Stabile Seitenlage und mehr – unser Schulsanitätsdienst

Unsere Sanis mit ihren Zertifikaten auf dem Schulhof Goethe I

Was passiert, wenn ich einen Unfall habe? Wer kümmert sich um mich, wenn ich einen plötzlichen Zusammenbruch in der Pause erleide? Zu wem gehe ich, wenn ich mich geschnitten habe? 

Leider gehören sie zum Alltag, auch in der Schule: Unfälle passieren, auch wenn man sie gerne verhindern würde. Das Wichtigste ist dann, dass so schnell wie möglich gehandelt und geholfen wird. Erste Hilfe ist erforderlich, in extremeren Fällen muss auch der Krankenwagen gerufen werden. Die Frage ist nur, wer in einer solchen Situation unwissend danebensteht und wer sich dazu berufen fühlt, umgehend verantwortungsbewusst und korrekt zu handeln. 

Seit dem Ende des letzten Schuljahres gibt es auf unseren Schulhöfen Schulsanitäter*innen, die dafür sorgen, dass wir im Fall der Fälle schnellstmöglich versorgt und erstmedizinisch behandelt werden. Sie stellen also das Glied zwischen Ersthelfer und Rettungsdienst dar und sind nicht nur für Versorgungsaufgaben und Erste Hilfe, sondern auch für die Betreuung der Verletzten zuständig. Dafür mussten sie sowohl eine Ausbildung durchlaufen als auch eine Prüfung bestehen. 

„Unsere Hauptaufgabe besteht darin, weitere Verletzungen zu vermeiden oder kleine Verletzungen, beispielsweise Wunden, zu versorgen“, sagt Ahmad aus der E01, einer der neuen Schulsanitäter. Er und sein Freund und Sani-Kollege Karahan (auch Klasse E01) haben uns einen kleinen Einblick in Aufgaben, Ausbildung und Prüfung des Sanitätsdienstes gegeben. 

Karahan (E01) und Ahmad (E02)

Auf die Frage, warum sie die Ausbildung überhaupt absolvierten, antwortet Karahan, dass er sich mehr Wissen auf diesem Gebiet aneignen wollte, aber auch, weil die Rettungsübungen ihm sofort Spaß machten, woraufhin Ahmad hinzufügt, dass es ihm nicht nur in der Schule nützlich sei, sondern er nun auch wisse, wie er im Notfall einer verletzten Person im Alltag helfen könne. 

Die Motivation, sich um Menschen zu kümmern und dafür zu sorgen, dass sie sich schnell erholen oder versorgt werden, haben wohl alle Sanitäter*innen.

Der ehrenhafte Wille allein reicht allerdings nicht aus, um auch wirklich professionell handeln zu können. Vorher muss man einen Erste-Hilfe-Kurs belegen und eine Prüfung absolvieren, die aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht. Die erfreuliche Nachricht vorweg: Im letzten Schuljahr haben alle aus der Sanitäts-AG ihre Prüfung bestanden! 

Dafür trafen sich zunächst alle regelmäßig in der Sanitätsdienst-AG unter der Leitung unserer Lehrerin Frau Schwarzer (Chemie, Religion und Spanisch) und lernten verschiedene Szenarien und die jeweils richtige Reaktion. Auch unterschiedliche Techniken und Rettungsmethoden mussten gelernt und geübt werden. 

Ahmad und Karahan waren in der 10. Klasse, als die AG begann, die Vorbereitungszeit dauerte also fast ein Jahr. Sie erzählen aber auch, dass nur die AG-Zeit nicht ausreichte, um bestmöglich auf die Prüfung vorbereitet zu sein. 

„Wir haben uns natürlich Ziele gesetzt, um zu bestehen. Wir haben es nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern saßen zuhause und haben wirklich dafür gelernt“, erläutert Karahan. Bei den beiden kommt erschwerend hinzu, dass ihr Stundenplan ihnen nicht erlaubte, an der vollen AG-Zeit teilzunehmen. So verpassten sie essenzielle Informationen, die sie sich zuhause zusätzlich erarbeiten mussten. Dennoch meint Karahan selbstsicher, dass das Bestehen nicht allzu schwierig war, betont aber, dass die Theorie nicht nur Auswendiglernen ist. Man müsse das Gelernte auch verstehen. „Es bringt ja nichts, wenn man nur auswendig lernt und nicht weiß, was man auswendig gelernt hat“, sagt er lächelnd. 

Immer sichtbar – hier vertreten durch Helene (10b) und Bahtije (9b)

Ahmad betont, dass es nicht nur Informationen seien, die neu sind, sondern oft auch solche, die man bereits aus dem außerschulischen Umfeld kenne: „Aber auch aus der Schule hat man Vorwissen. Ich konnte sehr viel Gelerntes über den menschlichen Körper aus dem Biologieunterricht mit in diesen Kurs nehmen“.

