(Forschungsergebnis)

Potsdam (dpa) - In Deutschland gibt es nach den Erkenntnissen von Experten immer mehr Schulverweigerer. Inoffiziellen Schätzungen zufolge gingen rund 70 000 Kinder und Jugendliche nicht regelmäßig zur Schule, sagte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit, Henrik von Bothmer, am Donnerstag bei einer Fachtagung in Potsdam. Genaue Erhebungen lägen allerdings nicht vor. Viele Jugendliche, die sich der Schule verweigerten, sähen keine Perspektive und hätten das Gefühl, in der Gesellschaft ohnehin nicht gebraucht zu werden, sagte Bothmer.
Auch die Schulen seien mit veralteten Unterrichtsmethoden, schlechter Ausstattung, zu großen Klassen und zu hohem Leistungsdruck eine Ursache für Schulverweigerung. Notwendig sei eine nachhaltige Bildungsreform, um die Defizite zu ändern. So müsse die Jugendsozialarbeit verstärkt werden. Zudem sollten Schulen verstärkt mit der Wirtschaft kooperieren.

Samstag, 16 April 2011 15:23

Wenn Eltern plötzlich den Job verlieren

(24.11.2000 20:12)

Leipzig (gms) - Wenn andere Jugendliche sich im Kino treffen, muss Corinna oft absagen. Und will die Freundin sie zu einer Shoppingtour überreden, dann wandert der Blick der 19-Jährigen sorgenvoll zum Portemonnaie. Nur mit «dem Bafög» kommt die Amerikanistik-Studentin nicht über die Runden. Doch von den Eltern kann Corinna keine finanzielle Unterstützung erwarten: Die Mutter ist seit drei Jahren arbeitslos, der Vater hat erst vor kurzem einen neuen Job in den weit entfernten Niederlanden gefunden.
Während sich die Clique abends amüsiert, sitzt Corinna also oft beim Babysitten. Schon als die Studentin noch zur Schule ging, musste sie sich jedes Wochenende ein paar Mark zu ihrem Taschengeld dazu verdienen. Trotz finanzieller Engpässe zog es Corinna aus der Plattenbauwohnung in Bitterfeld in eine eigene Wohnung nach Leipzig: «Zu Hause hätte ich es einfach nicht mehr ausgehalten. Da wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.» Ihre Mutter glaubt schon lange nicht mehr an einen neuen Job in Bitterfeld, und auch ihr Bruder ist zermürbt nach einjähriger Lehrstellensuche.
So wie Corinna geht es vielen Jugendlichen, deren Eltern plötzlich ohne Job dastehen. Zunächst wird das Geld knapp. Dann kommt es in der Familie zu Spannungen. «Jugendliche sind an Freiräume gewöhnt. Ist dann plötzlich ein Elternteil den ganzen Tag zu Hause, ist der Krach oft programmiert», sagt Margitta Krupp von der Erziehungsberatung des Jugendamtes Leipzig.
