ZeitPunkte

ZeitPunkte (306)

Donnerstag, 18 August 2011 18:52

Wolff im Schafspelz

 

Ein Kommentar von Christian Schmidt aus dem Medienkurs Deutsch, Jahrgangsstufe 12 (19.01.2001 18:27)

Ganz Deutschland reißt sich um Studienabsolventen. Sobald einer von ihnen mehr oder weniger qualifiziert die Universität verlässt, wird er mit verlockenden Angeboten geradezu überhäuft. Nein, die Rede ist ausnahmsweise nicht von Informatikern. Dieses Mal sind es die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer, die aufgrund ihres Seltenheitswertes den Kultusministern den Angstschweiß auf die Stirn treiben und sie zu mehr oder weniger verzweifelten Anwerbekampagnen verleiten.
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Während viele Bundesländer sich noch eher ruhig verhalten, zieht die Hardlinerin im Kampf um junge Lehrkörper, die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU), jetzt ganz andere Saiten auf. "Kräftig entrümpelt" habe man den Einstellungserlass, "innovative Ansätze zur Lehrergewinnung" seien gefragt. Während sich manch einer über den Sinn dieser prägnant formulierten Aussagen Gedanken macht, werden sie derweil von einer rastlosen Karin Wolff in die Tat umgesetzt.
Nicht nur Lehramtsstudenten, sondern auch Absolventen von Diplom- oder Magisterstudiengängen verwandeln sich zunehmend in ein Objekt der Wolff'schen Begierde. Wer braucht schon Pädagogik? Ein Aufbaustudium tut's doch auch.
Getreu diesem Motto wird eifrig versucht, dem drohenden Hungertod des hessischen Schulsystems, verursacht durch Lehrermangel, entgegenzuwirken. Karin Wolff kocht dabei ihr ganz eigenes Süppchen, denn ein Abwerben von Lehrern aus anderen Bundesländern, mittlerweile sogar im laufenden Schuljahr, ist an Gleichgültigkeit gegenüber den Problemen der anderen Länder kaum zu überbieten.
Ein besonders netter Einfall ist in diesem Zusammenhang auch die hessische Anzeigenkampagne unter der Überschrift "Hessen sucht Lehrer!". Wer wird da nicht schwach werden? Womöglich mehr als sich Karin Wolff erhofft hatte, denn bisher sind lediglich 110 Anwärter dem Ruf der hessischen Lehrerbeschaffungsministerin gefolgt.
Bleibt nur noch abzuwarten, wann sich die ersten Schüler mit dem Unterrichten ihrer jüngeren Leidensgenossen das Taschengeld aufbessern werden - Verbeamtung nicht ausgeschlossen.

Donnerstag, 18 August 2011 18:51

Was sind Werte noch wert?

Von unserem Redaktionsleiter Zeitung und TV Ulrich Eichler (19.01.2001 18:47)

Ein Kommentar zum Millenniumsjahr. Schwarze Kassen, geheime Konten, verschleierte Kanäle, ein Gespinnst aus Lügen und Widersprüchen - die CDU gerät in einen Parteispendenskandal, deren Hauptverantwortlicher Altbundeskanzler Kohl ist.

Mit der umstrittenen TV-Containershow "Big Brother" ist die Schmerzgrenze des totalen Voyeurismus noch immer nicht erreicht. Die Programmgestalter haben längst erkannt: TV-Unterhaltung scheint zur Zeit der Renner zu sein und je blöder die Sendung, desto höher die Einschaltquote.



Deutsche "Werte"-Kultur?



Auch die Blödelmaschine Stefan Raab ist in unserer Spaßrepublik mit seinen Musikstücken "Maschendrahtzaun" oder "Wadde hadde dudde da" als TV-Entertainer unschlagbar.

Augen- und Gelenkschmerzen diagnostizieren Mediziner durch übertriebene virtuelle Jagd eines Mohrhuhnes auf deutschen PCs. So scheint es, dass wir uns immer noch nicht "zu Tode amüsiert haben?! (Neil Postman).

Erst verprügelt der Welfenprinz Ernst August in Kenia einen unliebsamen Discobesitzer krankenhausreif, und dann degradiert er sich zum Expo-Freiluft-Pinkler: bei einem Besuch der Weltausstellung in Hannover urinierte er vor dem türkischen Pavilon.

Fußballtrainer des Bundesligisten Bayer Leverkusen Christoph Daum soll nach der EM-Pleite als neuer Stern am Fußballhimmel erleuchten und für die Sportjugend als anerkannte Leitfigur aufsteigen. "Zu verschnupft!", hieß es da plötzlich vom Manager des FC Bayern München Uli Hoeneß, unterstützt vom gnadenlos salbadernden Saubermann "Kaiser" Franz Beckenbauer. In einer atemberaubenden Geschwindigkeit stürzt der Hoffnungsträger nach einer selbst auferlegten Haaranalyse innerhalb weniger Wochen nahezu ins Nichts.

