(22.09.2001 16:00)

Bremen (dpa) - Im Beisein von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt(SPD) hat am Donnerstag in Bremen Deutschlands erste private Elite- Universität nach amerikanischem Muster ihren Betrieb aufgenommen. Derzeit lernen an der International University Bremen (IUB) 130 Studenten aus 70 Ländern in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika. Bis zum Jahr 2005 sollen dort 1200 der begabtesten jungen Menschen aus aller Welt eingeschrieben sein.
Entscheidend für die Aufnahme sind international anerkannte Eingangstests. Das Auswahlverfahren läuft jedoch unabhängig von der finanziellen Situation der Bewerber. Ein System aus Stipendien und Darlehen stellt sicher, dass alle geeigneten Anwärter ein Studium aufnehmen können. Bremen unterstützt den Start mit 230 Millionen Mark (117,6 Mio Euro). Die IUB will neben den Studiengebühren Forschungsgelder einwerben, um den Betrieb zu finanzieren.

Samstag, 16 April 2011 18:58

Burnout-Syndrom

(19.10.2001 18:58)


Mainz - Psychische Erkrankungen sind immer öfter Grund für Krankmeldungen. Das teilt die Landesvertretung Rheinland-Pflaz der Techniker Krankenkasse (TK) in Mainz mit. Zu nennen sei in diesem Zusammenhang etwa das so genannte Burnout-Syndrom. Dabei handele es sich um einen krankhaften Erschöpfungszustand, der die Arbeit zur Belastung werden lasse.

Mögliche Ursachen dafür können Hektik, Stress, Unter- und Überforderung sowie Konkurrenzdruck am Arbeitsplatz sein, so die TK unter Berufung auf den Psychologen Matthias Burisch von der Universität Hamburg. Betroffen seien Berufsgruppen aus allen Arbeitsbereichen. Innerbetriebliche Veränderungen seien bei solchen Fällen eine Lösungsmöglichkeit. Den unter dem Burnout-Syndrom Leidenden könne psychotherapeutische Behandlung helfen, eigene Erwartungen und Leistungsmöglichkeiten wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

(04.09.2001 18:51)

Europa wächst zusammen, und die Wirtschaft ist längst
weltweit vernetzt.
Köln (gms) - Europa wächst zusammen, und die Wirtschaft ist längst weltweit vernetzt. In fast allen Lebensbereichen ist die Globalisierung spürbar. Ohne Kenntnisse fremder Kulturen und Mentalitäten, ausländischer Märkte und Arbeitspraktiken geht in vielen Berufen inzwischen gar nichts mehr. Auch die Beherrschung von Fremdsprachen ist für immer mehr Berufstätige eine Voraussetzung für den Erfolg. Oft muss daher noch einmal die Schulbank gedrückt werden.

«Fundierte Kenntnisse einer oder mehrerer Fremdsprachen gehören heute zu den beruflichen Schlüsselqualifikationen, besonders für Mitarbeiter international tätiger Unternehmen», sagt Marion Wesener von den Carl Duisberg Centren (CDC) in Köln. «Dabei spielt neben den rein fachsprachlichen Kenntnissen die so genannte interkulturelle Kompetenz eine immer größere Rolle.» Es reicht also nicht mehr, sich in einer fremden Sprache verständigen zu können. Ebenso wichtig ist es, die Mentalität des Geschäftspartners aus New York, Paris, Moskau oder Tokio zu verstehen.

Neben der Vermittlung des Fachvokabulars stehen deshalb bei Fremdsprachenkursen zunehmend spezielle Verhandlungssituationen auf dem Programm: Dazu gehören etwa das Geschäftsessen, der Small-Talk am Telefon oder gesellschaftliches Beisammensein. «Es gibt kaum ein deutsches Unternehmen, das ohne internationale Kontakte und Partner arbeiten kann», erklärt Kersten Satta, die bei CDC zuständig für den Bereich Interkulturelles Training ist. Ob ein Geschäft erfolgreich abgeschlossen wird, hänge auch vom Gesamteindruck ab, den der deutsche Firmenvertreter bei den ausländischen Partnern hinterlässt.

«Fremdsprachenunterricht hat heute nichts mehr mit bloßem Vokabeln pauken zu tun», sagt auch Dietmar Paaß vom Deutschen Volkshochschulverband in Bonn. «Der Unterricht soll schließlich auf praktische Situationen vorbereiten. Er muss daher stark sozio-kulturell und berufsorientiert ausgerichtet sein.» Mit einer bestimmten Sprache komme daher fast automatisch die Vorbereitung auf konkrete Situationen: «Natürlich verlaufen Verhandlungssituationen im Orient anders als in Asien, Lateinamerika oder Europa.»