Die Psychologin weiß aus Erfahrung, dass das Zusammenrücken in vielen Familien auch in den Köpfen zu bedrohlicher Enge führen kann: «Die Eltern empfinden zunächst einen Frust mit sich selber. Sitzen sie dann den ganzen Tag zu Hause, ärgern sie sich plötzlich auch über Dinge, die ihnen vorher nie aufgefallen sind.» Oft fühlten sich die Jugendlichen dann sehr kontrolliert und gemaßregelt.
Für Corinna ist das fehlende Geld von Anfang an das größte Problem gewesen: «So richtig Zoff hat es aber zum Glück noch nicht gegeben. Meine Mutter weiß sich zu beschäftigen. Außerdem muss man als Familie doch zusammenhalten.» Kinder arbeitsloser Eltern sollten versuchen, ihrem Vater oder ihrer Mutter Mut zu machen, findet Corinna. «Wenn ich ihnen noch zusätzliche Schuldgefühle aufdrücke, würde das die Situation noch verschlimmern.» Die Studentin gibt deshalb anderen Jugendlichen in einer ähnlichen Lage den Tipp: «Versucht, auf eigenen Füßen zu stehen! Verdient dazu und hört auf, euch alles hinten reinschieben zu lassen.» Wenn Corinna nicht als Babysitterin arbeitet, verdient sie sich Geld als Kellnerin.
«Am wichtigsten aber ist, dabei auch die eigenen schulischen Leistungen im Auge zu behalten», betont Christian Lamß vom Leipziger Erwerbslosenzentrum des Arbeitslosenverbandes Deutschland. Es sei eine Doppelbelastung: Verständnis für die Eltern aufbringen und sich um die eigenen beruflichen Qualifikationen kümmern.
Kommt es zu einer Krise, können oft die Beratungszentren helfen. So warnt Jugendamts-Mitarbeiterin Margitta Krupp vor voreiligen Aktionen: «Ganz zu Beginn geben wir Eltern und Kindern den Rat, sich der Situation zu stellen und nicht etwa abzuhauen. Manchmal hilft es, wenn die Familienmitglieder aufschreiben, wo sie sich mehr Freiraum wünschen.»
Viele Jugendliche wollten sich aber nicht an eine Beratungsstelle wenden. «Wenn es zu Hause kracht, dann hilft es manchmal auch schon, wenn bei einem Freund der Frust abgelassen wird. Abnabeln heißt hier die Devise», so Krupp.
«Ich bin nicht zuletzt durch die Arbeitslosigkeit meiner Eltern zum Stehaufmännchen geworden», sagt Corinna. «Durch einen festen Willen und Unterstützung kann man fast alles schaffen.» Wenn die 19-Jährige trotzdem manchmal ein bisschen verzweifelt, leistet sie sich einen Lottoschein: «Ach, und wenn ich gewinne, dann kaufe ich mir ein schönes, neues Fahrrad oder entspanne mich mal so richtig auf einer Weltreise.»

