Umlauf

Rückblick auf die Wasserschäden

18. November 2025

Wer schon länger in oder um Kassel wohnt, wird sich noch an das Unwetter erinnern können, das vor drei Jahren die Stadt flutete, sodass die Straßen wie Flüsse schienen. Bäume und Straßenschilder kippten um und durch zerstörte Scheiben und Dächer regnete es hindurch. Letzteres geschah in besonders gravierendem Ausmaß auch im naturwissenschaftlichen und künstlerischen Gebäudetrakt des Goethe-Gymnasiums, Standort Ysenburgstraße.

Dabei wurde weit mehr als nur das Dach beschädigt: „Der Fußboden, die Möbel, die elektrischen Geräte, Verbrauchsmaterialien – all das war in Mitleidenschaft gezogen. Selbst in die Elektroarme im Chemiebereich ist Wasser geflossen“, erinnert sich Joachim Bollmann, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums. Daraufhin wurden die Räume bis auf Weiteres geschlossen.

nicht nur auf dem Boden: das Wasser lief sogar in die Elektroarme


Vor allem Schüler:innen spürten die Belastung. „Ich konnte ab der Oberstufe an meinem Standort keinen Chemie- und Biologieunterricht in Bezug auf Versuche oder Mikroskopieren machen. Als Schülerin des Leistungskurs Chemie fand ich das sehr schade“, erzählt Jasmin Brüch, Abiturientin des letzten Schuljahres und somit von den Einschränkungen betroffen. „Es war nervig, dass wir oft mehrmals am Tag unsere Pausen mit dem Gebäudewechsel zum zweiten Standort verbringen mussten“, bedauert sie. Durch den Standortwechsel mussten sie jedoch nicht vollständig auf Experimente verzichten.


„Gerade in den Naturwissenschaften hilft mir das praktische Arbeiten enorm dabei, die Theorie besser zu verstehen“, erklärt Alma Delic, eine weitere Abiturientin (2025) des Leistungskurs Chemie. „Videos ersetzen eben kein echtes Experiment. Zuschauen ist etwas ganz anders als selber ausprobieren, aus Fehlern lernen und verstehen“, so Alma.

Trotz der eigenen Verluste sind sich Schüler:innen sowie auch der Schulleiter bewusst, wie hoch die Belastung auch für die Lehrkräfte war. „Die Kolleg:innen konnten ca. zweieinhalb Jahre nicht ihren gewohnten lehrplankonformen Unterricht erteilen“, erklärt Bollmann. Zudem haben sich die betroffenen Fachschaften eigenmächtig um die noch zu rettenden Materialien gekümmert. Daran kann sich auch Katja Mösinger, Chemielehrerin des vergangenen Abiturjahrgang, erinnern. „Niemand kümmerte sich um die Auswirkungen auf die Chemikalien“, erzählt sie leicht ungläubig. „Wir haben die Chemikalien mit unseren Privatautos transportiert.“ Das sei teils nicht ungefährlich gewesen. „Wir hatten aber keine andere Wahl. Gewünscht hätten wir uns natürlich ein Unternehmen von der Stadt, das den Transport der Chemikalien organisiert“, so Mösinger.

Wischarbeiten im Flur
durchnässtes Filmequipment
gesicherte Chemikerutensilien
das Treppenhaus wurde geflutet

Neben der Eigeninitiative der Lehrkräfte spielten auch die beiden Hausmeister Holger Jähnert und Wolfgang Leeser eine große Rolle für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Die Absprachen liefen, sowohl mit den Gutachtern als auch mit den Bauleitern, nicht über die Schulleitung, sondern über sie. „Die Kommunikation war gut. Wir waren vor allem dafür zuständig, alles zu zeigen, aufzuschließen und zugänglich zu machen“, berichtet Leeser entspannt. Bevor sie sich jedoch maßgeblich mit der Organisation der Reparaturarbeiten beschäftigten, waren sie diejenigen, die in der akuten Notsituation anpackten. „Wir haben das Wasser mit Eimern nach draußen geschüttet“, erinnert sich Jähnert, während er mit einem Video dokumentiert, wie das Wasser noch aus den Rohren in den nassen Flur hinab tropft.