Einst in Wimbeldon als "Bum-Bum-Boris" und Shootingstar der Tenniswelt gefeiert, kam Boris Becker mit der Trauung seiner geliebten Babs erst richtig in die Gunst des deutschen Stammtischgeplaudere und Treppenhaustratsches. Das jähe Ende jener scheinbaren Vorzeigeehe verunsicherte bundesrepublikanische Biederfrauen/männer.

Papst Johannes Paul II. empfängt den österreichischen Rechtspopulist Jörg Haider persönlich anlässlich der Übergabe eines Weihnachtsbaumes, selbstverständlich original aus Kärnten für den Vatikanstaat.

Genug der Aufzählung von Menschen, sogenannten Persönlichkeiten oder "Very Important Persons", die für uns einst einen besonderen Stellen-"Wert" hatten.
Jedenfalls habe ich mir zum neuen Jahr 2001 gedacht: "Was die gemacht haben, könnte ich mir doch auch mal leisten!" Also kaufe ich mir endlich einen neuen Porsche, natürlich nur auf Pump, in der Hoffnung, dass es sicherlich keiner merken wird und mir die Finanzierung völlig egal ist. Mit diesem sportlichen Fahrzeug gelten natürlich keine Geschwindigkeitsbegrenzungen, und die Strafanzeigen werfe ich sowieso gleich in den Papierkorb.
Richtig, mit der UMLAUF-Kasse könnte ich noch an der Börse mein Glück probieren. Wenn es schief läuft, kann ich erklären, dass ich für die Schule nur das Beste wollte. Das wäre doch mal was, so richtig gegen den Strich kömmen und in Wild-West-Manier - wie beim heimlichen Treppenabriss auf dem Königsplatz in Kassel - sein neues Leben gestalten wieder in der Hoffnung, dass es mir keiner so richtig Übel nimmt. Außerdem, was sind Werte, die einst mit der Entstehung der Bundesrepublik Deutschland so tiefgreifend propagiert wurden, wirklich noch wert? Breitet sich etwa der Polyp "Werteverlust" immer weiter aus? Fehlen heute tatsächlich Persönlichkeiten, die nachahmenswerte "Werte" verkörpern - ich denke da an Gandhi, Martin Luther King oder Sophie Scholl, die durchaus Vorbildcharakter hatten und noch bis heute haben.

Sicher ist, dass die von der Unterhaltungsindustrie aufgepuschten Idole nur kurzlebig sind und keinen nachhaltigen Stellenwert für unsere "Werte"-Orientierung haben werden. Unsere augenfällig nach noch mehr Macht und Verfügungsgewalt strebende politische und wirtschaftliche Szene kann es scheinbar im Moment auch nicht mehr sein, an die sich die jetzige Generation messen könnte.
Was bleibt? Was ist noch ein "Wert" in unserer Gesellschaft? Euro, Dollar, Yen oder Rubel?
Wachsam bleiben und nicht dem Fatalismus verfallen: "Man kann ja doch nichts (ver)ändern!" Nein, sich aus Allem rauszuhalten, das ist der beste Nährboden für Idole, die wir bereits aus der Geschichte und wieder in jüngster Zeit erleben: Willkür, Egoismus, Hass und Brutalität.
Kreativität, Engagement mit einer angemessenen Portion "Rebellion", sowie Verständnis und Veränderung für die Not anderer ist gefragt. Nur diese Eigenschaften garantieren unser Grundrecht auf Leben und Würde.
Ist das nicht der höchste "Wert"?

Donnerstag, 18 August 2011 18:51

Aus den Augen, aus dem Sinn

Ein Kommentar von unserem Redaktionsleiter Ulrich Eichler (27.01.2001 00:55)

Angriff soll manchmal die beste Verteidigung sein, so heißt es zumindest im Volksmund. Das scheint sich auch der neue Generalsekretär der CDU Laurenz Meyer zu eigen gemacht zu haben, indem er von innerparteilichen Krisen mit geschmacklosen visuellen Verunglimpfungen gegen den Kanzler und seine Regierung ablenken will. Hält etwa die CDU die deutschen Bundesbürger mittlerweile für so unsensibel, dass sie sicher ist, mit einem Verbrecher-Fahndungsfoto des Bundeskanzlers als Rentenbetrüger potentielle Wählerstimmen in den Bundesländern fangen zu können? Haben sich die Macher mit diesem "Verbrecher"-Plakat etwa vom Pop-Art-Künstler Andy Warhol inspirieren lassen, der jedoch gezielt den Zeitungs-Rasterpunkt als gestalterisches Mittel für seine Seriegrafien "Most Wanted" eingesetzt hat?



