer Sojus-Rakete und erreichte am Vormittag seine endgültige Umlaufbahn in 23.000 Kilometer Höhe.

Galilei, Bahnbrecher der modernen Physik

Das 3,8 Milliarden Euro teure Gemeinschaftsprojekt der Raumfahrtagentur ESA und der EU soll im Jahr 2010 in Betrieb gehen und dann auf der Erde Ortsbestimmungen bis auf den Meter genau ermöglichen. Ein vergleichbares weltumspannendes System wird bisher mit GPS nur von den USA betrieben. Galileo ist laut ESA das bisher größte gemeinsame Technologieprojekt Europas.
Bis Ende des Jahrzehnts müssen noch 29 weitere Satelliten ins All gebracht werden. Mögliche Anwendungen sind Logistik- und Verkehrsleitsysteme zu Lande, zu Wasser und in der Luft sowie die Navigation per Handy. Auch der Einsatz zur Betreuung von alten und hilflosen Menschen oder zur Überwachung von Straftätern mit "elektronischer Fussfessel" ist denkbar.

Funktionsweise des EU-Navigationssystems Galilei

Mittelfristig sollen die Einnahmen die Investitionen mehr als vier Mal übersteigen. Damit würde Galileo zu einem ernsthaften Konkurrenten für das US-System Global Positioning System (GPS), das im zivilen Einsatz weniger genau ist und das vom US-Militär in Krisenfällen ausgeschaltet werden kann.

Moskau/Paris, 28. Dezember (AFP)

Sonntag, 17 April 2011 18:06

W wie Wissen

(04.01.2006 17:57)

Am 8. Januar präsentiert WDR-Moderator Ranga Yogeshwar das ARD-Magazin "W wie Wissen" erstmals zur neuen Sendezeit und mit einem neuen Konzept. Der 46-Jährige, gleichzeitig Moderator der Sendung Quark & Co, will bei den Zuschauern Begeisterung für wissenschaftliche Themen wecken. "Ich bin keine Moderationsmaschine. Wenn ich selbst von einem Thema begeistert bin, dann überträgt sich das auf die Zuschauer", sagte Yogeshwar ddp-Korrespondent Markus Peters in Köln.

Ranga Yogeshwar, einer der profliertesten Redakteure in der europäischen Wissenschaftsszene



MP: "W wie Wissen" startet mit einem neuen Konzept. Was ändert sich?

Yogeshwar: Bislang lief die Sendung am Mittwochabend, wo sie allerdings öfter dem Sport weichen musste. Jetzt kommen wir sonntags um 17.03 Uhr. Auf diese Weise erreichen wir mehr junge Zuschauer und können familienfreundlicher sein. Zwar wurde der Umfang der Sendung von 45 auf 30 Minuten gekürzt, dafür haben wir die Zusage, dass es im laufenden Jahr 46 Ausgaben geben wird. Diese Konstanz erhöht natürlich die Chancen, Zuschauer dauerhaft an die Sendung zu binden.

MP: In den vergangenen Jahren haben die privaten und öffentlich-rechtlichen Sender das Thema Wissenschaft für sich entdeckt. Wie erklären Sie sich diesen Trend ?

Yogeshwar: Für mich ist damit ein Stück Normalität eingetreten. Das Thema Wissenschaft bekommt in den deutschen Medien endlich den Stellenwert, den es verdient - nachdem es dort lange stiefmütterlich behandelt wurde. Bei der britischen BBC laufen seit Jahren Wissenschaftssendungen zur besten Sendezeit. Auch in Deutschland gehört die Farbe Wissenschaft fest in den Malkasten des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

Rangas Sendungen gibt es in hervorragenden Zusammenfassungen als pdf-Dateien

MP: An "W wie Wissen" sind gleich fünf ARD-Anstalten beteiligt. Ist die Zusammenarbeit bei diesem Gemeinschaftsprojekt eher Chance oder Belastung ?