Zu den Wasserschäden kam erschwerend hinzu, dass bei den Begehungen der Gutachter Schimmel entdeckt wurde und somit ein enormes gesundheitliches Risiko. „Alle, die dort arbeiten mussten, waren verpflichtet, Schutzmasken und -anzüge zu tragen“, so Bollmann. Den Schimmel zu entfernen, verlängerte die Dauer der Sanierungsarbeiten, jedoch nicht so sehr wie das zweite Unwetter, das ein Jahr später für große Probleme sorgte.

Im Sommer 2023, nach den ersten Trocknungsmaßnahmen, begann eine Firma mit den Dachsanierungsarbeiten. Man habe die Schichten des Daches bis hin zur untersten abgetragen. „Das Dach wurde dann zwar abgedichtet, aber leider hat die Dichtung beim Regen tatsächlich nicht gereicht. Das Wasser hat nur an bestimmten Stellen den Weg gefunden. Aber durch die Dachkonstruktionen sind die Räume miteinander verbunden. Wenn also eine Stelle undicht ist, sickert es auch in andere Räume“, berichtet der Schulleiter.

„Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, in meiner Schulzeit noch Unterricht in den Fachräumen zu haben“, meint Jasmin Brüch. Doch seit den Weihnachtsferien 2024 wurden die naturwissenschaftlichen Räume nach und nach geöffnet, und auch einige Kunsträume waren mit Beginn der Abiturprüfungen wieder nutzbar. „Die geschädigten Räumen haben meinen Unterricht zwar beeinflusst, aber ich fühle mich nicht allzu stark benachteiligt, weil wir auf die Räume am zweiten Standort ausweichen konnten. Außerdem konnten wir einige der verpassten Experimente vor den Abiturprüfungen noch nachholen. Sonst wäre das Lernen sicherlich schwieriger gewesen“, beschreibt Alma Delic die Situation.

und auch der Milchkeller war betroffen

Obwohl es so scheint, als sei nun alles wieder in Ordnung, ist ein unzufriedenes Gefühl noch spürbar. Die Lehrkräfte wurden zwar mit Geld für Materialien von der Stadt unterstützt, dennoch habe eine Lösung für die räumlichen Probleme gefehlt. Der Schulleiter hätte sich zudem eine klarere Kommunikation mit dem Schulträger gewünscht. Zum Beispiel sei die Schulleitung nicht informiert worden, wann diese Überprüfung der Kontamination stattfindet. „Ich will kein Misstrauen formulieren, aber wäre ich an Bord gewesen, hätte ich das Kollegium besser beruhigen können. So habe ich nur den Abschlussbericht bekommen und bin damit unzureichend informiert.“ Auch seien die sanierten Räume nicht vollständig zufriedenstellend in Stand gesetzt. „Sie sind zwar wieder funktional hergerichtet, aber nicht wie erhofft. Und zwar so, dass sie für die nächsten 15-20 Jahre voll arbeitsfähig wären.“ Gewisse Details wie z.B. verzogene Schränke seien außerdem völlig übersehen worden. Deshalb werde es bald eine neue Begehung mit Gutachtern der Stadt geben, bei der er ansprechen wolle, welche Änderungen vorteilhaft wären, um den Lernenden nicht nur funktionales, sondern modernes Lernen zu ermöglichen.


  • Tamina Fohrmann

    Tamina spielt Basketball, Tischtennis und Geige, forscht und gärtnert. Sie interessiert sich sehr für Psychologie, Ernährung und Jura. Sie liebt es, zu lesen, zu schreiben und Zeit draußen mit Freunden zu verbringen. Ungerechtigkeit kann sie überhaupt nicht leiden.



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