Andy Warhol, "Most Wanted"



Nur gut, dass in vielen Teilen der Bevölkerung, auch in den Reihen der CDU, diese Entgleisung sehr schnell erkannt wurde. Durch den Sturm der Entrüstung musste schließlich diese primitive Provokation und Verunglimpfung eingestampft werden.

Klar, Generalsekretäre sind die treibende Kraft der Partei. Sie haben schließlich dafür zu sorgen, dass ihre Fraktion in der Öffentlichkeit im positiven Rampenlicht steht. Da muss natürlich stets die Darstellungsweise hinterfragt werden, die in unserer Mediengesellschaft mittlerweile eine zentrale Macht übernimmt. Den Stil hat der "christlich"-demokratische Parteigeneral Meyer aus dem Blick verloren, denn die CDU ist doch die Partei, die immer wieder auf den Erhalt von Moral und Ethik pocht ("Leit-Kultur" lässt grüßen!).

"Angriff ist die beste Verteidigung!"


Ich werde das Gefühl der Ausweglosigkeit, des Bankrotts dieser Partei nicht los. Statt ihre Aufgaben als Opposition im Bundestag zu erledigen, eigene Konzepte zu entwickeln, konstruktive Alternativen der Regierung anzubieten, wird ständig mit unsachlichem und emotionalem Niveau auf politischen Nebensächlichkeiten herumgetrampelt. Da wird der Rücktritt der Grünen-Minister Joschka Fischer und Jürgen Trittin gefordert, weil sie sich nicht während der 68er Jahre, der Zeit der Studentenbewegung, im Sinne des RCDS (Ring Christlich Demokratischer Studenten) politisch angepasst haben, sondern eher den Ideen des SDS-Funktionärs Rudi Dutschke und seinem Pendant in Frankreich, dem heutigen Europa-Abgeordneter Cohn-Bendit, gefolgt sind.

Nur: Durch diese Zeit der Revolte gegen das "Establishment" konnte schließlich eine Jugend reifen, die heute mit mehr demokratischen Privilegien in Schule und Gesellschaft versehen ist. Darüber hinaus bildete sich schließlich auch ein ökologisches Bewusstsein, das zur Gründung der Partei der "Grünen" führte.

Eines wird in dieser Woche ganz deutlich: Mit sachlogischen Argumenten scheint die Opposition im Moment hinsichtlich des Rentenproblems die Rot-Grüne-Koaltionsregierung nicht überzeugen zu können.
Wurde etwa bei der CDU wieder eine falsche Parteispitze ausgewählt? Wann verstehen endlich jene Unions-Funktionäre, dass nach der Ära von Ex-Kanzler Helmut Kohl längst ein Generationswechsel eingeläutet ist? Alte Kohl-Anhänger und -Ableger haben bei der Jugend keine Zukunft mehr, denn nur ein neuer, überzeugender, sachpolitischer Stil hat eine Chance eine Wahl zu gewinnen.

Donnerstag, 18 August 2011 17:53

Trotz BSE, ich esse weiterhin meinen Hamburger!

(09.02.2001 19:55)

Jeden Tag gibt es eine neue Schreckensmeldung in den Medien über die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (kurz: BSE). Dachte man vor kurzem noch, dass es diese Krankheit nur in dem Vereinigten Königreich gäbe, so wurde man am 24. November 2000 eines Besseren belehrt. An diesem Tag wurde zum ersten mal ein erkranktes Rind in Deutschland offiziell entdeckt. Sogleich begann eine riesige Panikmache in der bis dahin unbefleckten deutschen Rinderwelt.



Massentierhaltung wird keine Zukunft haben.

Seither gab es keinen Tag an dem nicht in den Medien über BSE berichtet wurde. BSE wurde zum Thema, sei es bei Stammtisch und Treppenhausgesprächen oder in Fachzeitschriften, dass in viele Bereiche übergriff, die nichts mit dem Verzehr von Fleisch oder der Landwirtschaft zu tun hatten. Der deutsche Fleischverzehrer wurde von einer riesengroßen Welle der Angst und Panikmache überrollt. Aus Ladenregalen wurden Proben entnommen und getestet, natürlich wurden in 3 von 5 Würsten Rindfleischanteile gefunden.

