Teure Tinte

von unserem Redakteur Steffen Engelbrecht (27.01.2008)

„Die vielen Fehltage haben ganz schön viel Speicher eingenommen.“ Dies könnte durchaus ein Satz sein, den manch ein fauler Schüler bald bei der Zeugnisübergabe zu hören bekommt. Die Stadt Kassel, und damit der Schulträger des Goethe-Gymnasiums, ist nämlich nicht mehr bereit, fertig gedruckte Zeugnisse an die Schulen zu liefern. Im Klartext heißt das, dass jede Schule in ganz Kassel lediglich einen Stapel Papier bekommt, und dann damit eine möglichst billige Druckerei finden muss.

 


Könnten so bald die Zeugnisse aussehen?

 

Die Druckkosten können sich dabei pro Halbjahr schon mal auf fast 400 Euro belaufen. Gut, dass das Goethe-Gymnasium durch den UMLAUF bereits Verbindungen zu einer Druckerei hat, sonst würde ein noch höherer Betrag die ehe schon gebeutelte Schulkasse mit voller Härte treffen. Aber wird sich Schule bald noch viel grundlegender ändern.

 

Da scheint doch der Gedanke an ein Zeugnis vom USB-Stick zum Selberausdrucken gar nicht so abwegig. Dieser wäre auch sehr viel handlicher und würde nicht so schnell in der Tasche zerknicken. Aber auch andere Speichermedien wie CDs würden die enormen Druckkosten sparen. Eine andere – zeitgemäße – Möglichkeit wäre eine Gewerkschaft von verantwortlichen Lehrern der unterschiedlichen Schulen, die versuchen könnten das benötigte Geld zu erstreiten. Selbstverständliche ohne Waffengewalt, aber durchaus mit Streik; kein Schüler würde es ihnen verdenken.

 

U-Plus und eventuell bald ein Zeugnis auf CD. Wiesbaden und die örtlichen Schulämter verabschieden Beschlüsse, die wohl beim berühmten Ebbelwei in Wiesbaden entstanden sind. Sparen an der Bildung, auch wenn nur indirekt, ist ein Eigentor. Aber die „Zeugnisaffäre“ ist lediglich der Pinguin auf dem Eisberg. Der UMLAUF-Redaktion liegen geheime Informationen vor, nach denen auch bald an ganz anderen Enden gespart werden soll – den Lehrern! Längst überflüssig, stehen sie immer noch vor völlig überfüllten Klassen und versuchen verzweifelt, ihr hart angeeignetes Wissen weiterzuvermitteln.

 

Lehrer von Morgen?

Diese Aufgabe kann bald von komplett selbstständigen Computern übernommen werden, die auch nicht unter fiesen Beamtenwitzen zu leiden haben. Extrem realistisch, intelligent und mit erstaunlichen pädagogischen Fähigkeiten, dank Grins- und Grimmigprogrammen, sollen sie bald Hessens Schüler zu interessierten und hinterfragenden Menschen erziehen. Am Ende des Jahres kann das Zeugnis dann sofort im hinteren Beckenbereich des Roboterlehrers gebrannt werden. Diese geniale Erneuerung würde sich nach höchstens zwei Jahren rentiert haben!

 

Welche Reformen werden die Schulen wohl noch alle zu spüren bekommen? Sei es die Unterrichtgarantie Plus oder die Kosten für die Zeugnisse, die jetzt vom Förderverein, und damit von den Eltern getragen werden: Das Geld, welches der Schule verloren geht, könnte wesentlich besser für schulinterne Probleme genutzt werden. Das Zeugnis auf dem USB-Stick jedenfalls scheint immer näher zu rücken und vielleicht gibt es bald auch die Lehrer mit passendem Anschluss.