Die Angebote und Lehrinhalte der Volkshochschulen können je nach Bundesland variieren. Gemeinsam ist jedoch fast allen eine flexible Gestaltung der Unterrichtszeiten und Zahl der Kursteilnehmer. Häufig können auch auf Wunsch der Teilnehmer bestimmte Schwerpunkte der Kursarbeit mit dem Dozenten abgesprochen werden.

«An der Spitze der geforderten Fremdsprachen liegt eindeutig Englisch», sagt Rainer Schmidt-Rudloff von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Aber auch Spanisch und Französisch werden für deutsche Arbeitnehmer immer wichtiger. Auch für ihre eigenen Mitarbeiter führt die BDA im Haus der Wirtschaft in Berlin Fremdsprachenkurse durch. Auf dem Stundenplan stehen zum Beispiel geschäftliche Konversation oder Telefonate. Teilnehmer des von den Carl Duisberg Centren angebotenen «Kombinationskurses Business English» müssen bei ihrer Einführung ins Wirtschafts-Englisch beispielsweise Referate, Rollenspiele und Diskussion absolvieren.

Nach den Erfahrungen von Werner Humboldt, EDV-Netzwerkplaner aus Bonn, ist ein derartiges praktisches Training eine gute Vorbereitung für den Alltag im Job. Nachdem er sich mit seinen Schulkenntnissen nicht mehr auf der Höhe der Zeit gefühlt hatte, belegte er ein derartiges Seminar in Oxford: «Wir haben in unserer Minigruppe mit vier Personen zum Beispiel viele Rollenspiele zum Thema Verkaufen gemacht. Für mich ist es jetzt leichter, vor Publikum Englisch zu sprechen.»

(04.09.2001 19:04)

«Heimliche Kinder» werden sie genannt, die Mädchen und Jungen, die illegal in Deutschland leben. Frankfurt/Main (dpa) - «Heimliche Kinder» werden sie genannt, die Mädchen und Jungen, die illegal in Deutschland leben. Für die Behörden existieren sie nicht, und deshalb können sie auch offiziell nicht die Schule besuchen. Ihre Bildung holen sie sich zu Hause oder auf der Straße. Viele Eltern trauen sich nicht, ihre Söhne und Töchter in der Schule anzumelden, aus Angst entdeckt und ausgewiesen zu werden. Auf der anderen Seite scheuen die Schulleiter davor zurück, diese Kinder aufzunehmen.

Wie viele Betroffene es gibt, darüber kann nur spekuliert werden. Heiko Kauffmann, Sprecher der Flüchtlingshilfeorganisation «Pro Asyl», geht von mehreren 10 000 Kindern in Deutschland aus, die ohne Papiere hier leben. Viele Jungen und Mädchen im schulpflichtigen Alter seien ohne Eltern da. In den ehemaligen Ostblockstaaten, beispielsweise Rumänien, «machen sich die Kinder schon mal alleine auf die Flucht», sagt Kauffmann. Hier leben sie meist auf der Straße, an Unterrichtsbesuch ist nicht zu denken. Der Pro-Asyl-Sprecher begrüßt den Vorschlag der Süßmuth-Kommission, dass Ärzte und Schulleiter, die sich um Illegale kümmern, nicht mehr juristisch belangt werden sollen.

Die Statistik in Hessen sagt nur, dass von den rund 698 500 Schülern in dem Bundesland etwa 15 Prozent Ausländer sind. Ob sie legal oder illegal hier leben, ist nicht verzeichnet. Michael Bußer, Sprecher des Hessischen Innenministeriums, kann nur vermuten, dass die meisten illegalen Kinder wohl im Großraum Frankfurt untergetaucht sind. Schätzungen sprechen von bis zu 20.000 Betroffenen. Für die Schulbehörden fällt das Thema in eine Grauzone. «Wir dürfen es ja nicht wissen», sagt Rolf Hahn, Pressesprecher des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt. Das bestätigt auch sein Kollege Ralf Hörnig vom Kultusministeriums in Wiesbaden: «Uns liegen dazu keine Erkenntnisse vor.» Das Ministerium fahnde allerdings auch nicht nach Schulleitern, die den Kindern ohne Aufenthaltsrecht den Unterrichtsbesuch ermöglichen, fügt er hinzu.