Andererseits wurde man mit Informationen über die finanziellen Einbußen der Bauern, deren Höfe betroffen sein können, zugeschüttet. Die Fleischerorganisation Kassels bringt Briefe an die Kunden in den Umlauf, in denen sie erklären, dass man heutzutage weniger für "ein ordentliches Stück vom Rind" bezahlen muss, als für eine Packung Hundefutter. Aber das einzige, was sie mit diesen Briefen erreichen, ist eine erneute Verunsicherung der Verbraucher. Trotz aller Berichte von Seiten der Presse und aller Briefe von Seiten der Agrarwirtschaft bleibt die wichtigste Frage offen:

Können wir auch weiterhin Rindfleisch essen?

Bisher wurde in keinem Land eine direkte Übertragung von BSE auf den Menschen bewiesen. Der Konsum von Rindfleisch ist in Deutschland, trotz der BSE-Fälle so sicher wie in vielen nicht BSE-befallenen Länder. Mit Hilfe der neuen Etikettierung, kann verfolgt werden, wo das Rind geboren, wo es geschlachtet und gemästet wurde. Die Sache des Rindfleischverzehrs ist also eine Sache - wie auch schon vorher- des Vertrauens.

Wie soll nur ein Deutscher ohne Wurst weiterleben können?

Es liegt an jedem selbst, ob er das Fleisch in seinem Stammrestaurant, weiterhin bestellt oder dafür lieber auf Schwein oder Geflügel umsteigt. BSE ist dazu einfach noch zu unerforscht, um ein deutliches Ergebnis zu nennen. Heutzutage kann man überall, wo Rindfleisch verkauft wird, auch nachfragen, wo es her kommt. Bei McDonalds kann man sich Lieferlisten zeigen lassen. Dies ist immer noch die einzige Sicherheit die man haben kann.

Wie groß sind die Einbußen der Bauern?

Sicher ist, dass die Bauern durch die BSE-Krise, einige Einbußen erleiden müssen. Die Meisten müssen ihre Futtermittel umstellen, weil sie vorher die Rinder mit Tiermehl gefüttert hatten, denn das war schließlich der Grund des BSE-Ausbruchs. Das Problem der BSE-Krise ist, dass sie mehr auf Vermutungen beruht. Da ist es kein Wunder, dass die Verbraucher verunsichert sind. Auch die Regierung scheint zunächst hilflos zu sein. Damit sie den Rindfleischpreis anheben und damit auch die Agrarwirtschaft wieder ankurbeln kann, will sie 400.000 Rinder töten. Diese Rinder sind keineswegs krank oder von BSE befallen.

Sie werden grundlos hingerichtet, damit man den Bauern und der bundesrepublikanischen Bevölkerung zeigen kann, dass eine Lösung für ein Problem (unter dem Deckmantel des stabilen Rindfleischpreises) gefunden wurde, was in letzter Zeit ja nicht unbedingt die Stärke der Rot-Grünen Regierung zeigte. Eines soll sicherlich erreicht werden: Deutschland soll wieder frei und sauberes Agrarland werden.

Donnerstag, 18 August 2011 17:53

Kommentar: Let me be your Valentine

(14.02.2001 17:16)

Blumen, Herzchen, Kitsch en masse: Es ist mal wieder Valentinstag. Jedes Jahr aufs Neue überhäufen sich Millionen von Menschen auf der Welt mit Milliarden von Grußkarten und Blumensträußen und viele wissen nicht einmal wieso. Manch ein glücklicher Mensch mag in diesen Tagen in seinen elektronischen Briefkasten sehen und dort mit Befremden ein auf seltsame Art und Weise beschränkt dreinschauendes Nagetier entdecken, das von seinem Computermonitor mit Küssen übersät wird.



Derart kitschige Karten trudeln am Valentinstag zu Hauf ein!