(24.11.2000 20:04)

Berlin/Neckargmünd (gms) - Kunst und Dienstleistung schließen sich eigentlich aus. Der Grafik-Designer muss beides verbinden: Er muss kreativ sein, seine Einfälle aber den Wünschen eines Auftraggebers unterordnen: «Der Grafik-Designer setzt eine Idee für eine Firma in eine Zeichnung oder Illustration um», erklärt Hermann Büchner, Öffentlichkeitsreferent beim Verband der Grafik-Designer in Berlin. Die Entwürfe können für einen Bucheinband, ein Plakat, eine Werbeanzeige oder ein CD-Cover bestimmt sein.
Weitere Arbeitgeber, für die Grafik-Designer in großer Zahl arbeiten, sind die Printmedien: Hier sind sie für das Layout von Zeitungs- oder Zeitschriftenseiten und die Typografie zuständig. Auch die Neuen Medien haben das Berufsbild verändert: «Der Grafik-Designer wird zunehmend an der Schnittstelle zur Programmierung arbeiten», sagt Peter Bischoff vom Berufsverband für freiberufliche Designer in Braunschweig. «Berufsanfängern bieten sich gute Einstiegsmöglichkeiten, wenn sie sich im Studium auf Web-Design spezialisiert haben», so Bischoff weiter.
Grafik-Designer werden an Fachhochschulen oder Universitäten für bildende Künste ausgebildet. Die praxisorientierten Studiengänge, die an vielen deutschen Hochschulen angeboten werden, heißen Kommunikations-Design oder Visuelle Kommunikation. Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester. «Im Grundstudium lernen die Studierenden Zeichentechniken und den Umgang mit den einschlägigen Computerprogrammen», erläutert Andrea Rauschenbusch, Professorin im Fachbereich Design an der Fachhochschule Münster.
Auch Grundlagen in Produktionstechnik, Satztechnik, Mediendesign und Animation werden in der ersten Studienphase vermittelt. Etwa ab dem fünften Semester sollen Studierende aus dem Lehrangebot einen Schwerpunkt auswählen: Die grafische Umsetzung von Internet-Homepages, die Bearbeitung von Fotografien am Computer oder Animation und Trickfilm können Nachwuchs-Designer an vielen Hochschulen vertiefen. Wer sich für ein Studium bewirbt, muss Arbeitsproben aus Praktika und eine Mappe mit eigenen Zeichnungen einschicken.
Es gehört auch eine Portion Glück dazu, einen der Studienplätze zu ergattern: «Die Hochschulen sind völlig überlaufen. Auf 20 Studienplätze kommen mehr als 400 Bewerbungen», sagt Tina Ceh. Sie studiert im vierten Semester an der privaten Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design (FAKD). Tina bezahlt für ihr Studium 550 Mark im Monat. Für die kostenpflichtige Ausbildung hat sie sich entschieden, nachdem ihre Bewerbung an verschiedenen Fachhochschulen fehlgeschlagen war. «Ich habe schon immer gern gezeichnet. Deshalb war für mich klar, dass ich Grafik-Design studieren wollte», so die 22-Jährige.
«Auch wenn ich als Grafik-Designer wohl künstlerisch nicht immer meinen eigenen Kopf durchsetzen kann: Kunstgeschichte oder freie Kunst zu studieren, wäre mir zu trocken. Und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind sehr schlecht mit diesen Abschlüssen», fügt sie hinzu. Außerdem gefällt ihr das Zeichnen und das Bearbeiten von Bildern am Computer.
Ohne technisches Know-How kommt kein Grafik-Designer mehr aus, ob er in einer Agentur für Werbe- und Kommunikationsdesign arbeitet oder in einem Unternehmen mit Produktdesign beschäftigt ist. «Die erste Skizze entsteht immer noch auf dem Papier», sagt Martin Kaufmann, der in Eigenregie die Agentur Oktav in Neckargmünd führt. «Jeden weiteren Entwurf stelle ich aber am Computer her. Das ist heute Standard.» Der 48-jährige Kaufmann ist ein Quereinsteiger: Nach einem Soziologie-Studium machte er in Mannheim eine Ausbildung als Werbekaufmann und wechselte dann in die Design-Abteilung einer Bank, wo er das Layout für Prospekte und Kundenzeitschriften erstellte.
Weil ihm der kreative Spielraum in seiner Arbeit fehlte, gründete er anschließend seine eigene Firma. Heute arbeitet Kaufmann als Layouter für Buch- und Zeitschriftenverlage, entwirft aber auch Broschüren und Werbeanzeigen für Firmen. Dabei muss er viel Rücksicht auf die Vorstellungen seiner Kunden nehmen. Neben der Arbeit am Computer verbringt er die meiste Zeit in Meetings mit Auftraggebern, um Entwürfe für eine Anzeige oder einen Prospekt zu besprechen.
Spannend an seinem Beruf findet er den Moment, wenn er eine gelungene Kampagne abgewickelt hat. «Die Bilder in der ganzen Stadt plakatiert zu sehen, das ist ein tolles Gefühl», sagt er. Wichtige Voraussetzungen, um als Grafik-Designer zu arbeiten, sind für Kaufmann Fantasie und das Beherrschen der Zeichenprogramme am Computer. Auch kommunikativ und einfühlsam sollte ein Grafik-Designer sein: «Ich muss einen Kunden von meinen Ideen begeistern können», sagt er. Vor allem darf man als Berufsanfänger aber keine Angst haben, sich selbstständig zu machen: Die überwiegende Zahl der Grafik-Designer in Deutschland ist selbstständig.

