(20.01.2001 02:01)

Bonn (dpa) - Die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan (CDU), will es nicht hinnehmen, dass «nur noch zehn Prozent der Gymnasiasten einen Leistungskurs in den Naturwissenschaften wählen».
Bei ihrer Amtseinführung als Präsidentin der ältesten deutschen Länder-Fachministerkonferenz warnte Schavan am Dienstag in Bonn davor, die Bedeutung der Naturwissenschaften zu unterschätzen. Jugendliche dürften nicht auf Schulstrukturen stoßen, in denen ihnen vom System her «ein Umgehen solider naturwissenschaftlicher Grundbildung ermöglicht wird».
Die Ministerin verwies darauf, dass Baden-Württemberg mit Beginn des nächsten Schuljahres das Fächer-Wahlsystem in der gymnasialen Oberstufe deutlich einschränken und damit neue Wege gehen wolle. Dafür hatte Baden-Württemberg nach langen Verhandlungen in der Kultusministerkonferenz vor zwei Jahren grünes Licht bekommen.
Von den Universitäten verlangte Schavan mehr pädagogische Forschung. Es fehle in Deutschland an «Originalität» bei den verschiedenen Lernstrategien. Notwendig sei eine Pädagogik «zur Aneignung und Verarbeitung von grundlegendem Wissen, dass sich lebenslang weiterentwickelt». Die Ministerin: «Wir brauchen nicht immer mehr Schulfächer und immer mehr Spezialisierung. Wir brauchen einen didaktischen Qualitätsschub und die Konzentration auf das Wesentliche.»
Schavan löst an der Spitze der Kultusministerkonferenz Bremens Bildungssenator Willi Lemke (SPD) ab.

(20.01.2001 02:01)

Hamburg (dpa) - Sie sind jung, sie mögen Musik, sie experimentieren gern und wenn andere am Wochenende feiern, geht es gerade deswegen in ihrem Job erst richtig los: Zahlreiche DJs verdienen sich ihren Lebensunterhalt hinter den Plattentellern. Eine professionelle Discjockey-Szene wie in Hamburg finden deutsche Partygänger sonst nur noch in Berlin und München - finden zumindest die Clubmusikmacher der Hansestadt.
«Latin-House ist derzeit in Hamburg am angesagtesten», berichtet Henny Bordasch, vielen besser bekannt als «Lt. Henny». Der 26-Jährige arbeitete bei Airbus im Fluggerätebau, bevor er vor zwei Jahren seinen Job aufgab und sich voll aufs Auflegen in den Hamburger Clubs konzentrierte. Nebenbei holt er an der Abendschule sein Abitur nach. Vor dem elektronischen House-Trend sei «Latino-Kram» sehr gefragt gewesen. Inzwischen sind beide Musikstile miteinander verschmolzen, derzeit schwören die Hamburger DJs auf Latin-House. In den Wintermonaten, wenn keiner so richtig in Latino-Sommer-Stimmung ist, seien auch Hip-Hop-Elemente immer wieder vertreten.
Bis zu je 600 Mark geben die hauptberuflichen DJs der Hansestadt im Monat für neue Platten und Compact-Discs aus. «Allerdings geht der Trend immer mehr zur Platte und weg von der CD», sagt Axel Schröder alias DJ «A-Punkt». Die großen Scheiben seien viel besser in der Klangqualität und hätten insgesamt mehr Tiefe, meint auch «Lt. Henny». Mit Schallplatten könne man besser mixen und außerdem würden CDs über die großen Anlagen in den Discotheken und Clubs meistens sehr «trocken» und «oberflächlich» klingen. Henny verwendet inzwischen nur noch die Tonträger der älteren Generation.
Nach Ansicht der Szene haben sich in den vergangenen Jahren in der Hansestadt vier «DJ-Kategorien» entwickelt. «Zum einen der «moderierende DJ», sagt Patrick Berndt. Der 35-Jährige hat keinen Künstlernamen, macht zur Zeit eine Umschulung zum Mediengestalter und ernährt sich und seine Familie von seinen DJ-Jobs. Er legt hauptsächlich auf Hochzeiten, Firmenfesten oder anderen Privatpartys auf. «Moderierender DJ» ist er aber nicht. Denn der «tingelt über die Dörfer» und spielt alles. «Da kann dann auch schon Mal der Anton aus Tirol oder sowas dabei sein und das ist für uns als DJs tabu», sagt «Lt. Henny». Er legt nur Sachen auf, die ihm auch selbst gefallen.
Der «Mix-DJ» moderiert nicht, spielt aber querbeet fast alles - «allerdings nach unten gefiltert», so Patrick. Die unterste «Niveauschiene» würde dabei «durchs Sieb fallen». Hingegen spezialisieren sich die «Sparten-DJs» auf eine Musikrichtung. «Die verdienen aber oft weniger Geld als andere», erklärt Tobias Quartey alias «Joh F. Jackson». Der 23-Jährige ist Experte in Sachen Disco-Latino und Soulhouse im Stil der guten alten 70er Jahre. Seine Kollegen «Lt. Henny» und «A-Punkt» pflichten ihm bei: «Statt gutem Lohn dürfen sich die wirklich guten Sparten-DJs oft nur damit schmücken, in einem gerade richtig angesagten Club aufzulegen.»
Genau zwischen dem «Sparten-DJ» und dem «Mix-DJ» liegt das Arbeitsfeld des «Allrounders». Er greift auf aktuelle Hits und Party-Klassiker zurück, kann aber auch mal einen selbst gemixten House- oder Soul-Song auf den Plattenteller zaubern.
Chartlisten sind für Henny und Axel kein Thema. Wenn sie einen guten Grundbeat von der Platte in einen eigenen Mix einfließen lassen, «dann spiele ich es und es ist auch in den Charts. Ich lege es aber nicht auf, weil es auf irgendeiner Hitliste steht», sagt Henny. Mit das beste am Job sei, dass man als DJ Trends beeinflussen kann. Henny: «Man muss innovativ sein. Es ist das aller Größte, wenn man Sachen spielt, die die Leute nicht kennen und sie dann ankommen und fragen: Hey, was war das? Das muss ich haben.»