Dabei handelt es sich nicht um einen schlechten Scherz, sondern um eine von Millionen elektronischer Grußkarten, die am Valentinstag über die Datenautobahn geschickt werden und ihrem Empfänger nicht zuletzt durch eine dezent im Hintergrund plärrende Musik eine Freude machen sollen. Der ganz normale Wahnsinn an einem Tag, der die Konsumgier und das Ausschlachten von Feiertagen seitens der Industrie wieder einmal ins Rampenlicht rückt.
In Anbetracht dieser Tatsachen erscheint es eher fraglich, ob der Mönch Valentin diesem Tag freiwillig seinen Namen zur Verfügung gestellt hätte. Ihm, groteskerweise sogar dem Datum seiner Hinrichtung im Jahre 269, haben wir es zu verdanken, dass wir jedes Jahr aufs neue den 14. Februar als Valentinstag feiern können. Anstatt Blumen zu versenden oder Grußkarten zu schreiben, beschäftigte er sich damals jedoch mit der Trauung von Paaren, denen zur damaligen Zeit keine öffentliche Hochzeit gestattet wurde. Seinen zweifelhaften Siegeszug trat der kommerzielle Ableger des Valentinstages jedoch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts an. Dass ausgerechnet zu dieser Zeit gerade die Papier-Klappkarten erfunden wurden, vermag wohl niemanden mehr so recht zu überraschen. Seitdem müssen die Altpapierverwertungsbetriebe mit über einer Milliarde von Grußkarten, die jedes Jahr zum Valentinstag alleine in den USA verschickt werden, zurechtkommen. Die in dieser Beziehung notorisch zurückhaltenderen Deutschen bringen es selbst im gesamten Jahr nicht auf solch eine stattliche Anzahl. Doch auch hier ist man auf dem "besten Wege". Endlose Bestelllisten über Plastikherzchen, Liebessticker und anderes Valentinszubehör liefern im Internet einen eindeutigen Beleg dafür.
Eins ist auf jeden Fall sicher: Der Valentinstag wird vielen Menschen Freude bereiten. Ob es sich hierbei um die Empfänger einer grandios gestalteten Valentins-Grußmail oder um den Inhaber des nächstgelegenen Fleurop-Stützpunktes handelt, sei jedoch erst einmal dahingestellt.

Donnerstag, 18 August 2011 17:52

Alle Jahre wieder...

Eine kritische Betrachtung von unserer Redakteurin Sabine Behr (22.12.2000 18:11)

 

"Die Familie feiert Weihnachten am Heiligen Abend, vor oder nach dem Weihnachtsgottesdienst." Dieser - dem Gotteslob entnommene - Satz ist Ursache dafür, dass Pfarrer an Heilig Abend über zusätzliche Sitzreihen oder sogar einen Anbau an die Kirche nachdenken.



Kitsch oder Tradition? Das Familienidyll unterm Weihanchtsbaum.
(Bild: Unbekanter Künstler, Holzschnitt, 1860)


An Heilig Abend strömt jeder gute Christ und jede gute Christin in die Kirche, um sich feierlich der eigentlichen Bedeutung des Weihnachtsfestes zu besinnen und zu zeigen, dass man sich bewusst ist, dass Weihnachten im vierten Jahrhundert entstand, um "die Gottheit Christi gegen alle Leugner festlich (zu) bekennen". Man weiß natürlich auch, dass dieses Fest von der römischen Kirche auf den 25. Dezember - den heidnischen Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes - gelegt wurde, weil sie auf die symbolische Kraft des Datums hoffte. "Sie feiert damit Christus als die wahre Sonne, der in seiner Geburt der Welt aufgegangen ist, der im Tod nicht untergehen konnte und der wiederkommt in Herrlichkeit."

Selbstverständlich kommt es niemandem in den Sinn wegen banaler und weltlicher Überlegungen dem Weihnachtsgottesdienst beizuwohnen. Völlig absurd ist die Vorstellung, jemand ginge an diesem Tag in die Kirche, weil er keinen Stress mit den Eltern haben möchte, die Zeit bis zur Bescherung sich sonst noch länger hinzöge oder er sich eine Jahresabsolution erhofft. Nein. Wer kommt denn auf solche Ideen?

Komisch ist aber doch, dass an gewöhnlichen Sonntagen die Kirchen meist von gähnender Leere erfüllt sind. Nein, das ist nicht merkwürdig, sagen Viele, denn es reicht doch wirklich, einmal im Jahr in die Kirche zu gehen. Außerdem bezahlt der ordentliche Bürger doch Kirchensteuer. Also, mehr kann man wirklich nicht verlangen. Sonntag morgens hat man besseres zu tun: schlafen, fernsehen, frühstücken, faulenzen. Das hat man sich schließlich die Woche über redlich verdient! Was bringt es denn in die Kirche zu gehen?Gemeinschaft, Hoffnung, Trost, Zuflucht? Das braucht doch heutzutage niemand mehr.

Aber wieso dann gerade an Weihnachten? Ist das Osterfest für den christlichen Glauben nicht viel wichtiger? Oder habe ich etwas falsch verstanden und man geht gar nicht des Glaubens wegen an Heilig Abend in die Kirche, sondern nur noch aus Tradition?