Yogeshwar: Es ist eine Möglichkeit, Stabilität in die Sendung zu bringen, weil man natürlich in den fünf Häusern den entsprechenden Rückhalt hat. Gleichzeitig erfährt die Sendung viel Power, weil jeder der Beteiligten seine Stärken und Ressourcen einbringt. Andererseits ist es auch immer wieder eine Herausforderung, einen Konsens zu finden, weil jede beteiligte Redaktion natürlich ihr Profil wiederfinden will.

MP: In diesen Tagen feiert der WDR seinen 50. Geburtstag. Sie sind inzwischen auch schon über 20 Jahre für den WDR auf Sendung.

Yogeshwar: Und ich fühle mich immer noch wohl. Wenn es den WDR nicht gäbe, dann müsste man ihn erfinden. Er schafft es immer wieder, in Sendungen einen gewissen "Spirit" zu erzeugen und hat gelegentlich sogar Mut zu Experimenten.


ddp-nrw, in: newsroom.de, Dienstag, 03.01.2006

Sonntag, 17 April 2011 18:05

Schüler und Lehrer nicht krank machen

(14.01.2006 17:53)

Die Fixierung auf Noten macht der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, verantwortlich für die Stresssymptome deutscher Schülerinnen und Schüler.

Wenn die Gedanken durcheinanderwirbeln...,


Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) und der Zeitschrift "Focus Schule" zeigt fast jedes fünfte Kind unter 18 Jahren deutliche Symptome von Schulstress wie Bauchschmerzen oder Angst vor Prüfungen. 60 Prozent der gestressten Schüler leiden nach einer dpa-Meldung unter Konzentrationsverlust und Nervosität, 23 Prozent wollen gar nicht mehr in die Schule gehen. Dannhäuser: "Schüler und Eltern starren auf Noten, weil diese im rigiden Auslesesystem unserer Schule über Schulkarriere und Lebenschancen entscheiden.

...keine Zeile mehr auf das Papier geht, dann...

Lehrerinnen und Lehrer sind gezwungen, nach Fehlern zu fahnden und müssen unterdurchschnittliche Leistungen diskriminieren. Das bleibt nicht ohne Folgen: Wer dauernd mit den Noten vier, fünf und sechs beurteilt wird, verliert Mut und Selbstvertrauen, obendrein hat er auch schlechte Karten bei der Verteilung von Lebenschancen."

Dannhäuser appellierte an die Landespolitik, die alarmierende Entwicklung ernst zu nehmen und bei den anstehenden schul- und bildungspolitischen Entscheidungen zu berücksichtigen. "Wir brauchen eine gesunde Schule, gesunde Schüler und gesunde Lehrer.
Voraussetzungen sind mehr pädagogisches Personal, kleinere Klassen und deutlich verbesserte Fördermaßnahmen."

...ist der Durchblick weg.

Leider zeigen bereits Kinder in der Grundschule Stresssymptome. Sie spüren den wachsenden Auslesedruck. Dannhäuser: "Pädagogisch Ziel führender wäre es, den individuellen Lernfortschritt jedes einzelnen Schülers in den Mittelpunkt zu stellen: Weg von der Etikettierung und Stigmatisierung hin zur Einzelförderung und Differenzierung im Unterricht.

"Ohne die Vermittlung der dafür notwendigen Kompetenzen in der Lehrerbildung und die Schaffung kleinerer Klassen bleibt dieses Anliegen jedoch ein frommer Wunsch", stellte er klar.

Bayerischer Lehrer-undLehrerinnenverband e. V.
Pressereferat , aus: TeachersNews.Net vom 13.1.2005

Sonntag, 17 April 2011 18:05

Warnung vor Überinformation

(25.01.2006 00:03)

Der Schriftsteller Günter Grass hat vor der Gefahr einer "Überinformation" in der westlichen Welt gewarnt. Die Menschheit habe noch nie über solche technologische Mittel der Information verfügt wie heute, aber sie sei schlechter informiert als früher, sagte Grass auf einer Podiumsdiskussion in Oviedo in Nordspanien.

Boulevard-Zeitungen haben es vorgemacht: Gewinn geht vor Information


"Die Presse ist nur zum Teil frei, denn sie unterliegt zu vielen Zwängen und muss wirtschaftlichen Prioritäten folgen, die ihre Unabhängigkeit einschränken", sagte der deutsche Literatur-Nobelpreisträger nach spanischen Medienberichten vom Sonntag.

