Donnerstag, 19. Februar 2015

Medienkunde-Reihe, Teil 1: Gespenst mit Deutschland-Fahne

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Ein Gespenst der Angst geht um in Europa: die Angst vor dem Islam. Seit einiger Zeit bekunden  "Patriotische Europäer" ihre "Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes" (kurz: Pegida) und fühlen sich durch die Anschläge auf Charlie Hebdo  bestärkt. Pegida steht inzwischen vor dem Aus, doch die entbrannten Diskussionen sind zum Glück auch in der Schule angekommen: TeilnehmerInnen des Medienkunde-Kurses Q2 bei Frau Schäfer äußern sich ebenfalls zu diesem Top-Thema der Tagespolitik. Wir stellen drei Kommentare in unserer Reihe "Medienkunde" vor.

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Dieses Thema hat leider zu viele Facetten, um sie in einem Text aufzuarbeiten, aber einen Versuch ist es trotzdem wert! Der Islam an sich ist nicht radikal, höchstens so radikal wie jede andere Religion auch. Denn bei einer Religion kommt es darauf an, wie ihre Gläubigen sie auslegen. Jeden Montag projizieren tausende Dresdener ihre Angst vor dem Fremden auf eine Religion. Ein sehr gefährliches Unterfangen. Denn sie sehen in einer Religion den Ursprung allen Übels. Welch schlechte Auswüchse das nehmen kann, haben uns die Nationalsozialisten mit ihrem aggressiven Antisemitismus gezeigt. Wobei man Antisemitismus und Rassismus getrennt sehen muss. So wird der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo von der Pegida-Bewegung instrumentalisiert - und man sieht sich gerechtfertigt. Doch dafür gibt es keinen Grund; zum einen hätte die linke Redaktion selbst die Bewegung veralbert, und die Terroristen entsprechen auf keinen Fall dem Bild des Islam, das echte Moslems repräsentieren. Deswegen ist es auch traurig, dass viele jetzt eine öffentliche Distanzierung der Muslime von den Terroristen fordern. Wer nicht aufgeklärt genug ist, zu wissen, dass der echte Islam ein anderer ist, dem ist nicht mehr zu helfen!
So stehen sich auf der einen Seite das kleinkarierte Spießbürgertum, das Hand in Hand mit offen Rechtsradikalen demonstriert, und auf der anderen Seite radikale Islamisten gegenüber. Beide haben das gleiche verschrobene Weltbild, könnten jedoch ohne den anderen nicht existieren.
Ich teile auch die Angst vor einem Terroranschlag und verstehe, dass Pressefreiheit nicht zu weit gehen darf. Jedoch leben wir in einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft, die es uns ermöglicht, harmonisch zusammenzuleben. Darin haben Fremdenfeindlichkeit und religiöser Fanatismus eigentlich keinen Platz. Jedoch sind es die Ausnahmefälle, die uns zeigen was, an Vernarrtheit möglich ist.
Das Problem der Pegida-Bewegung ist ihre verkürzte Analyse und ihre Haltung des „Wenn alle gegen uns sind, macht es uns nur stärker". Man fühlt sich von den "Systemmedien" und der "Lügenpresse" hintergangen und betrogen. Jede Kritik an dieser Meinung wird als Gegenargument genutzt, denn insgesamt läuft ja sowieso alles schief in diesem perfekten Deutschland. Wenn man der Politik vorwirft, sie vertrete nicht die Stimme des Volkes, während man neben Thor Steinar-Jacken entlangspaziert, darf einen das nicht wundern. Das Gefährliche an der Bewegung ist aber ihr klares Feindbild. Ich habe Angst vor einem zweiten Lichtenhagen, Hoyerswerda oder Mölln. Wenn die Angst vor Veränderung darin resultiert, dass ein Flüchtlingsheim brennt, dann ist die Geschichte ein Kreislauf und Deutschland hat nichts dazugelernt.
Alles in allem kommt der Anschlag in Paris - leider - gerade rechtzeitig. Er zeigt uns, was für unmoralische Plakate man schreiben kann und wie viele Menschen auf die Straße gehen, um für Pressefreiheit und Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Wichtig ist nur, dass Regierungen nicht auf die Radikalen hören und sich nicht von ihnen beeindrucken lassen.
Die Meinung radikaler Islamisten ist falsch, sie wollen mit Gewalt ihre Vorstellung von einem Gottesstaat durchsetzen und entsprechen auch in anderen Punkten nicht dem Weltbild des aufgeschlossenen Normalbürgers. Doch das ist ok, die paar Spinner dürfen wir uns erlauben, in einem Land mit 80 Millionen gibt es eben ein paar Querköpfe. Es kommt nur darauf an, wie man mit ihnen umgeht; nehmt sie nicht zu ernst und passt darauf auf, dass sie keinen Unsinn anstellen. Der BND und alle anderen Staatsorgane haben ohnehin eine Heidenangst vor ihnen.
Ich bin mir sicher, dass unsere Demokratie wehrhaft genug ist, um mit ihnen fertig zu werden. Meine Angst entsteht momentan vor allem  angesichts von Bürgerbewegungen und deutschlandfahnenschwenkenden Ostdeutschen, die sich auch viel zu ernst nehmen.

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