Gegen diese Behördenignoranz kämpft Judith Rosner, Sozialberaterin bei der Arbeitsgemeinschaft gegen internationale und rassistische Ausbeutung (Agisra) in Frankfurt: «Wir haben viele, die sich sehr zäh darum bemühen, ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, aber wir kriegen sie nur in Einzelfällen unter.» Vor allem auf dem Land reagierten die Schulleiter meist abweisend. In Großstädten wie Frankfurt gebe es schon eher die Möglichkeit, den Kindern den Weg in den Unterricht zu ebnen. Nicht zuletzt deshalb suchten sich viele in der Stadt einen Unterschlupf.
Mit Schule allein ist es allerdings nicht getan. Die Kinder bräuchten oft eine besondere Förderung. Doch dafür stehen keine Mittel zur Verfügung. In einem Fall hat Rosner drei Jahre um die Einschulung eines geistig behinderten Kindes einer Kolumbianerin gekämpft: «Wir haben alle Schulen abgeklappert. Aber keine wollte ihn aufnehmen.»

Harald Löhlein, Referent für Flüchtlinge beim Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Frankfurt, sieht die Lage nicht ganz so düster. «Dass Schulen Kinder Illegaler aufnehmen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche». In einem Fall hätten sich sogar Eltern anderer Kinder an einem Fonds beteiligt, um einem «heimlichen Kind» den Unterricht zu ermöglichen. Die Namen der Schulen will Löhlein allerdings nicht nennen: «Das geschieht ja alles unter der Hand.»

(22.09.2001 15:52)

München (gms) - Mit Hilfe eines Tests im Internet sollenJugendliche jetzt herausfinden können, ob sie für ein Informatikstudium geeignet sind. Der unter http://www.informatik.uni-muenchen.de zu findende Test richte sich vor allem an Abiturienten, die sich bei ihren Studienabsichten noch nicht sicher sind. Das berichtet der von den Universitäten Bayreuth, Bochum und Clausthal betriebene Informationsdienst Wissenschaft (idw). Er beruft sich dabei auf eine Mitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die das Angebot ins Netz gestellt hat.
Der Test sei zusammengestellt worden, nachdem im vergangenen Jahr von 450 Erstsemesterstudenten nur etwa die Hälfte die Klausuren der Einführungsvorlesungen bestanden habe. Der Großteil der zwölf Testaufgaben stammt laut idw aus den Bereichen Logik, Algorithmisches Denken, Abstraktionsvermögen, Analytisches Denken und Mathematik. Aber auch Englisch- und Deutschkenntnisse würden geprüft.

Samstag, 16 April 2011 18:57

Orientierung für den Unistart

(22.09.2001 15:53)

Hamburg (gms) - Ist das Abitur in der Tasche, stellt sich dieFrage nach einem Studium. Aber soll man überhaupt studieren - und wenn ja, was, wo und wie? Antworten gibt es auf der Website http://www.studienwahl.de, die sich vor allem an Studienanfänger richtet. Herausgegeben von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung sowie der Bundesanstalt für Arbeit, soll das Internet-Angebot das Handbuch «Studien- & Berufswahl» ergänzen, das alle Schüler der 12. Klasse erhalten.
Hier finden sich Informationen selbst zu so exotisch anmutenden Fächern wie Hüttenwesen, Kartographie und Religionspädagogik sowie zu den jeweiligen Berufschancen und Studienorten. Insgesamt 9000 Studiengänge sind in der Datenbank gespeichert. Auch die einzelnen Hochschultypen werden erklärt. Daneben informiert die Website über Versicherungsmöglichkeiten und Lebenshaltungskosten und gibt Tipps zum Auslandsstudium. Links zu Online-Jobbörsen und den Homepages aller deutschen Studienstädte runden das Angebot ab. Da sind es manchmal nur zwei Klicks bis zur nächsten Studentenparty.

(22.09.2001 15:55)