"Wir alle wissen, dass die USA mit ihrem Geheimdienst CIA eine kriminelle Organisation unterhalten, aber nur wenige sagen dies auch." An der Diskussion, die von der spanischen Prinz-von-Asturien- Stiftung veranstaltet wurde, nahmen unter anderem der frühere Theaterintendant Ivan Nagel und der italienische Schriftsteller Claudio Magris teil.

Oviedo (dpa) - vom 22.1.2006

Sonntag, 17 April 2011 18:04

Computerkids sind besser in Mathe

(28.01.2006 22:29)

Entgegen allen Meldungen, häufiger Umgang mit dem Computer lasse Kinder verdummen, meldet sich nun die Organisation für wirtschaftiche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Wort. Einer Sonderauswertung der PISA-Studie zufolge zeigten Schüler, die häufiger vor dem Rechner säßen, bessere Ergebnisse in Mathematik.


Der Vorteil der eifrigen PC-Nutzer scheint demnach in Deutschland auch ausgeprägter als im OECD-Durchschnitt zu sein. Der Zugang 15-jähriger Schüler zu Computern stieg von 2000 bis 2003 sowohl zu Hause als auch in der Schule deutlich an. Deutsche Jugendliche nutzen die Rechner allerdings in der Schule weitaus weniger als ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Der Großteil sitzt zu Hause deutlich häufiger vor dem PC als in der Schule.

Deutsche Schüler, die zu Hause keinen Computerzugang haben, schnitten den Angaben zufolge bei dem Mathematiktest im Rahmen der PISA-Studie 2003 deutlich schlechter ab als ihre Mitschüler mit PC-Zugang. Selbst bei Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren machte der Leistungsunterschied demnach immer noch fast ein ganzes Schuljahr aus. Noch wichtiger ist aus Sicht der Experten, dass erfahrene Computer-Nutzer in wichtigen Schulfächern besser abschneiden.

Die Matheleistungen von Schülern mit weniger als einem Jahr Computererfahrung entsprechen demnach 436 Punkten auf der PISA-Skala. Dagegen kommen Schüler mit mehr als fünf Jahren Erfahrung auf 533 Punkte. Selbst bei Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren blieben mehr als 50 Prozent dieses Leistungsvorsprungs bestehen.

In Deutschland benutzen 82 Prozent der 15-Jährigen ihre Computer zu Hause mehrmals in der Woche. Nur in Kanada, Island, Schweden, Australien, Korea, Dänemark, Belgien und den USA ist der prozentuale Anteil der intensiven PC-Nutzer höher. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 74 Prozent. Dagegen weist Deutschland mit 23 Prozent den geringsten Prozentsatz von Schülern aus, die den Computer mehrmals in der Woche in der Schule benutzen. Der OECD-Durchschnitt liegt mit 44 Prozent etwa doppelt so hoch.

In Deutschland ist zudem die Zahl der 15-jährigen Schüler, die sich in der Schule einen Computer teilen müssen, doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt und dreimal so hoch wie in Australien, Korea und den USA. Ein Großteil der Schulleitungen sieht darin allerdings kein Problem: Nur 34 Prozent der Schulleiter geben an, dass ein Mangel an Computern die Unterrichtsversorgung bis zu einem gewissen Grad oder stark beeinträchtigt. Nach Ansicht der OECD könnte dies bedeuten, dass Computer an deutschen Schulen zwar effektiv eingesetzt werden, aber nicht als zentraler Bestandteil des Unterrichts gelten. Für möglich halten die Experten auch, dass sich die Schulleitungen des Potenzials der Computer für Lehren und Lernen nicht so bewusst sind wie in anderen Ländern.

Die Jugendlichen benutzen ihre PCs der Untersuchung zufolge zu Hause nicht nur für Spiele. Die Hälfte der befragten Schüler gab an, häufig Textverarbeitungsprogramme zu gebrauchen oder das Internet als Suchinstrument zu nutzen. Mädchen sind mit Computern laut Studie weniger vertraut als Jungen.