(20.01.2001 02:01)

Frankfurt/Main (dpa) - Schulexperten haben davor gewarnt, dass der Sportunterricht an den Schulen immer mehr ins Abseits gerät. «Wenn Unterricht ausfällt, wird häufig als erstes am Sport gekürzt», sagte das für Schulpolitik zuständige Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, dem dpa-Dienst für Kulturpolitik. Oft hätten Schüler nur einmal pro Woche Sport. Dies sei auch deshalb Besorgnis erregend, weil nach jüngsten Erkenntnissen die körperliche Bewegungsfähigkeit auch für die Intelligenzentwicklung und den Hirnaufbau von Bedeutung sei.
Einen gravierenden Mangel an Turnhallen, Außensportanlagen und Schwimmbädern kritisierte der Verband Bildung und Erziehung (VBE). «Der Sportunterricht an den Schulen wird politisch stiefmütterlich behandelt», sagte der Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik beim VBE, Heinz Wagner, der dpa. Dies treffe auch auf die Ausstattung mit Geräten zu. Viele Kommunen stellten den Schulen zu wenig Stunden in den Schwimmbädern zur Verfügung, monierte er. Hinzu kämen teils lange Anfahrtzeiten mit Bussen zu den Sportstätten. «Da bleibt von zwei Stunden Sport pro Woche effektiv nur eine übrig.»
Sowohl Demmer als auch Wagner plädierten dringend für eine bessere Zusammenarbeit von Sportvereinen und Schulen. «Gemeinsame Aufgabe muss es sein, für jedes Kind die geeignete Sportart ausfindig zu machen und zwar so früh wie möglich», sagte Demmer. Wagner forderte die Sportvereine auf, selbst verstärkt in die Schulen zu gehen, sich dort vorzustellen, Klassen zum Spiel einzuladen und so auch für den eigenen Nachwuchs zu sorgen.

(20.01.2001 02:01)

Bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2001/2002 sollen in Deutschland 22000 neue Lehrer eingestellt werden. Das ergab eine Umfrage von «Welt am Sonntag» unter den 16 Kultusministerien der Länder. Hamburg (dpa) - Bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2001/2002 sollen in Deutschland 22000 neue Lehrer eingestellt werden. Das ergab eine Umfrage von «Welt am Sonntag» unter den 16 Kultusministerien der Länder. Vor allem in den westdeutschen Bundesländern werden die Pädagogen knapp. Allein Nordrhein-Westfalen wolle bis zum Sommer 6700 Lehrer einstellen, Baden-Württemberg und Bayern je 3500 und Niedersachsen 2000. Gesucht würden Pädagogen in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Musik, Kunst und Religion. Gute Chancen für angehende Lehrer bestünden an Haupt-, Sonder- und Berufsschulen.
Ganz anders als im Westen stelle sich die Lage der ostdeutschen Bundesländer dar: Wegen der rückläufigen Schülerzahlen versuchten die Behörden, mit Teilzeitverträgen und Lohnverzicht die wenige Arbeit auf die vorhandenen Lehrer zu verteilen, ohne jemanden entlassen zu müssen.
Noch beschränke sich die Lehrersuche hauptsächlich auf die Mangelfächer. Doch schon bald könnte das Problem auch auf andere Fachbereiche übergreifen. «Das große Lehrerproblem kommt erst auf uns zu», warnte Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Er sagte der Zeitung: «300 000 Lehrer müssen in den nächsten 13 Jahren in Deutschland ersetzt werden.»

(27.01.2001 00:33)

Düsseldorf/Gütersloh (dpa) - Erwachsene und Kinder können vom kommenden Sommer an leichter ins Internet einsteigen. Stiftungen und Medienwächter arbeiten gemeinsam an einer Anleitung, um Eltern und Pädagogen sowie Schülern ein kreatives und gefährdungsfreies Surfen im weltweiten Netz zu ermöglichen. Dies teilte am Montag die nordrhein-westfälische Landesmedienanstalt in Düsseldorf mit. Das Internet-ABC kommt online mit einer eigenen Web-Seite und bietet Groß und Klein eine Art Netzführerschein.
Kinder sollen auf eher spielerische Art lernen. Eltern und Lehrer bekommen Hilfen zum Auf- und Ausbau ihrer Fertigkeiten und erhalten Empfehlungen für eine Filtersoftware, um jugendgefährdende Inhalte auszublenden. Die drei Beteiligten, Bertelsmann Stiftung, Heinz Nixdorf Stiftung und Landesanstalt für Rundfunk (LfR), unterschrieben am Montag in Gütersloh einen Koordinierungsvertrag zum Aufbau einer zentralen und unabhängigen Internetplattform. Das Internet-ABC soll mit Beginn des nächsten Schuljahres startklar sein.
Ein Ratgeber informiert dann auch darüber, wie man illegale Inhalte einer Hotline meldet. Lehrer erhalten zusätzlich Hinweise auf geprüfte Online-Materialien für die Unterrichtsvorbereitung. «Kids werden auf ein cooles und attraktives Angebot stoßen, das spielerisch Internetkompetenz ausbildet», so Projektleiter Marcel Machill von der Bertelsmann Stiftung. Ein interaktiver Kinder-Piloten-Test soll die Internetnutzung fördern. Eine Liste empfehlenswerter Internet-Kinderseiten ermöglicht unterhaltsames und lehrreiches Surfen. Über die Website können Kinder auch miteinander kommunizieren.
«Eltern in Deutschland und Europa vermissen eine Anlaufstelle für Beratung in allen Internet-Fragen», sagte Ingrid Hamm, Leiterin des Medienbereichs der Bertelsmann Stiftung. Der Bedarf an Angeboten zur Stärkung der Internetkompetenz von Eltern und Kindern sei unumstritten groß und sinke keineswegs mit der Internetnutzung. Dies belege unter anderem eine Studie der Europäischen Kommission.
Die gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung und die Heinz Nixdorf Stiftung fördern die Bildung insbesondere unter Berücksichtigung moderner Technologie. Die LfR ist für den privaten Rundfunk in NRW zuständig und hat außerdem die Aufgabe, Medienkompetenz zu fördern und einen Beitrag zur Medienerziehung zu leisten.

Samstag, 16 April 2011 15:35

Deutsche flirten im Internet

(27.01.2001 00:33)

