Freitag, 20. September 2019

Glas der Vernunft 2019 – Auszeichnung für Frauenpower!

 
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Seit 1990 wird in Kassel alljährlich ein Bürgerpreis, das sogenannte „Glas der Vernunft“, verliehen. Dies ist eine Glasskulptur mit einem Prisma und wurde von dem documenta-Künstler K. O. Blase entworfen. Das Kunstwerk symbolisiert die Werte der Aufklärung, Vernunft und Toleranz und zeigt gleichzeitig ihre Zerbrechlichkeit. Ein früherer Preisträger war z.B. der Whistleblower Edward Snowden, der die Praktiken der US-amerikanischen Geheimdienste aufdeckte. Zu dem Preis gehören außer der Skulptur auch eine Urkunde und ein Preisgeld von 10 000 Euro. Dieses Jahr wurde der Bürgerpreis zum 29. Mal verliehen.

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Er ging an die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie. Sie engagiert sich seit Jahren gegen Rassismus und für die Rechte von Frauen und ist mit vielen Romanen und ihrem Manifest „Mehr Feminismus!“ international bekannt geworden.
Schon am Vortag hatten sich Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Kasseler Schulen mit Frau Adichie getroffen, um ihr Fragen zu stellen. Die Autorin antwortete ehrlich und sehr persönlich, vor allem sagte sie, dass man auch bei der Gleichberechtigung niemals verallgemeinern und immer den speziellen Kontext beachten sollte.
Am Sonntag, den 15.09.2019, fand die Preisverleihung im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Opernsaal des Kasseler Staatstheaters statt. Begleitet wurde das Event durch musikalische Beiträge der Sopranistin Anna Nesyba, die Kunstwerke von Barbara Strozzi, Cathy Berberian und Beyoncé vortrug.
Die Laudatio wurde von Barbara Lochbihler und Ijoma Mangold vorgetragen. Während Frau Lochbihler dabei mehr auf die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Engagements für Gleichberechtigung einging und darauf hinwies, dass auch heute noch Frauen an vielen Stellen weniger Rechte haben, schilderte Herr Mangold anhand von verschiedenen Werken Adichies, wie die Autorin aufzeigt, dass es immer mehrere Geschichten gibt und nicht eine einzige Version.

500x300 AmelieSchließlich übergab Bernd Leihfeld, der die Veranstaltung moderierte, den Preis. In ihrer Dankesrede meinte die Preisträgerin: „Obwohl ich diesen Preis als Feministin bekommen habe, sehe ich ihn auch als Auszeichnung für mich als Schriftstellerin. Manchmal ist man sehr einsam als Feministin, weil man immer wieder Beweise für die Existenz von Sexismus bringen muss. Ich freue mich, dass Sie meine Literatur interessiert und Sie sie aufnehmen“.
Das Publikum applaudierte stehend und sang für die genau an diesem Tag 42 Jahre alt gewordene Preisträgerin spontan ein Geburtstagslied.

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