Alle Zitate sind folgender Quelle entnommen:Katholisches Gebet- und Gesangbuch für das Bistum Fulda, Seite 206, Nummer 128

Donnerstag, 18 August 2011 17:52

Die, die nicht wählen können

Ein Kommentar von unserem Redakteur Jonas Leppin (24.11.2000 21:26)

Stellen wir uns doch mal vor, die Österreicher hätten damals auch etwas falsch verstanden, wie vor Kurzem die netten Rentner in Florida. Vielleicht wollten sie auch jemand anders wählen, aber die FPÖ war so unvorteilhaft auf dem Stimmzettel positioniert, dass viele aus Versehen ihr Kreuz dort gemacht haben oder gar nicht die Kraft hatten eines zu zeichnen? Wurden Stimmen mit der Beschriftung "Alles Schweine!" als klare Beschreibung der FPÖ gewertet und nicht als Zeichen des potentiellen Nichtwählers?
Ein wichtiges Stichwort ist auch die "Briefwahl". Ich glaube kaum, dass ein Anhänger der FPÖ einen Brief, der seine Stimme beinhaltet, weggeschickt hat, denn Inhalte sind schon immer das Problem dieser Partei gewesen. Nachprüfen!
Wer hat da überhaupt die Stimmen ausgezählt? Jörg Haider? Dem müsste mal nachgegangen werden.
Ich will jetzt nicht Österreich als unzurechnungsfähig erklären, schließlich wirft dies ja auch keiner den Amerikanern vor, aber wenn ein so
großer Staat wie die USA sich irrt, dann kann es doch auch sein, dass Österreich etwas nicht richtig auf die Reihe bekommen hat.
Es sollte wenigstens einen Versuch wert sein, alle Stimmen von Hand nochmal nachzuzählen. Denn Fehler sind nicht das Schlimmste. Wir haben das auch schon gemacht. Man muss nur aus ihnen lernen. Das müssen Deutschland, die USA und Österreich.

Donnerstag, 18 August 2011 17:51

NetD@ys 2000 in Berlin

(02.12.2000 11:46)

Es ist Samstag, der 25. November, 4 Uhr morgens. Drei mehr oder weniger zwielichtige Gestalten treffen sich vor einem kleinen Haus in Wolfsanger,steigen in ein Auto ein und fahren davon. Zeit- und Ortwechsel. Immer noch dieselben drei Gestalten. Diesmal 9 Uhr morgens in Berlin. In knapp drei Stunden sollen sie einem Workshop von Narra beiwohnen...

Eine der drei Gestalten versucht dem
Publikum einen Schrecken einzujagen.

Um einmal Licht in die Sache zu bringen, die drei Gestalten sind natürlich nicht zwielichtig, sondern UO-Redakteure. Und diese haben in der Tat an einem Workshop teilgenommen, dessen Veranstalter der Verein Narra e.V. war. Thema dieses Workshops war "Internet - das neue Medium der Meinungsäußerung".
Was aber ist denn Narra ? Narra e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der von "einer Gruppe von Schülern, Studenten, Zivis, jungen Arbeitslosen und Lohnsteuerzahlern, gegründet wurde". Dieser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt unter www.narra.de ein Jugendportal ins Internet zu stellen. Der Start ist für Februar 2001 geplant. Narra geht es dabei nicht um Profit sondern um die Darbietung von Inhalten, die wirklich für Jugendliche interessant sind. Dass man bei Narra damit nicht völliges Neuland betritt zeigt die Tatsache, dass die meisten Mitglieder bereits Erfahrung in Sachen Jugend und Medien gewinnen konnten, als sie noch bei der Berliner Jugendzeitung Check-Point mitarbeiteten.
Doch nun zum Workshop. Auch wenn das Thema sehr vielschichtig war, ging es doch im Wesentlichen um das Erstellen einer Homepage mit allem was dabei wichtig ist. Vom Erstellen des Konzepts über die grafische Aufmachung bishin zum Eintragen der eigenen Seite in eine Suchmaschine. Der gesamte Workshop wurde in einer sehr lockeren und entspannten Atmosphäre gehalten, was die Zeit trotz der Hülle an Informationen (und zwar so vielen, dass selbst wir noch etwas dazugelernt haben) sehr kurzweilig werden ließ. Insgesamt gab es zwei Gastreden. Eine von uns und eine von einem Mitarbeiter von dj-sets.com. Dieser sprach über die Darbietung von Multimedia auf der eigenen Seite und erläuterte kurz die gängigsten Audio- und Videoformate.

Ein Mitarbeiter von DJ-Sets.com erklärt die
Umsetzung von Musikformaten im Internet.