Hamburg (dpa) - Einem Flirt im Internet sind die Deutschen längst nicht mehr abgeneigt. Immerhin 32,3 Millionen können sich vorstellen, im Internet zu flirten oder gar den Partner fürs Leben zu finden. 8,9 Millionen nutzen das Web bereits zur Kontaktaufnahme, ergab eine repräsentative Studie des EMNID-Instituts im Auftrag von AOL Deutschland. Befragt wurden 1 498 Personen ab 14 Jahren.
Mehr als die Hälfte der Befragten finden das Internet geeignet, um Kontakte zu anderen Menschen zu knüpfen. Damit folgt das Internet direkt auf die Disco (58 Prozent) und den Arbeitsplatz (54,1 Prozent) und verweist Single-Partys (49,7 Prozent), Kontaktanzeigen in Zeitungen oder Zeitschriften (17,2 Prozent) sowie Partnervermittlungen (6,8 Prozent) auf die Plätze. 34,1 Prozent der Befragten haben eine Internet-Bekanntschaft bereits persönlich getroffen, 10,6 Prozent hatten schon mal eine Beziehung.
An der grenzenlosen Datenautobahn schätzen die Befragten vor allem die Möglichkeit, Menschen aus der ganzen Welt kennen zulernen (90,2 Prozent). Begrüßt wurde auch die zeitliche oder örtliche Ungebundenheit der Kontaktaufnahme (81,8 Prozent). Zudem könne die Geschwindigkeit des Kennenlernens problemlos selbst bestimmt werden, so dass kein Stress entsteht (66,2 Prozent). Die Anonymität im Netz verleiht nach Meinung von 63,1 Prozent der Befragten mehr Selbstvertrauen. So spiele etwa das Äußere keine große Rolle, was 55,2 Prozent der Befragten als Vorteil werten.

(07.12.2000 16:10)

Wenn Rikke Clausen eine Tüte Milch aus dem Kühlschrank holen will, bleibt sie neuerdings schon mal kurz an der Tür hängen. Aber nicht, weil ein Ärmel irgendwo fest hängt, sondern weil der PC-Schirm in der Kühlschranktür der Dänin gerade mitteilt, dass eine neue E-Mail für sie angekommen ist. Kopenhagen (dpa) - Wenn Rikke Clausen eine Tüte Milch aus dem Kühlschrank holen will, bleibt sie neuerdings schon mal kurz an der Tür hängen. Aber nicht, weil ein Ärmel irgendwo fest hängt, sondern weil der PC-Schirm in der Kühlschranktür der Dänin gerade mitteilt, dass eine neue E-Mail für sie angekommen ist.
Oder Rikke klickt per Fingerdruck auf ein Symbol für die aktuellenTV-Nachrichten, die dann nach ein paar Sekunden da zu bestaunen sind, wo früher Merkzettelchen aller Art mit mehr oder minder originell verkleideten Magneten festgepappt waren.
Rikke und ihr Mann Henning Thomsen mitsamt zwei kleinen Kindern nehmen an einem sechsmonatigen Test teil, mit dem ein dänischer und zwei schwedische Konzerne beweisen wollen, dass man Computer schon jetzt viel praktischer im Alltag anwenden kann, als die meisten glauben. «Screenfridge» heißt der neue Kühlschrank mit eingebautem Super-PC, den Ericsson, Electrolux und TeleDanmark gemeinsam entwickelt und vorerst 50 Familien oder Singles im Kopenhagener Vorort Ballerup kostenlos zur Verfügung gestellt haben.
«Ist schon ganz schön pfiffig», meint Rikke Clausen, bei der der Screenfridge im September ein paar Tage nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Simon ins Haus kam. Mit einfachem Fingerdruck auf den sehr klaren Schirm kann sie nun steuern, ob sie eigene E-Mails, Nachrichten, die Sonderangebote vom Supermarkt nebenan, die Liste der Verspätungen im lokalen Bus- und Bahnverkehr oder auch eine Adresse im endlosen Ozean der Internet-Möglichkeiten abrufen will.
«Erstens sowieso und zweitens mit zwei kleinen Kindern bin ich nicht der Typ, der sich im Keller vor einen Computer setzt, das Modem anstellt und zehn Minuten mit dem Einloggen zubringt», sagt die selbstbewusste Frau, die von der Arbeit den Umgang mit Computern gewohnt ist. Genau für diese Art von potenziellen Käufern haben die Initiatoren den «Screenfridge» entwickelt. Er soll nach übereinstimmender Aussage der drei Unternehmen Leute anziehen, die eben keine «PC-Freaks» mit grenzenlosem Zeitverbrauch beim «Problemlösen» und Herumsurfen im Netz sind.
Über technische Details im «Screenfridge» wird denn auch in Kopenhagen nicht so laut gesprochen. Kein Geheimnis aber ist, dass der in die Kühlschranktür eingebaute PC ein eher kleiner seiner Zunft ist. Trotzdem weist er mit einer Breite von nur zwei Zentimetern, absoluter Lautlosigkeit und angeblich zu Null tendierender Reparaturanfälligkeit durch komplett integrierte Festbauweise aller Teile etliche und nicht ganz billige Besonderheiten auf.
Für die schnelle Verbindung zu einem für die 50 Tester eigens entwickelten Intranet sorgt eine permanent offene ADSL-Verbindung. Schnell ist das Ganze, das erkennt auch Rikke an, aber eben doch auch nicht ganz gefeit gegen die berüchtigten Kinderkrankheiten aller neuen PC-Systeme. Vier Wochen lang hatten Techniker ihren PC schon zur Reparatur, weil der LCD-Monitor sich als instabil erwiesen hatte. Da lag auch das in den Computer integrierte Telefon einschließlich Webkamera brach, über die man doch so schön mit der fleißig im Internet surfenden Mutter von Ehemann Henning Thomsen hätte chatten können.
Über den praktischen Nutzwert ist sich Rikke auch nach zwei Monaten noch ein bisschen unsicher. «Naja, im Grunde ist das Ganze ja doch wohl eher ein Spaß», meint sie. «Aber wenn das Ding nach dem Test wieder weg ist, ärgert es mich doch, dass ich wieder in den Keller müsste, um E-Mails abzurufen.» Und wenn erst mal, wie die Produzenten versprechen, der PC in der Kühlschranktür von selbst mitteilt, dass zwei der drei Milchtüten drin inzwischen schlecht geworden sind, dann möchte sie auch wohl wieder einen intelligenten «Screenfridge». Vorerst wird das Teststück im Februar mit einem normalen altmodischen ausgetauscht. In den Handel könnte der Screenfridge vielleicht innerhalb eines weiteren Jahres kommen.