Göttingen/Hamburg (gms) - Wenn ein Fünfjähriger noch immer nicht richtig sprechen kann oder ein Teenie plötzlich lispelt, dann kommen sie zum Einsatz: Logopäden helfen Patienten aller Altersgruppen - Säuglingen und Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie therapieren eine verzögerte Sprachentwicklung, Stottern oder Lispeln. Anderen helfen sie dabei, nach einem Schlaganfall das fehlerfreie Sprechen neu zu lernen.
«Der Logopäde ist ein Experte zur Behandlung von Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen», erläutert Lucas Rosenthal, Geschäftsführer des Deutschen Bundesverbands für Logopädie (dbl) in Frechen bei Köln. «Er trainiert die Kommunikationsfähigkeit oder arbeitet mit Patienten daran, dass sie sie wieder erlangen.» Dazu erstellt er eine Diagnose und wählt die für den Patienten geeignete Therapie aus.
Auch die Beratung gehört zu den Tätigkeiten eines Logopäden: Für den Erfolg einer Behandlung ist wichtig, den Verlauf mit dem Patienten und seinen Angehörigen zu besprechen. «Daher wird der Logopäde nicht nur in Medizin und Sprachwissenschaft ausgebildet», so Rosenthal weiter: «Auch Psychologie und sonderpädagogische Inhalte haben einen hohen Anteil in der Ausbildung.»
«Am meisten Raum nimmt aber die praktische Arbeit ein», fügt Eva Wieting hinzu. Sie ist Ausbilderin an der Schule für Logopädie am Universitäts-Klinikum in Göttingen. «Schon nach dem ersten Semester behandeln die Auszubildenden unter Anleitung selbst Patienten.» Voraussetzungen für die Logopädie-Schule sind ein mittlerer Bildungsabschluss und die Volljährigkeit. «Gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben aber vor allem die, die schon Praktika in sozialen, pädagogischen oder pflegerischen Einrichtungen gemacht haben», sagt Wieting.
Die dreijährige Ausbildung an einer der 70 Berufsfachschulen in Deutschland schließt mit dem Examen zum staatlich anerkannten Logopäden ab. Die Schulen sind in der Regel an eine Klinik angebunden, es gibt aber auch kostenpflichtige Ausbildungsangebote privater Träger.
Examinierte Logopäden arbeiten in Gesundheitsämtern, kommunalen Beratungsstellen, in Kliniken und Rehabilitationszentren. Viele sind aber auch in Sonderschulen, bei karitativen Vereinen oder in freien Praxen beschäftigt. Die Berufsaussichten sind gut: «Erfahrungsgemäß finden alle Absolventen eine Anstellung», sagt Wieting, «auch wenn eine gewisse Mobilität erforderlich ist.»
Britta Romann hat im Herbst in der Klasse von Frau Wieting das zweite Ausbildungsjahr begonnen. Sie weiß noch nicht, welchen Zweig sie als Logopädin nach ihrer Ausbildung einschlagen will. Der 22-Jährigen gefällt vor allem, dass die Tätigkeiten in dem Heilberuf vielseitig sind: Jedes Krankheitsbild ist verschieden.
Ärztin wollte Britta nie werden. «Das wäre mir zu einseitig. Als Ärztin hat man sehr wenig Zeit für den Patienten. Das Schöne am Logopäden-Beruf ist für mich, dass ich mich ganz auf einen einzelnen Patienten einstellen kann», sagt sie.
Karen Grosstück hat eine eigene Praxis für Logopädie in Hamburg. Auch ihr war der Kontakt zu Menschen und der Umgang mit Sprache immer wichtig. Deshalb hat sie sich vor 20 Jahren für eine Ausbildung zur Logopädin entschieden. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in einer Rehabilitationsklinik für alte Menschen und betreute in einem Krankenhaus Schlaganfallpatienten. Danach hatte sie die zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt, die der Gesetzgeber von Logopäden fordert, bevor sie sich selbstständig machen dürfen. Mittlerweile beschäftigt sie in ihrer Praxis sechs Mitarbeiter.
«Etwa 60 Prozent meiner Patienten sind Kinder. Ich arbeite viel mit Gruppentherapie, in der ich mit lispelnden Kindern die Aussprache und die Mundmotorik trainiere», erzählt sie. Dafür hat Grosstück selbst Therapiespiele entworfen. Zwei Vormittage in der Woche behandelt sie aber auch erwachsene Patienten, denen es nach einem Schlaganfall nicht möglich ist, in die Praxis zu kommen. «Meine Arbeitszeiten richten sich nach den Bedürfnissen der Patienten. Berufstätige behandle ich oft in den Abendstunden», sagt Grosstück.
Wichtige Voraussetzungen für den Logopäden-Beruf sind für sie eine intakte Stimme, eine saubere Aussprache und ein gesundes Hörvermögen. Auch ein Interesse an Menschen und eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit sollte ein Logopäde haben. «Ein Therapeut muss auf ganz unterschiedliche Leute zugehen können», sagt Grosstück. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass zum Beruf darüber hinaus ein gutes Allgemeinwissen gehört: «Ob Vorschulkind oder Hochschulprofessor: Ich muss nicht nur mit den Patienten reden können, sondern auch über etwas und dabei immer die richtige Ebene treffen», erklärt die Logopädin.
Informationen: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl) (Tel.: 02234/69 11 53, Internet: www.dbl-ev.de). Eine Auflistung aller Ausbildungsstandorte findet sich unter www.arbeitsamt.de unter der Rubrik «Ausbildungsstellen».