Als dritte Preisträger des diesjährigen Spiegel-Wettbewerbs durften wir zum Thema Aktualität ausführlich über Sinn und Zweck und die Nachteile eines Redaktionssystems reden. Danach zeigten wir an unserem eigenen Redaktionssystem die Funktionsweise eines solchen.
Gegen 15 Uhr ging die Veranstaltung ihrem Ende zu. Beide Seiten haben aus dieser Veranstaltung etwas Positives gewonnen. Umlauf Online wird sicher genauso wie narra.de, einige Besucher mehr haben. Außerdem wurde der Grundstein für eine Partnerschaft der beiden Seiten gelegt. Diese Partnerschaft beinhaltet eine Übersicht über die wichtigsten Nachrichten bei UO auf der narra.de Homepage. Ebenso wird narra.de auf der Umlauf-Seite dauerhaft präsent sein. Aber nicht nur für UO hat sich dieser Ausflug gelohnt, auch wir hatten auf diesem Trip nach Berlin wirklich unseren Spaß.
Was wir jedoch danach am Abend noch in Berlin an Interessantem erlebt haben, bleibt unser Geheimnis und wird nicht verraten. ;-)

Donnerstag, 18 August 2011 17:51

Krisenherd Nahost

(15.11.2000 18:58)

Innerhalb von vier Wochen hat sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern dramatisch zugespitzt: Am Anfang war es Protest gegen den Besuch des israelischen Oppositionsführers Sharon auf dem Jerusalemer Tempelberg, mittlerweile spricht man vom "palästinensischen Unabhängigkeitskrieg". Und mittlerweile ist klar geworden, dass ein Nebeneinander von Israelis und Palästinensern nicht im Bereich des Möglichen liegt. Zu stark ist der Hass aufeinander im Bewusstsein der Bevölkerung verankert, zu lange diskutierte man über Frieden, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.



Gerhard Schröder spricht mit dem ägyptischen
Präsidenten Hosni Mubarak (r.)


Die jüngsten Ausschreitungen im Nahen Osten sagen viel über Frustration, Wut und mangelnde Akzeptanz aus. Die israelische und palästinensische Bevölkerung geht mit einer Aggression aufeinander zu, die bislang mehr als 165 Tote forderte. Städte werden belagert, Menschen mit Steinen bombardiert, Teile der Autonomiegebiete unter Feuer genommen, Kampfhubschrauber und Panzer eingesetzt, die Angst vor Terroranschlägen schießt in Israel und den palästinensischen Gebieten um sich. Der israelische Ministerpräsident Barak und Palästinenserführer Arafat steuern zur Zeit einen Konfrontationskurs, von dem sie offensichtlich auch US-Präsident Clinton nicht abbringen konnte.

Vergangenes Wochenende ließ Arafat verlauten: "Die Unruhen gehen solange weiter, bis ein palästinensisches Mädchen oder ein Junge die palästinensische Flagge über Jerusalem hissen wird.". Barak hingegen werde sich erst wieder Willens zeigen, die Friedensverhandlungen fortzuführen, wenn die Unruhen und die Gewalt im gesamten Bereich zwischen Mittelmeer und Jordan nachgelassen haben. Im gleichen Zuge kündigte der israelische Vize-Verteidigungsminister Sneh eine Großoffensive gegen die Palästinenser als Selbstschutzmaßnahme an. Arafat müsse aufhören zu versuchen, durch Frontkämpfe Frieden schaffen zu wollen.

Denn selbst als Friedensnobelpreisträger setzt jener auf Gewalt, wenn er mit diplomatischen Mitteln nicht weiterkommt. So scheint der Vorwurf Baraks gegenüber Arafat gerechtfertigt: "Mit Gewalt werden Sie nichts erreichen. Verhandlungen führt man am Tisch, nicht auf der Straße und nicht mit Schüssen und Steinen" Doch das Problem des Friedens liegt im Bewusstsein der Menschen. Der palästinensische Extremistenführer Schakaki formulierte einst: "Wirklicher Friede kommt erst, wenn Israel von der Landkarte verschwindet.".

So wie die Vorstellungen der beiden großen Regierungschefs und der Bevölkerung unvereinbar scheinen, disharmonieren derzeit auch die politischen Lager der israelischen Regierung, die zu einer Notstandsregierung zusammengefasst werden sollen. Barak, Vorsitzender der Arbeitspartei, sieht keine andere Möglichkeit den Staat Israel durch die Krisensituation zu lenken, als sich mit dem rechten Oppositionsführer Ariel Scharon zu verbünden. Zwar hätte man sich bereits auf eine gemeinsame Politik über die Palästinensergebiete geeinigt, es blieben jedoch letzte Hürden bestehen: Scharon fordert ein Vetorecht in allen Fragen des Friedensprozesses und Barak besteht auf seiner Zusage gegenüber Arafat, 90 Prozent des Westjordanlandes in palästinensische Selbstverwaltung zu entlassen. Beide Seiten wollen jedoch die Forderungen des Gegenübers unter keinen Umständen akzeptieren.