(07.12.2000 16:10)

Hamburg (dpa) - Bildungspolitiker von SPD und Grünen haben den Vorstoß des renommierten Schlafmediziners Jürgen Zulley begrüßt, nach dem Schulkinder erst um 09.00 Uhr Schulbeginn haben sollten. Jörg Tauss, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, sagte der «Bild»-Zeitung (Dienstagausgabe): «Für die Kinder wären spätere Anfangszeiten schon gut, aber die Betreuung muss gesichert sein.»
Der SPD-Bildungspolitiker Klaus Barthel sagte: «Wir sollten das prüfen, denn es sprechen viele gute Gründe dafür. Der jetzige Zeitrhythmus der Schulen entspricht eigentlich nicht den modernen Erkenntnissen über die Aufnahmefähigkeit von Kindern und sollte gelockert werden. Wichtig ist, dass die Betreuung gesichert ist.»
Grünen-Bildungsexperte Matthias Berninger sagte: «Ich setze auf einen Ausbau der Ganztagsschulen, das würde die Eltern entlasten. Dann wäre auch gegen spätere Anfangszeiten nichts einzuwenden. Wichtig für Eltern sind verlässliche Öffnungszeiten.» Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen leidet zurzeit jeder 5. Schüler in Deutschland unter Schlafstörungen.

(07.12.2000 16:10)

Stuttgart (gms) - Einen Masterstudiengang für «Medienautoren» richtet die Hochschule für Druck und Medien (HDM) in Stuttgart zum Sommersemester 2001 ein. Neben technischen Zusammenhängen wie Computeranimationen und interaktiven Medien sollen den angehenden Medienautoren in praxisorientierten Seminaren auch die Wirkungen von Text, Bildsprache und Tongestaltung näher gebracht werden. Daneben werden Grundlagen der Kunst, Kultur, Gestaltung sowie der Sozial- und Kommunikationswissenschaft gelehrt, teilt der Informationsdienst Wissenschaft der Universitäten Bayreuth und Bochum und Clausthal mit.
Der Masterstudiengang dauert 18 Monate und ist zweisprachig auf Deutsch und Englisch angelegt. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2001. Bewerber müssen eine abgeschlossene Hochschulausbildung nachweisen. Pro Semester werden maximal zehn Studierende aufgenommen. Bewerbungsunterlagen sind dem Informationsdienst zufolge erhältlich beim Studienbüro der HDM, Nobelstraße 10, 70569 Stuttgart.