(07.12.2000 16:10)

Nueva Gerona (dpa) - Auf Kubas Isla de la Juventud hat Fidel Castro Anhänger aus aller Welt. Die «Insel der Jugend» vor der Südküste ist eine Hochburg für Studenten früherer afrikanischer und asiatischer «Bruderländer», aber auch Alma Mater für Lernende aus Lateinamerika und Karibik. Ob überzeugte Sozialisten oder nicht: Die jungen Leute schätzen die Stipendien aus Havanna oder die äußerst preisgünstigen Konditionen an Agrar-, Fach- und Hochschulen. Auf der Insel mit knapp 100 000 Einwohnern und in ihrer Kapitale Nueva Gerona ist die Atmosphäre locker und freundlich.
Wer zwischen Kirchlein am Parque Guerillero Heroico und Einkaufsboulevard bummelt, trifft gut gelaunte Jugendliche und kaum Polizei- und Sicherheitskräfte. In Havanna sind die Ordnungshüter dagegen an jeder dritten Straßenecke postiert. Schulkinder posieren im Park Geronas ungezwungen fürs Touristenfoto. Tags wird gebüffelt. Nachts wird gefeiert in Theaterclubs, Bars und Discotheken.
Im «Cabaret El Patio» klingen Salsastimmen und Rumgläser. Peter Kufahakuraye (24) aus Harare sagt zur Finanzierung seines Studiums: «Ich zahle fast gar nichts. Kubas Regierung ist sehr großzügig.» Ein Kommilitone aus Simbabwe ergänzt: «Später wollen wir zurück nach Afrika und helfen. Mein Volk und meine Familie sollen stolz auf mich sein.» Die anderen nicken.
Die Studenten am Tresen stammen aus Angola, Mosambik, Tansania. Sie wollen Agrar-Ökonom, Elektroingenieur oder Arzt werden. Kuba hat bei vielen jungen Leuten in der Karibik, Zentral- und Südamerika einen guten Ruf, weniger wegen des politischen Systems. Aber auch Nichtsozialisten freuen sich, wenn Fidel Castro der Supermacht USA bisweilen Grenzen aufzeigt und Tourismusexperten und Ärzte als Berater und Katastrophenhelfer in Länder wie Guatemala, Honduras und El Salvador schickt.
Die 20-jährige Sheryl von der Karibikinsel St. Lucia sagt: «Ein Studium in den USA kann ich mir nicht leisten.» Aber Gebühren, Bücher und Lebensunterhalt seien auf Kuba bezahlbar, die Professoren gut, die Menschen freundlich. So kann auch der zur Universität, der kein Stipendium hat. Ein bisschen ärgert es die Gäste, dass sie bei manchen Verkehrsmitteln «Devisenausländer» sind. Der Bus von Havanna an die Küste nach Batabano kostet für alle 2,50 Peso, die Schnellfähre auf die Jugendinsel elf Peso für Kubaner und elf US Dollar für fast alle Ausländer. In der Casa de Cambio gibt es für einen Dollar meist gut 20 Peso.
Am Pier von Gerona mischen sich Studenten, Schüler, Hafenarbeiter, Urlauber und Vermieter von Casas Particulares, wie die Privatunterkünfte heißen. Doppelzimmer mit Dusche gibt es für Touristen ab 15 US Dollar (rund 33 Mark). Früher studierten auf der Isla noch mehr Jugendliche. Doch nach dem Untergang des Sozialismus in Europa und einer schweren kubanischen Wirtschaftskrise musste die Regierung auch Abstriche bei den Universitäten und bei den Stipendien machen. Bis zu 20 000 Cubanos und Ausländer studierten in den achtziger Jahren auf der Isla, die früher auch «Schatzinsel» und «Gefängnisinsel» genannt wurde. Auch Castro und Mitstreiter waren nach dem gescheiterten Angriff auf die Kaserne Moncada in Santiago 1953 in Inselhaft. Heute soll die Isla nur noch knapp 10 000 kubanische und ausländische Studenten haben.