Quelle: RP-Online
http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wissenschaft/bi ldung/173080

Sonntag, 17 April 2011 18:04

Die Wettkampfklassen I und II

(15.11.2005 15:30)

Bei dem diesjährigen Stadtentscheid Basketball konnte sich im Wettkampf III der Jungen die Carl - Schomburg - Schule im Finale gegen die Offene Schule Waldau durchsetzen.

Sieger WK I Goethe - Gymnasium


Die Wettkampfklassen I und II wurden dagegen von den Schülern des Goethe - Gymnasiums dominiert, die im Endspiel jeweils gegen die Schüler der Carl - Schomburg - Schule die Oberhand behielten.

Sieger WK II Goethe - Gymnasium

Landessieger Mädchen WK I Orientierungslauf


Und auch den 1. Platz unserer allseits bekannten Mädels wollen wir nicht vergessen

Sonntag, 17 April 2011 18:02

Kulturkampf im Klassenzimmer

(26.11.2005 14:02)

Sie sitzt auf dem Zeugenstuhl, klein und blass, unscheinbar mit ihrer Brille und der Strickjacke. Nie hätte Julie Smith gedacht, dass es so weit kommen würde. Dass sie vor Gericht gehen und die Schule ihrer Heimatstadt verklagen würde. Denn an der Dover High School in Pennsylvania beschloss die Schulbehörde, dass die Schüler fortan darüber informiert werden sollten, dass die Evolution eine Theorie sei, kein Fakt.

Vorfahren des Menschen (v.l.n.r): Australopithecus anamensis, A. afarensis, Kenyanthropus platyops, A. africanus

Die medizinisch-technische Assistentin Julie Smith lebt in Dover, Pennsylvania, einem Provinzstädtchen mit 22 000 Einwohnern, zwei Autostunden nordwestlich von Washington. Weißer Kirchturm, viel Grün. Und die Dover High School, in die fast alle Jugendlichen des Ortes gehen.

Im vergangenen Jahr, so gibt sie jetzt vor Gericht zu Protokoll, hatte Julie Smith von dem Streit in der Schulbehörde gehört; einer Behörde, die die Bewohner des Ortes aus ihrer Mitte gewählt hatten. Von Gott war die Rede und vom christlichen Amerika und von einem Antrag, den Lehrplan für Biologie zu ändern. Damals hatte Julie Smith auch zum ersten Mal von "Intelligent Design" gehört - angeblich eine Alternative zur Evolutionstheorie von Charles Darwin, zur Lehre von der Abstammung der Arten.

Die betroffene Schule

Was Wissenschaftlern in aller Welt die Grundlage des modernen Weltbilds ist, wird in den USA inzwischen auf breiter Front unter Beschuss genommen. Als Gegenmodell präsentieren die Anti-Darwinisten die Idee, dass in der Natur eine intelligente Kraft wirken müsse, ein "Designer". Er habe die Entwicklungsgeschichte allen Lebens von Beginn an gesteuert und begleitet - wahrscheinlich mit dem Ziel, am Ende den Menschen entstehen zu lassen.

Amerikas öffentliche Schulen sind die Festungen, die genommen werden sollen, rund 17 000 Schulbehörden im ganzen Land, die großen Einfluss auf die Lehrpläne haben. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden in mehr als 20 Bundesstaaten, wie etwa in Ohio oder New York, Gesetzentwürfe zu "Intelligent Design" eingebracht oder, wie in Kansas, sogar landesweite Verordnungen für Schulen erlassen, in denen die Evolution infrage gestellt wird. Heute fehlt die Evolution auf dem Lehrplan in vier Bundesstaaten, darunter im bevölkerungsreichen Florida. Im Kreis Cobb, Georgia, prangte im vergangenen Jahr gar ein Aufkleber auf den Biologiebüchern: "Evolution ist eine Theorie, kein Fakt, was den Ursprung des Lebens betrifft." Im Januar verfügte ein Richter, die Aufkleber müssten entfernt werden, aber es wurde Berufung eingelegt.