Berlin (dpa) - Auch die deutschen Schulen werden sich an diesemDonnerstag an den Trauer-Gedenkminuten für die Opfer der Terroranschläge in den USA beteiligen. Zugleich sollen die weltweiten Konflikte sowie Ursachen und Folgen von Gewalt und Terror aktuell Thema in allen Bildungseinrichtungen werden. Dazu haben am Mittwoch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Annette Schavan (CDU/Baden-Württemberg), Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aufgerufen.
Der Schulalltag werde in diesen Tagen von der Tragöde geprägt sein, sagte Schavan der dpa. «Die unfassbare Gewalt führt uns vor Augen, wie sehr Erziehung zur Achtung menschlicher Würde, zu friedlicher Gesinnung, zu gewaltfreier Konfliktlösung und gegen jede Art von Fanatismus weltweit Kernstück aller erzieherischen Bemühungen sein muss». Dabei denke sie auch an die Situation der Kinder in den palästinensischen Lagern, sagte die baden-württembergische Kultusministerin.
Bulmahn sagte, angesichts der schrecklichen Tragödie könne man in den Bildungseinrichtungen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. «Wir dürfen Kinder und Jugendliche mit den Bildern des Schreckens nicht allein lassen». Alle Bildungseinrichtungen müssten sich über den heutigen Tag hinaus mit den Terroranschlägen und ihren Zusammenhängen auseinander setzen.
Auch die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange sagte, die Schulen könnten nicht an den schrecklichen Ereignissen vorbei gehen. «Wir müssen deutlich machen, dass Gewalt und Gegengewalt keinen Schritt weiter führen». Dabei gehöre die Behandlung von Vorurteilen sowie die Auseinandersetzung über Ursachen und Folgen von Gewalt und Terror «selbstverständlich in den Unterricht», sagte Stange.
In dem Aufruf der KMK-Präsidentin Schavan zur Teilnahme an den Gedenkminuten heißt es: «Die Anschläge richten sich gegen die zivilisierte Welt, gegen alles Bemühen um Frieden und gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung überall in der Welt. Gemeinsam wollen wir in Stille unsere Betroffenheit und Erschütterung angesichts des unvorstellbaren Grauens, das durch diese terroristische Vernichtungsschläge angerichtet wurde, ausdrücken. Unsere Trauer und unser Mitgefühl gelten den Opfern und ihren Angehörigen, allen amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern.»
Arbeitergeber und Deutscher Gewerkschaftsbund haben für diesen Donnerstag, 10.00 Uhr, zu fünf Trauer-Gedenkminuten für die Opfer der Anschläge von New York und Washington aufgerufen.

(22.09.2001 15:56)

Nach den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington hat das Internet einen gewaltigen Ansturm erlebt Hamburg (dpa) - Nach den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington hat das Internet einen gewaltigen Ansturm erlebt - und überstanden. Menschen in aller Welt steuerten mit ihrem Browser Nachrichtenangebote im Web an, um sich über das gewaltige Ausmaß der Katastrophe zu informieren.
Unzählige Amerikaner versuchten, über E- Mail, Chat-Räume oder Online-Telegramme herauszufinden, ob ihre Verwandten oder Freunde in Manhattan und in Washington wohlauf sind. Häufig blieb das Netz als einziger Kommunikationsweg übrig, da sowohl das Telefon-Festnetz als auch die Mobilfunk-Netze in New York und Washington zusammengebrochen waren.
Unmittelbar nach dem Einschlag der beiden entführten Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers waren allerdings auch die Nachrichten-Sites im Web nicht mehr erreichbar. «Nicht das Netz insgesamt war überlastet, sondern einzelne Server», sagte Irene Heinen, Geschäftsführerin der Nettraffic Internet Performance GmbH in Hamburg. Nettraffic misst regelmäßig die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit von Onlineangeboten.
In den USA wurden die Web-Sites von CNN, New York Times, ABC News und anderen Nachrichtenangeboten am frühen Dienstagabend (Ortszeit) voll von der Wucht der Nachfrage getroffen. Zu diesem Zeitpunkt konnten die wichtigsten News-Sites nach Messungen von Keynote Systems kaum noch aufgerufen werden. Auch die Sites der betroffenen Airlines waren überlastet.
«Der Ansturm auf unsere Server hat eine neue Dimension erreicht», sagte der Redaktionsleiter von Spiegel.de, Mathias Müller von Blumencron, am Mittwoch. Die überwältigende Nachfrage nach aktuellen Informationen und den Hintergründen des Angriffs werde den bisherigen Zugriffsrekord bei Spiegel-Online auf 10 Millionen Seitenabrufe (Page Impressions) am Tag verfünffachen. «Das Netz wird als journalistisches Medium ernst genommen und ersetzt häufig das Fernsehen, das Radio oder auch die Tageszeitung.»
Bei Focus.de legte der Ansturm am Dienstagabend die Server kurzfristig lahm. Nachdem das Angebot nun auf drei zusätzlichen Server-Farmen präsentiert wird, können sich mehr User denn je die Berichte zu der Attentatsserie anschauen. Sie stammen zum Teil von einem Focus-Online-Korrespondenten vor Ort, der sich unmittelbar vor der ersten Explosion in einem Hotel gegenüber den Twin-Towers des World Trade Centers aufhielt. «Wir haben inzwischen redaktionell betreute Diskussionsforen eingerichtet, damit unsere User sich über die schrecklichen Ereignisse austauschen können», sagte der Chefreakteur von Focus Online, Jürgen Marks.
Wie Focus Online reagierten auch andere Nachrichten-Websites schnell auf den Ansturm: Zusätzliche Serverkapazitäten wurden angemietet, die Web-Angebote spontan entschlackt, damit mehr Platz für die Berichte über den Terroranschlag und die Reaktionen aus aller Welt zur Verfügung steht. «Das Internet hat sich in dieser Krisensituation als extrem zuverlässiges und effizientes Medium erwiesen», sagte Charles Neal, Experte für Cyberterrorismus von dem kalifornischen Web-Hosting- Unternehmen Exodus Communications.