(07.12.2000 16:10)

Eichstätt (gms) - Ein neuer Studienführer soll mehr Orientierung über die Ausbildungsgänge für Kommunikationsberufe bieten. Der «Studienführer Journalismus, Medien, Kommunikation» von Professor Walter Hömberg und Renate Hackel-de Latour von der Katholischen Universität Eichstätt stellt auf 635 Seiten die Studiengänge an 58 Instituten und Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor. Dargestellt werden Zulassungsvoraussetzungen, Studienordnungen, Lehrangebote, fachliche Schwerpunkte und Prüfungsanforderungen. 134 weitere Einrichtungen der Aus-, Fort- und Weiterbildung für Medienberufe werden kurz porträtiert, teilt der Informationsdienst Wissenschaft der Universitäten Bayreuth, Bochum und Clausthal mit.
Der von Walter Hömberg und Renate Hackel-de Latour herausgegebene Studienführer Journalismus, Medien, Kommunikation, UVK Medien ist in der Verlagsgesellschaft Konstanz (ISBN 3-89669-267-4) erschienen und kostet 39,80 Mark.

(01.12.2000 16:13)

Frankfurt/Main (dpa) - Handys im Kragen, Computertasturen am Handgelenk - wie die Kleidung der Zukunft aussehen könnte, ist nächste Woche in Frankfurt zu sehen.
Als «Internationales Forum für Textilien und Technologien der Zukunft» findet von Montag bis Mittwoch (27.-29.11.) zum ersten Mal die Messe «avantex» in der Mainmetropole statt. Neben Kleidungsstücken mit integrierter Mikroelektronik, den so genannten «Smart Clothes» (Intelligente Kleidungsstücke), werden auch gesundheitsfördernde Textilien, wie die antibakteriell wirkende Hose, ihren Platz auf der Messe finden.
Die Bekleidungsindustrie sieht in den neuartigen Produkten die Chance, ihre wirtschaftlich angeschlagene Position zu verbessern. «Wir müssen rein in neue Materialien, Technologien und Produkte», sagte Friedhelm Sartoris vom Bundesverband Bekleidungsindustrie. Auf der Messe werden deshalb Prototypen vorgeführt, die «dem Laborstatus entwachsen, aber noch nicht als kommerzielles Produkt vermarktet worden sind», betonte ein Aussteller. Insgesamt präsentieren 75 Unternehmen Neuheiten und Erfindungen.

(01.12.2000 16:13)

Der Bestseller-Autor Stephen King hat seinen spektakulär gestarteten Internet-Fortsetzungsroman «Die Pflanze» nach fünf Monaten eingestellt. Er brauche mehr Zeit für traditionelle Buchprojekte, teilte er den Lesern auf seiner Webseite mit. Der Erfolg des Unternehmens sei offenbar deutlich hinter den Erwartungen des Grusel-Schreibers zurück geblieben, berichtete die «New York Times» am Mittwoch. Washington (dpa) - Der Bestseller-Autor Stephen King hat seinen spektakulär gestarteten Internet-Fortsetzungsroman «Die Pflanze» nach fünf Monaten eingestellt. Er brauche mehr Zeit für traditionelle Buchprojekte, teilte er den Lesern auf seiner Webseite mit. Der Erfolg des Unternehmens sei offenbar deutlich hinter den Erwartungen des Grusel-Schreibers zurück geblieben, berichtete die «New York Times» am Mittwoch.
Die Zahl der Anrufe sei von 120 000 nach dem Start im Juli-Wochen auf 40 000 für die letzte Folge gesunken. Außerdem hätten zum Schluss nur noch 46 Prozent der Abrufer die verlangte Gebühr von einem Dollar überwiesen. King hatte versprochen, so lange zu schreiben, wie mindestens 75 Prozent zahlen: «Wenn Ihr zahlt, geht die Geschichte weiter. Wenn nicht, ist Schluss.»
Das Projekt hatte in der Literaturbranche großes Aufsehen erregt. Zum ersten Mal publizierte ein prominenter Autor ein Buch in Eigenregie unter Umgehung der Verlags- und Vertriebsindustrie. Sie hätten viele Lehren gesammelt, sagte Kings Mitarbeiterin Marsha DeFilippo der Zeitung - «von der technischen bis zur menschlichen Seite.» Selbst für einen Kultautor wie King sei es eine Herausforderung, ein solches Unternehmen bekannt zu machen. «Das ist ein Grund, weshalb ich sicher bin, dass Stephen King das traditionelle Verlagsgeschäft nie aufgeben wird. Sie offerieren eine riesige Dienstleistung, indem sie ein Buch verkaufen.»
Seine Leser vertröstete King auf bessere Zeiten: «Die Pflanze legt sich zum Winterschlaf», schrieb er. Das habe sie während der letzten 19 Jahre, in denen er an der Geschichte des räuberischen Gewächses geschrieben habe, schon mehrfach getan. «Ich glaube, sie kann auch die ein oder zwei Jahre überleben, in denen ich an anderen Projekten arbeite.»