Megan Kitzmiller, Tochter von Tammy Kitzmiller, die die Schulbehörde verklagte

Julie Smith verfolgte die Diskussion mit wachsendem Unbehagen. Eines Tages kam ihre Tochter Katherine, 16, aus der Schule nach Hause, beladen mit Vorwürfen. "Warum glaubst du an die Evolution?", schrie sie ihre Mutter an. "Was für eine Christin bist du eigentlich? Evolution ist eine Lüge!" So habe sie es von Freunden gehört. Und in der Schule. "Evolution ist eine Lüge!" In diesem Moment, als sie Angst bekam vor der wütenden Entschlossenheit ihrer Tochter, entschied sich Julie Smith, etwas zu unternehmen. Gemeinsam mit der Büroangestellten Tammy Kitzmiller und neun weiteren Müttern und Vätern verklagte sie die Schule. Unterstützt werden die Eltern von der liberalen Bürgerrechtsorganisation ACLU, der größten der USA.

Seit Ende September wird der Fall "04cv2688, Kitzmiller gegen Schulbehörde von Dover" nun vor dem US-Bundesgericht in Pennsylvanias Hauptstadt Harrisburg verhandelt. Der Prozess erregt landesweit Aufsehen. Denn erstmals muss ein Bundesrichter darüber urteilen, ob es sich bei "Intelligent Design" um eine wissenschaftliche Theorie handelt - oder, so die Position der Kläger, nur um eine moderne, pseudowissenschaftliche Verpackung für den Kreationismus, die Lehre der Bibeltreuen, nach der Gott vor 6000 bis 10 000 Jahren die Erde und die Menschen erschuf. Religiöse Konzepte dürfen an öffentlichen Schulen in den USA nicht gelehrt werden - so verlangt es das Verfassungsgebot der Trennung von Staat und Kirche. So verlangen es auch Julie Smith und ihre Mitstreiter.

Es geht um mehr als einen hässlichen Provinzstreit. Und es geht um mehr als die Evolutionslehre. Die religiösen Hardliner haben allem Atheismus und Materialismus den Kampf angesagt. In einem neuen, christlichen Amerika der Evangelikalen soll allein die Wahrheit der Bibel gelten. Es soll ein Amerika sein ohne Abtreibung, ohne Schwule, ohne Sexualkunde, ohne Darwin. "Diese Leute führen einen Angriff gegen die säkulare Gesellschaft", warnt Eugenie Scott vom liberalen Nationalen Zentrum für Wissenschaftserziehung.

Charles Darwin 1862: Nahezu 150 Jahre später lehnen 42 Prozent der Amerikaner seine Evolutionstheorie noch immer ab

Zu den Fußtruppen der religiösen Revolution zählen mittlerweile mehr als 100 Millionen Amerikaner. "Man muss endlich verstehen, dass sehr viele Amerikaner viel religiöser sind als die Europäer", sagt David Masci vom renommierten Washingtoner Forschungsinstitut "Pew Forum über Religion". "Und besonders die evangelikale Bewegung wächst. 42 Prozent der Amerikaner glauben an die Schöpfung des Lebens durch Gott in sechs Tagen. Sie sind fest davon überzeugt, dass Darwin die moralischen Grundlagen unseres Landes untergräbt. Sie wollen Gott im Klassenzimmer. Und das ist erst der Anfang. Diese Debatte wird immer intensiver geführt werden, überall im Land. Ja, wir befinden uns in einem Kulturkrieg."

Stern-Artikel aus Heft 46/2005

Sonntag, 17 April 2011 18:02

Wie ein Kameltreiber

(02.12.2005 20:53)

In die Rolle des Hilfslehrers gedrängt sehen sich fast alle, manche kommen sich dabei vor "wie ein Kameltreiber". Eltern von Kindern, die die fünfte oder sechste Klasse eines Gymnasiums in Baden-Württemberg besuchen, beobachten die Konsequenzen aus der Einführung des achtjährigen Weges zum Abitur ("G 8") mit Sorge.