(22.09.2001 15:57)

Frankfurt/Main (dpa) - Die Gewerkschaft Erziehung undWissenschaft (GEW) hat als Reaktion auf die Terroranschläge in den USA mehr politische Bildung an den Schulen gefordert. Die politische Erziehung habe in den vergangenen Jahren immer mehr ein Schattendasein geführt, sagte die Schulexpertin der GEW, Marianne Demmer, am Montag der dpa. Die Anschlagserie müsse zum Anlass genommen werden, die politische Bildung wieder zu verstärken.
In der gegenwärtigen Situation müssten vor allem zwei Themenkomplexe im Vordergrund stehen: Zum einen müssten sich die jungen Menschen mit der Frage beschäftigen können, «wie entsteht Terrorismus und welche Auswirkungen hat er». Zum anderen müsste der Unterricht verhindern, dass alle ausländisch aussehenden Menschen als «schlafende Terroristen» betrachteten würden. In den Schulen müsse der Grundstein gelegt werden zu einer «wirklich gleichberechtigten Teilhabe» aller an der Gesellschaft.
Bevor diese Forderung umgesetzt werden könne, seien die Lehrer gefordert, den Kindern individuell Hilfestellung zu geben. Dabei gebe es allerdings keine Patentrezepte. Demmer empfiehlt Pädagogen, «eine gemeinsame Aussprache zuzulassen, das Diskussionsbedürfnis nicht abzuwürgen». Dabei dürfe es allerdings nicht bleiben, es sei sehr wichtig, dass die Situation auch Anlass für Aufklärung werde. Die Kinder seien «hochgradig betroffen», trügen das Thema von selbst in den Unterricht hinein. Dies könne jedoch nur gelingen, wenn auch Politik und Medien keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben.
Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange forderte ebenfalls, «die weltweiten Konflikte sowie die Ursachen und die Folgen von Gewalt und Terror» zum Thema in den Bildungseinrichtungen zu machen. Sie zeigte sich «entsetzt und ohnmächtig» über die Ereignisse. Sie sei besorgt, «dass der terroristischen Gewalt in New York und Washington eine Serie von Gegengewalt mit möglichen kriegerischen Konflikten» folgen könnte. Zweifelsohne müssten die Schuldigen gesucht, gefasst und verurteilt werden. Dennoch gebe es kein Recht, ganze Völker oder Regionen anzuklagen oder gar mit Krieg zu überziehen.

(16.06.2001 14:57)

Gersthofen (dpa) - Für Recherchen über NS-Zwangsarbeiter imZweiten Weltkrieg hat das Verwaltungsgericht Augsburg einer Schulklasse aus
dem schwäbischen Gersthofen den Zutritt zum Stadtarchiv erlaubt. Nach der am Montag veröffentlichten einstweiligen Verfügung (Az: 8E01.762) dürfen die Schüler aber kein Material verwenden, das schutzwürdige Belange Dritter berührt. Bürgermeister Siegfried Deffner hatte die Akteneinsicht verwehrt.
Die Schüler wollten ein umfassendes und objektives Bild von der Lage der Zwangsarbeiter in Gersthofen und Umgebung zeichnen, führt das Gericht aus. Dieser wissenschaftliche Zweck begründe ein berechtigtes Interesse an einem Archivbesuch. Gleichzeitig forderten die Richter aber, Schutzfristen des Persönlichkeitsschutzes einzuhalten. Archivgut, dass sich auf Menschen beziehe, dürfe erst zehn Jahre nach deren Tod benützt werden. Sei der Todestag nicht festzustellen, laufe die Schutzfrist erst 90 Jahre nach seiner Geburt ab.
Deffner hatte das Begehren der 11. Klasse abgelehnt, weil sie seiner Ansicht nach die Leute an den Pranger stellen wollten, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Dabei handle es sich vorwiegend um Landwirte, denen Arbeitskräfte zugewiesen worden seien, sagte der CSU-Politiker. Im Laufe der Auseinandersetzung wollte er der Klasse den Zutritt unter der Bedingung erlauben, dass sie sämtliche Namen anonymisieren. Dies hatte die Schulklasse abgelehnt.

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