(01.12.2000 16:12)

Berlin (dpa) - Experten von Arbeitgeberverbänden aus sieben EU-Ländern haben eine fundamentale Reform des schulischen Bildungssystems gefordert. Schulen müssten ihre Schüler so bilden und ausbilden können, dass sie im 21. Jahrhundert Erfolg haben werden, heißt es in dem gemeinsamen Papier, das am Donnerstag von der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in Berlin vorgestellt wurde.
Mitglieder der Arbeitsgruppe waren Fachleute von Arbeitsgeberverbänden in Österreich, Dänemark, Frankreich, in den Niederlanden, in Italien, Großbritannien und Deutschland. Sie verlangten, dass die Schulen ihre Ziele und Organisationen erneuern müssten. Sie sollten für hochwertige Basisqualifikationen und eine solide Wissensgrundlage sorgen. Sie müssten aber auch die sozialen und persönlichen Kompetenzen der Schüler, dass Wertebewusstsein und die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen stärken.
Die Regierungen müssten den Schulen mehr Autonomie einräumen, damit sie sich selbst verwalten könnten. Mehr öffentliches Geld schaffe nicht notwendigerweise mehr Qualität, betonten die Experten. Die Schulen müssten ihre Mittel effektiver einsetzen, um den gewandelten Bildungsanforderungen der Schüler und Arbeitgeber besser zu entsprechen. Die Finanzierung der Schulen durch öffentliche Mittel solle grundsätzlich «nachfrageorientiert» gestaltet werden und sich an der Zahl der Schüler orientieren.
Die internationalen Experten fordern ferner, Schulen sollten in Zukunft «anregende Zentren des aktiven Lernens sein, mit maßgeschneiderten Bildungsgängen für jeden Einzelnen und der Nutzung des ganzen Potenzials der Informations- und Kommunikationstechniken. Zusammenarbeit und Wettbewerb seien gleichermaßen notwendig, um Wirksamkeit und Effizienz zu erhöhen. Innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen seien Wettbewerbselemente einzuführen, etwa die Auswahl der Lehrer durch die Schule oder die Wahl einer einzelnen Schule innerhalb der empfohlenen Schulform.
Gefordert wird auch, die beruflichen Rahmenbedingungen der Lehrer, die grundsätzlich hoch qualifiziert sein müssten, dringend zu aktualisieren. Vor allem müssten Lehrern und Schulleitern durch differenzierte Entlohnungen je nach Leistung und Aufgaben mehr Erfolgsanreize geboten werden. Arbeitgeber müssten die Schulen aktiv darin unterstützen, ihre Schüler auf das Arbeitsleben vorzubereiten.

Samstag, 16 April 2011 15:17

Internet vergrößert Wissenskluft

(01.12.2000 16:11)