(14.12.2000 19:01)

Genf (dpa) - Während das World Wide Web sich mit Millionen neuen Nutzern und immer raffinierteren Anwendungen gerade so richtig entfaltet, tüfteln die WWW-Erfinder am Europäischen Kernforschungslabor (CERN) in Genf bereits an der nächsten Generation. «The Grid» (das Gitter) soll jedem Nutzer maßgeschneiderte Antworten auf komplexe Fragen auf seinen Computer liefern. Die Arbeit erledigen Tausende vernetzte Computer in aller Welt.
«Im World Wide Web holt man sich vorfabrizierte Informationen. Man greift auf etwas zurück, das fertig ist. Das Grid erlaubt Anfragen, die aus den verschiedenen verfügbaren Datensätzen eine individuell auf den Benutzer zugeschnittene Antwort liefern», sagt Hans Hoffmann, Direktor für Technologietransfer am CERN.
Die Physiker arbeiten mit Hochdruck an dem Supernetz. Der neue Teilchenbeschleuniger, der in den nächsten fünf Jahren dort gebaut wird, wird Datenmengen produzieren, die mit dem World Wide Web überhaupt nicht mehr zu bewältigen wären. «Der alte Beschleuniger lieferte Daten über zwei bis drei Ereignisse in der Sekunde, der neue wird Milliarden pro Sekunde ausspucken», sagt Hoffmann. Das CERN und die rund 500 angeschlossenen Institute weltweit wollen diese Daten von den Computern je nach Forschungsaufgabe nach unterschiedlichen Kriterien vorsortieren und in verschiedenen Konstellationen berechnen lassen. Im Netz holen sich die Rechner dafür die Daten und Anwendungsprogramme je nach Fragestellung selbst zusammen.
Vor rund zehn Jahren waren es schon einmal die Bedürfnisse der Wissenschaftler am CERN, die die Revolution des Internets möglich machten. Der englische Informatiker Tim Berners-Lee, damals am CERN beschäftigt, «erfand» 1989 das World Wide Web. Jede einzelne Seite des weltweiten Netzes ist in der Computersprache HTML (Hyper Text Markup Language) formatiert und lässt sich über einen so genannten Link mit anderen Seiten verbinden. Mit Hilfe des Übertragungsprotokolls HTTP (Hyper Text Transfer Protocol) lassen sich die Seiten von jedem Rechner problemlos ansteuern. Damit war es erstmals möglich, dass Computer weltweit untereinander kommunizieren konnten, wobei vom Anwender kein besonderes technisches Wissen oder Programmierkenntnisse verlangt wurden. Das CERN brauchte das WWW, um Physiker in aller Welt mit Daten aus der Kernforschungsanlage versorgen zu können. Die Folge dieser Erfindung hat die Welt verändert.
So soll es auch mit dem neuen Grid werden. «Wir werden eine Organisationssoftware, die Middleware, schreiben, die wie Linux offen ist», sagt Hoffmann. Damit könne auch die Industrie ihre Ideen einbringen. Mit der Entwicklung dürften Hoffmann zufolge in den nächsten drei bis vier Jahren rund 100 Leute beschäftigt sein. 300 Millionen Franken (knapp 200 Mio. Euro) kalkuliert Hoffmann dafür ein. Das CERN sucht bereits Partner. Die Europäische Union hat zehn Millionen Euro bereitgestellt. Auch Industrieunternehmen haben schon angeklopft. Wer bei der Entwicklung des Grids von Anfang an dabei ist, hat bei der Entwicklung von Nutzungsprogrammen entscheidende Vorteile. Die breite Anwendung sieht Hoffmann in etwa zehn Jahren.
Dass das Grid für Genforscher, Molekularbiologen oder Computermediziner, die mit vielen Daten hantieren, eine Revolution ist, steht für Hoffmann außer Frage. Ohne den Wust von Daten mühsam anzuschauen, kann der Wissenschaftler seine spezifische Frage, etwa nach dem Zusammenhang zwischen verkauften Zigaretten und Krebsraten in einer bestimmten Gegend, formulieren. Der Computer sucht die Daten zusammen und rechnet das Ergebnis aus.
Der Fantasie über die Möglichkeiten des Grid für die breite Öffentlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. «Ich will mir zum Beispiel ein Grundstück kaufen. Wenn in den Immobilienanzeigen dann künftig die Koordinaten stehen, kann ißch mir den Ort über die Erdbeobachtung durch Satelliten auf meinem Computer anschauen. Ich kann mir die Zahl der Sonnentage der letzten zehn Jahre für diesem Fleck sagen lassen. Ich kann alle möglichen Sachen machen, die ich allein frage, sonst niemand», schwärmt Hoffmann. «Wenn die technischen Möglichkeiten da sind, werden Provider auch die entsprechenden Dienste anbieten», sagt Hoffmann.

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