Nach intensiver Vorbereitung fand die zweigeteilte Prüfung statt. Im theoretischen Teil, ähnlich einer Klassenarbeit, gab es unterschiedliche Aufgabentypen. Entweder sollte die richtige Antwort angekreuzt werden oder es war gefordert, Symptome zu nennen oder einen Ablauf zu erklären. 

Lebhafter wurde es dann bei der praktischen Prüfung. Hier reichten nicht mehr Stift und Blatt, stattdessen wurde die volle Ausrüstung benötigt: ein gepackter Rucksack, in dem sich sämtliche Utensilien für die Erste Hilfe befanden. Aufgabe war es nun, eine Person zu retten, indem man die Problemsituation erkennt und zügig die entsprechenden Maßnahmen anwendet. Ahmad und Karahan erkannten, dass die Person bewusstlos war, und brachten sie in die stabile Seitenlage. Hierbei geht es um die Atmung; es wird also verhindert, dass eine bewusstlose Person sich an der eigenen Zunge verschluckt und erstickt. Kontrolliert wurde auch, dass sie weiteratmet, der Blutdruck und der Puls wurden gemessen und der Krankenwagen gerufen. 

Frau Schwarzer, Helene, Bahtije und Sophia (10b)

„Das war unser Fall. Wir hatten zuvor mit etwas Größerem gerechnet und uns gefragt, welchen Fall wir wohl behandeln müssen, aber am Ende kam dann doch etwas Leichtes“, erzählt Karahan. Beide freuen sich über ihre hohen Punktzahlen, mit denen sie erfolgreich bestanden haben. 

Seitdem sind unsere Schulsanitäter*innen in den Pausen aktiv. Geregelt wird alles durch einen Einsatzplan, der vorsieht, dass zwei Sanitäter*innen pro Schulhof immer für eine Doppelstunde und die darauffolgende Pause eingeteilt sind. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass es oftmals keinen Dienst mehr in der Mittagspause und während des Nachmittagsunterrichts gibt, da weder die Sanitäter*innen noch besonders viele Schüler*innen um diese Zeit noch Unterricht haben. 

Bis zur sechsten Stunde können Lehrkräfte die Schulsanitäter*innen auch während des Unterrichts erreichen, denn für ihre Arbeit gibt es ein gesondertes Handy, das nur Anrufen im Notfall dient. Zusätzlich ist es Lehrkräften möglich, den Schulsanitätsdienst für Veranstaltungen oder Ausflüge zu buchen. 

Sowohl Ahmad als auch Karahan hatten noch keinen echten Einsatz, obwohl sie drei bis vier Mal pro Woche einsatzbereit sind, aber andere Schulsanis mussten schon in Situationen bis zur Bewusstlosigkeit einspringen. 

Ahmad und Karahan erzählen zudem, dass sie bei eigentlich allem zunächst einmal eingreifen dürfen. „In den meisten Fällen müssten wir allerdings 112 anrufen, da wir natürlich keine Ausbildung wie berufliche Sanitäter*innen haben, sondern Schulsanitäter*innen sind, die dafür sorgen, dass die Situation sich nicht verschlimmert, die das bestehende Problem mildern und für den „richtigen“ Sanitätsdienst vorbereiten“, so Ahmad. Er erklärt, dass schließlich überall und jederzeit etwas passieren könne, so zum Beispiel Hitzschläge, ein Asthma-Anfall oder ein Sportunfall, bei dem sich jemand etwas bricht oder prellt – es seien alles potenzielle Dinge, die aus verschiedenen Gründen passieren können. Auch für kleinere Sachen wie Nasenbluten, Bauchschmerzen oder Schürfwunden müsse es jemanden geben, der sich kümmert. 

Das Einsatzhandy

Grundsätzlich fühlen Ahmad und Karahan sich von ihren Mitschüler*innen ernst genommen, sind aber auch der Meinung, dass es dauern wird, bis alle verstehen, dass sie sich auf den Schulsanitätsdienst verlassen können, wenn etwas passiert. Von den Lehrkräften sei bis jetzt sehr viel Lob dafür gekommen, dass sie ihre Aufgabe alle so ernst nehmen. 

Außerdem besteht auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, an der AG von Frau Schwarzer, die die Sanitäter*innen bereits im letzten Jahr von Anfang bis Ende begleitet hat, teilzunehmen, damit es zukünftig noch mehr ausgebildete Mitschüler*innen gibt, die im Ernstfall bereit sind – auch wenn natürlich jeder hofft, dass es nie so weit kommen muss. 


  • Tamina Fohrmann

    Tamina spielt Basketball, Tischtennis und Geige, forscht und gärtnert. Sie interessiert sich sehr für Psychologie, Ernährung und Jura. Sie liebt es, zu lesen, zu schreiben und Zeit draußen mit Freunden zu verbringen. Ungerechtigkeit kann sie überhaupt nicht leiden.



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