Mainz (dpa) - Das Internet spaltet die Gesellschaft: Die Kluft zwischen gut informierten Viellesern und passiven Medienverweigerern wächst mit dem neuen Medium schneller.
Die neue Studie der Mainzer Stiftung Lesen über das Leseverhalten der Deutschen ist ein neuer Beleg für dieses Phänomen, das die Fachleute «Wissenskluft» nennen. Das Phänomen ist nicht neu, Kommunikationsforscher warnen schon seit Jahren davor. Doch mit der rasanten Verbreitung des Internets gewinnt der Prozess an Dynamik. Und er trifft bereits die Jugendlichen.
Auf der einen Seite des Grabens steht die «Informations-Elite» mit Menschen, die viel und regelmäßig lesen und neben gedruckten auch die elektronischen Medien wie Radio, Fernsehen und Internet ausgiebig nutzen. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die selten ein Buch oder eine Zeitung in die Hand nehmen und sich vom Fernsehen lieber berieseln als informieren lassen.
Für die Referenten der Mainzer Tagung «Gutenbergs Folgen», die am Freitag zu Ende gehen sollte, ist die wachsende Kluft gerade bei jungen Leuten ein Grund zur Besorgnis. Denn: Wenigleser drohen im Informationszeitalter den Anschluss zu verpassen. Sie sind weniger informiert und wissen weniger. Das kann nicht nur ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verringern, sondern auch negative Folgen für die Gesellschaft haben: Der viel zitierte «mündige Bürger» braucht in der Demokratie Informationen, sonst gerät der Urnengang zur reinen Bauchentscheidung. Um die Wissenskluft zu verringern und die gesamte Gesellschaft fit für das neue, multimediale Zeitalter zu machen, müssten vor allem Kinder stärker ans Lesen herangeführt werden, so die einhellige Forderung der Experten.
Auf den ersten Blick bietet die am Donnerstag in Mainz vorgestellte Studie Anlass zu Optimismus: Es wird insgesamt nicht weniger gelesen als noch 1992 bei der vorherigen Erhebung. Aber es wird anders gelesen: Statt zu Romanen und Gedichtbänden greifen immer mehr Leser zu Sach- und Fachbüchern. Statt genussvoll zu schmökern oder ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu verschlingen, überfliegen viele «Häppchen-Leser» nur noch die Seiten und picken sich die für sie relevanten Informationen heraus. Dies gilt vor allem für Jugendliche bis 19 Jahren. Dabei - so ein weiteres zentrales Ergebnis - geht ausgiebiges Surfen im Internet nicht zu Lasten der Buch- oder Zeitungslektüre. Doch es verändert den Anspruch an die Aufbereitung von Informationen und Texten. Und es verlangt dem Leser größere Fähigkeiten zur Einordnung ab.
«Im Internet wird ein ungeheurer Datenmüll erzeugt», sagte Werner Klatten vom Hamburger «Spiegel»-Verlag auf einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend. «Da muss Orientierungs- und Navigationshilfe geleistet, ein Kontext hergestellt werden». Das Internet sei mit der Möglichkeit, Links zu anderen Seiten zu knüpfen, dafür gut geeignet. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften dagegen hätten es schwer, junge Leser zu gewinnen, «dafür haben wir noch nicht den Schlüssel gefunden», räumte Klatten ein.
Die Verlage müssten ihre Produkte in der Optik und Aufmachung an die veränderten Lesegewohnheiten anpassen, forderte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels (Frankfurt), Roland Ulmer. «Aber mit den deutschen Fachautoren ist es schwierig, Texte zur raschen Orientierung anzubieten, da sind die Lektorate gefragt.»
«Wenn sich unter Einfluss der neuen Medien die Art zu lesen und die Ansprüche an die Textgestaltung ändern, wenn Zappen auf Papier gegenüber sorgfältigem Durchlesen dominiert, dann muss gehandelt werden, damit die Wissenskluft nicht noch größer wird», mahnte der Geschäftsführer der Stiftung Lesen, Klaus Ring. «Eine wachsende Kluft ist inakzeptabel, dagegen müssen wir so früh wie möglich angehen.» Dazu müsse man in den Familien ansetzen, solange die Kinder noch klein und «prägungsfähig» seien, meinte Ring. Auch die Schulen müssten eine stärkere Leseförderung betreiben.
Jürgen Genuneit vom Bundesverband Alphabetisierung (Stuttgart): wies auf die generell abnehmende Lesefähigkeit der Deutschen hin. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland - fünf Prozent der Bevölkerung - seien praktisch Analphabeten. 14 Prozent erreichten nur die unterste Stufe der Lesefähigkeit. Doch auch bei leseerfahrenen Deutschen hat nach der Beobachtung des Frankfurter Verlegers Vittorio Klostermann die Lust nachgelassen, sich mit komplexen Inhalten auseinanderzusetzen. Nicht nur seitenlange Zeitungsartikel, auch wortlastige Fernsehbeiträge wie Kommentare würden immer seltener. «Das liegt nicht nur an veränderten Lesegewohnheiten, die Muße allgemein ist auf dem Rückzug.»

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