Wie soll demnach Frieden zwischen Israeliten und Palästinensern durchgesetzt werden, wenn die israelische Regierung derzeit mit sich selbst nicht im Reinen ist? Eines ist klar: Kommt es zu einer großen Koalition, wäre von Seiten der Palästinenser ein Ende des Konfliktes undenkbar. Ariel Scharon wird eine Atmosphäre der Eskalation schaffen, da er für Massaker in palästinensischen Flüchtlingslagern und dem jüngsten Ausbruch der Gewalt verantwortlich ist.

Überschattet von den Diskrepanzen innerhalb der israelischen Regierung und den neuen blutigen Zusammenstößen zwischen Israeliten und Palästinensern, hat Deutschlands Kanzler Gerhardt Schröder vergangene Woche seine schwierigste Nahostreise angetreten. Bei seinen Staatsbesuchen in den sechs Krisenländern Ägypten, Libanon, Jordanien, Syrien, Israel und den palästinensischen Gebieten verfolgte er vor allem das Ziel, die Stimmen der Vernunft bezüglich des Friedensprozesses zu stärken. Der Bundeskanzler appellierte als europäischer Vertreter an die Konfliktparteien, ihre Gewalt zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Dabei machte er deutlich, dass das europäische Engagement keineswegs ein Ersatz für das der USA sein soll. Er sehe sich selbst vielmehr als Vermittler zwischen den Krisenparteien. Vor dem Reiseantritt des Kanzlers setzte sich die deutsche Regierung als Ziel, de jeweiligen Vorstellungen der Staatsregierungen verständnisvoll aufzunehmen und verzerrungsfrei den anderen Beteiligten zu übermitteln. Erstaunlicherweise brachte Gerhardt Schröder von seiner 5-tägigen Reise äußerst positive Aussichten mit nach Europa: "Ich hatte den Eindruck, dass alle Verhandlungsparteien bereit wären, an den Friedenstisch zurückzukehren.".

Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich Israels Regierung möglichst bald wieder stabilisiert, Yasir Arafat sich wie früher kompromissbereit und friedenswillig zeigt und die israelische und palästinensische Bevölkerung einsieht, dass mit Gewalt keine Probleme gelöst werden können.

Donnerstag, 18 August 2011 17:51

SETI@homeDie private Aliensuche

Von unserem Gastredaktuer Karl Wieczorek (Private Aliensuche)

Wer hat noch nicht davon geträumt: Das Weltall erforschen und dabei eine fremde Spezies entdecken... Doch wie viele von uns Durchschnittsbürgern könnten wohl je Astronauten werden?



Das Arecibo-Teleskop auf Puerto Rico

Das ist nun Gottseidank nicht mehr nötig. Dank dem Internet könnte jeder eine außerirdische Rasse entdecken, denn man muss dazu kein Genie sein. Das Berkeley Institute, das bereits durch das damals geniale Berkeley UNIX weltberühmt geworden ist, hat in Zusammenarbeit mit der NASA ein weltweites Programm zur Erkundung des Weltalls gestartet.
Der Startanpfiff war bereits am 17. Mai 1999 und inzwischen Suchen über 2,5 Mio Menschen weltweit nach den Zeichen außerirdischen Lebens. Das Prinzip ist der ganzen Sache ist denkbar einfach: Zunächst lädt man sich ein kleines Programm herunter (natürlich Freeware), das am Anfang nur ein Bildschirmschoner zu sein scheint.
Doch bei der ersten Verbindung mit dem Internet lädt es ein kleines Paket (ca. 340 KB) an Daten runter. Diese Daten werden analysiert und sobald dies komplett geschehen ist, schickt das Programm seine Erkenntnisse an das Berkeley Institute und lädt gleich ein neues Datenpaket runter. Die Daten werden nur dann ausgewertet, wenn man nicht am Rechner arbeitet, man muss nicht die ganze Zeit mit dem Internet verbunden sein. Die Informationen stammen von einem der wohl berühmten Radioteleskope der Welt, dem Teleskop mit dem bereits 1974 eine Nachricht ins All endsandt wurde. Das Arecibo-Teleskop befindet sich auf Puerto Rico und hat einen Durchmesser von 305 m. Vor einziger Zeit konnte die Community darüber abstimmen, auf welche Koordinaten das Teleskop ausgerichtet wird.
Die Ergebnisse werden noch ausgewertet. Und da das Weltall unendlich ist, muss man sich nicht sorgen, dass alles vergeblich sein könnte, denn es wird immer irgendetwas zu finden sein. Und wenn man dann endlich etwas findet, wird man auch noch offiziell von der NASA geehrt.

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