Wenn die Hausaufgaben unter Druck erledigt werden müssen, ...


"Um's gleich vorwegzunehmen: Das achtjährige Gymnasium wird gewiss nicht zurückgedreht", beugte SPD-Bildungspolitikerin Carla Bregenzer zu Beginn ihrer Veranstaltung in Kirchheim, zu der sich ausschließlich betroffene Eltern eingefunden hatten, falschen Erwartungen vor. Dieses Ziel hatten die Anwesenden auch gar nicht. Einige Plädoyers dienten durchaus der Verteidigung der Idee des "G 8", durch das unter anderem mehr Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich erreicht werden soll. Die Eltern stört nicht die Neuerung an sich, sondern deren Umsetzung in der Praxis.

An welchen Schrauben gedreht werden soll, will Bregenzer, die die "übereilte Einführung" kritisiert, in Gesprächen mit Eltern und Lehrern herausfinden. Am Dienstagabend erhielt sie in Kirchheim reichlich Argumente, viel Besorgniserregendes wurde sachlich thematisiert.
Gemeinsamer Tenor unter den anwesenden Eltern: Die Schule greift mehr denn je ins Familienleben ein. Das bestätigten besonders jene, die auch "G 9"-Schüler zu Hause haben. "Wer die Situation bei zwei Kindern vergleichen kann, sieht sofort, dass der Stress zugenommen hat", bilanzierte ein Vater von vier Kindern. "Auf sechs Stunden Schule folgen die schriftlichen Hausaufgaben, Lernen ist da nicht mehr möglich", beschrieb eine Mutter die Problematik. Vokabeln lernen und die Vorbereitung auf Arbeiten fallen aufs Wochenende. "Das Wochenende im klassischen Sinn gibt es bei uns nicht mehr", ergänzte eine Frau. Viele berichteten, dass der Stoff knallhart durchgezogen werde, sodass in den Familien geradezu Angst aufkomme, sobald das Kind erkranke.

...die Entspannungsphasen wegfallen, dann...

Eine Mutter, die die Fülle der Hausaufgaben als machbar einstufte, beklagte dennoch die mangelnde Vorbereitung: "Die Kinder sind oft nicht allein zum Lösen fähig", sagte sie und vermutete, dass in der Schule zu wenig Zeit zum Üben bleibe. "Das Mehrpensum wird aufs Elternhaus verlagert", resümierte ein Vater unter zustimmendem Nicken. Was das bedeutet, ist klar: Wer zu Hause kompetent betreut wird, kommt eher mit als ein Kind, das aus welchen Gründen auch immer auf sich gestellt ist. "Da steckt ein Fehler im System, wenn Eltern so viel Unterstützung leisten müssen", sagte ein Vater.

Dass Fünft- und Sechstklässler heute weniger Freizeit haben als noch vor kurzem, haben alle beobachtet. Allen Klagen über dicke Kinder zum Trotz, könne man den Nachwuchs aus Zeitmangel kaum draußen spielen lassen. Musikstunden gelten zeitlich betrachtet als Luxus. "Die soziale Kompetenz geht den Bach runter, weil man sich nicht mehr mit Freunden trifft", bemerkte eine Mutter. Will die Familie mal nachmittags etwas unternehmen, so sei dies teuer erkauft: Das Kind sitzt dann abends umso länger am Schreibtisch. "Meine Tochter hat einen längeren Arbeitstag als viele Berufstätige", sprach eine Betroffene vielen Anwesenden aus der Seele.

Ein Vater eines Fünftklässlers wehrte sich allerdings dagegen, alles aufs "G 8 " zu schieben. Viele Probleme, speziell in der fünften Klasse, seien nicht ursächlich darauf zurückzuführen. Im Übrigen äußerte er die Vermutung, dass vielfach Angst auf die Kinder übertragen werde durch allzu besorgte Eltern.

