Umlauf

Graffiti an die Schulwand – ganz ohne Vandalismus

20. August 2025

Die Schulwand mit Graffiti zu besprühen – das ist meist wohl eher Wunsch als Wirklichkeit. Und wenn man dann doch illegale Graffities an der Schule findet, dann meist kleine Kritzeleien, die bei Weitem nicht so professionell und farbenfroh wie das neue Graffiti am Goethe-Gymnasium sind.

Am 23.04.2025 fand eine Graffiti Aktion an der Außenwand der Sporthalle beim kleinen Spielplatz am Standort Wimmelstraße statt. Ähnlich wie schon die neue Bolzanlage am ersten Standort, sollte auch das schlichte Goethe-Gymnasium II einen neuen, farbigen Anstrich bekommen. „Bereits im letzten Schuljahr kam uns, initiiert durch den Sportlehrer Ivan Aleshin, die Inspiration, die alten Bilder an der Sporthalle durch neue zu ersetzen“, so die Zweigstellleiterin Stefanie Kurzenknabe. Erste Ideen seien mit Anni Lattich und dem Stadtteilbüro zusammen entwickelt worden und letztlich sei der Entschluss gefallen, statt einer Tafel mit Kreidekunst die gesamte Fassade neu zu gestalten.

Und es soll nicht bei der einen besprühten Wand bleiben. Der Künstler Marcel de Medeiros ist bereits durch zahlreiche Graffitis im Wesertor bekannt und wird im Rahmen des Programms „Sozialer Zusammenhalt im Wesertor“ ein weiteres großes Spraywerk an die Fassade der Sporthalle in der Wimmelstraße sprühen. Dieses Projekt stärke den Austausch und das Miteinander unseres Stadtteils durch gemeinsame Gestaltung. Zudem habe das Projekt die Umsetzung des Graffitis ermöglicht”, so Kurzenknabe.

Dieses neue Werk ist allerdings nur zum Teil in der Kunst selbst, vor allem aber in seiner Entstehung besonders: Schülerinnen und Schüler durften hier selbst mit Hand anlegen, um ihre Schule eigenständig zu verschönern.

Da Graffiti-Dosen jedoch kein Alltagsmaterial aus dem Kunstunterricht sind, war Marcel de Medeiros dort, um allen zur Hilfe zu stehen. Zuerst habe er ausführlich erklärt, wie man mit den Spraydosen umgehen sollte und dann die Kinder in Achtergruppen für jeweils sechs bis acht Minuten arbeiten lassen. Dabei sei stets darauf geachtet worden, dass alle eine Schutzmaske tragen. „Außerdem war die oberste Arbeitsregel, dass nichts geschrieben werden darf.

Zum freien Malen gab es Sprühköpfe für unterschiedliche Sprühstärken, wobei die besonders dicken und die ganz feinen Düsen von Marcel in der Endbearbeitung genutzt wurden. So wurden dem Kunstwerk die besonderen Highlights verliehen“, erinnert sich Kurzenknabe.

Größtenteils arbeiteten die Schüler: innen jedoch ohne Hilfe, obwohl Medeiros ihnen jederzeit mit Rat zur Seite gestanden habe. Er war es auch, der den Schriftzug „Goethe Gym“ vorsprühte. Damit hat das Graffiti gleich zwei Bedeutungen:  Liest man das „Gym“ als deutsche Abkürzung steht es für Goethe Gymnasium, spricht man „gym“ jedoch englisch aus, ist es die Kurzform von „gymnasium“, zu deutsch: Sporthalle. Ein Wortspiel, das an der Sporthalle des Goethe Gymnasiums wohl kaum einen besseren Platz hätte finden können.

An der Verwandlung der Wand nahmen rund 60 Personen teil, darunter vor allem Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge des Goethe Gymnasiums, aber auch Schülerinnen und Schüler der nahegelegenen Carl-Schomburg-Schule sowie das Jugendzentrum Wesertor beteiligten sich am Gestaltungsprozess. 

Gemeinsam konnten sie Medeiros schwarzen Schriftzug aus- und ummalen.

„Alle, die sich getraut haben, waren wenig zögerlich, sondern eifrig dabei. Niemand hatte das Gefühl, dass es nur wildes Gekritzel ist, da tatsächlich alle in ihrem Schaffungsprozess gleichermaßen wertgeschätzt wurden“, freut sich Kurzenknabe. „Eine Schülerin hat sich sogar getraut, den Goethe Kopf des Schullogos ohne Vorzeichnung auf die Wand zu sprühen.“ Man haben allen die deutliche Freude angemerkt, ihrer Kreativität einmal freien Lauf lassen zu können.

Die Schülerin, die den Goethe-Kopf sprühte, erinnert sich dennoch an ihre anfängliche Unsicherheit. “Ehrlich gesagt war ich am Anfang nicht sonderlich motiviert – eher ein Ja-Nein-Gefühl”, erzählt die Schülerin Dzana Dzudzevic. Ihr ganzer Kurs habe teilgenommen, aber sie habe sich zunächst zurückgezogen und zugeschaut. „Gegen Ende habe ich dann doch noch mitgemacht und spontan unser tolles Goethe-Logo gesprüht – mir ist in dem Moment einfach nichts Besseres eingefallen”, sagt sie lachend. Letztendlich sei es auch für sie noch zu einer coolen und freudebringenden Aktion geworden.

Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Marcel de Medeiros schien den Prozess zu genießen und während die Wand immer bunter wurde, wurde das Publikum immer größer. Ähnlich wie Dzana trauten sich nicht alle sofort an die Spraydosen und schauten sich den Prozess zunächst einmal von der Seite an.

Auch für Beschäftigung in Form von Spielen war von der Paten-AG gesorgt, um eine ausgelassene und entspannte Atmosphäre zu ermöglichen. In der Sonne standen in einem kleinen Kreis auch ein paar Lehrkräfte zusammen, darunter der Schulleiter Joachim Bollmann und Zweigstellenleiterin Stefanie Kurzenknabe. Lächelnd beobachteten sie, wie sich die Wand langsam innerhalb von eineinhalb Stunden verwandelte. Auch Kurzenknabe selbst hat sich an die Sprühdosen getraut. „Ich hatte großen Spaß und habe versucht, Stellen, an denen wenig Muster waren, etwas zu beleben und Farbakzente durch Punkte zu setzen“, erzählt sie. Mit dem Endergebnis sei sie mehr als zufrieden.

So wie sie können auch alle anderen Teilnehmenden nun jeden Morgen stolz ihr Graffiti bestaunen und sich auf das neue Graffiti an der großen Fassade freuen, das Medeiros demnächst noch zaubern wird.


  • Tamina Fohrmann



    Alle Beiträge ansehen


  • Archiv
  • Schulhomepage
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Kontakt
  • Redaktion
  • Kontakt
  • Archiv
  • Redaktion
  • Schulhomepage
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Print
  • TV