....sackt die Leistung schnell ab

Dass sie Angst um ihre Kinder haben, gaben die meisten Eltern durchaus zu. Einige erwägen den sofortigen Schulwechsel, um ihrem Kind Druck zu ersparen, andere hoffen ab der Oberstufe auf ein berufliches Gymnasium. Eine Mutter schlug vor, Ferienwochen zu "opfern", um mehr Zeit für den Stoff zu haben. Eine andere liebäugelte mit der Idee, durch massenhafte Abmeldungen vom Gymnasium Druck auszuüben: "Dann muss der Bildungsplan geändert werden", lautete ihr Argument.

Eine wichtige Erkenntnis des Abends war auch, dass sich die Klagen nur zum geringen Teil gegen die Lehrer oder die Schulen vor Ort richteten. "Im Grunde tun mir die Lehrer leid", meinte eine Mutter, seien sie doch selbst in der Experimentierphase. Dass auch ihre Kinder "Versuchskaninchen" sind, passt den meisten Eltern jedoch bei allem Mitgefühl nicht. Deshalb setzen sie ihre Hoffnungen auf Nachbesserungen.

"An der Lehrerausbildung muss sich etwas ändern", betonte Carla Bregenzer und erzählte von entsprechenden Diskussionen im Schul- und Wissenschaftsausschuss. Außerdem werde mehr Frühförderung benötigt und eine Art Verzahnung der Gymnasien mit den Grundschulen. Weiter setzt die SPD auf den Ausbau der Ganztagsschulen. Wichtig sei ferner eine nochmalige Entrümpelung des Lehrplanes und eine bessere Verteilung des Stoffs aus der weggefallenen Klassenstufe auf die Klassen fünf bis acht. Diese Ansinnen werden im Landtag in Baden-Württemberg im Januar 2006 erneut diskutiert. Bis dahin sollen Umfrageergebnisse des Landeselternbeirates vorliegen.

IRENE STRIFLER, "Ich fühle mich wie ein Kameltreiber" vom 1.12.2005
unter: http://www.teckbote.de/region/lokales/Artikel326477

Sonntag, 17 April 2011 18:01

Unser Konzept kam gut an

(03.12.2005 17:29)

Auf der MINT-Messe (Mathe. Informatik, Naturwissenschaft, Technik) haben Schulen aus ganz Hessen in der Universitätsaußenstelle Niederzwehren zu verschiedenen Themen ausgestellt. Einen kurzen, persönlichen Bericht haben wir von unserer Chemie- und Biologielehrerin Ilse Kühn erhalten, die bereits viele Projekte erfolgreich mit Auszeichnungen betreut hat.

Frau Ilse Kühn vertritt das Goethe-Gymnasium


Hallo, Herr Prauß, hallo, Herr Gries,

Ich habe hier unsere Projekte vorgestellt, die wir in der Chemie-AG im Laufe der Jahre mit Erfolg bearbeitet haben. Dazu gab es noch ein Poster über den gesamten naturwissenschaftlichen Bereich des Goethe-Gymnasiums und vor allem auch über die Arbeit im Kinderlabor. Unser Förderkonzept, beginnend mit Naturwissenschaften in den Klassen 3 und 4 und die Anschlusskonzepte (Beispiel Chemie-AG in 5 und 6), haben sogar den Staatssekretär, Herrn Jakobi, und verschiedene Personen aus dem Staatlichen Schulamt und der Uni Kassel sehr interessiert. Sie haben sich lange mit mir über die frühe naturwisschaftliche Förderung unterhalten und fanden unser Konzept gut.

Weiter habe ich Kontakte geknüpft mit Gymnasien aus Mittel- und Südhessen, die mir ihre Adressen hinterlassen haben mit der Bitte, Unterlagen an Sie zu senden. Auch eine Schule in Hanau hat sich bei mir am Stand gemeldet, die mir von der Begabtenförderung her bekannt ist. Schön war auch, dass sich einige Ehemalige aus unserer Schule bei mir eingefunden haben, die naturwissenschaftliche Fächer studieren, sich sehr gerne an unsere Schule und die Ausbildung erinnern und gezielt Nachfragen gestellt haben, wie es uns denn jetzt so geht.

Schön wars, auch wenn ich mir eiskalte Füße geholt habe, aber da muss ich durch!

Herzliche Grüße

Ilse Kühn

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