Sonntag, 15. Januar 2023

Wenn Europol wegen deines Ausweises anruft ... das Phishing geht weiter

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Nach einem Daten-Leak bei WhatsApp (ein Hacker dringt in ein Gerät ein, sammelt Daten und veröffentlicht sie) wurden 487 Millionen WhatsApp-Nutzerdaten in einer Datenbank im Dark Web zum Verkauf angeboten. Darunter sind auch 6 Millionen deutsche Nummern. Wir können also davon ausgehen, dass in nächster Zeit viele Phishing-Anrufe und Nachrichten auf uns zukommen. Bereits vor einigen Monaten haben wir einen Artikel über Phishing veröffentlicht. Heute kommen hier die beiden häufigsten Phishing-Taktiken, die aktuell angewendet werden. Sie zielen grundsätzlich darauf ab, verunsicherten Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

“Hallo Mama/Papa.”
Bei dieser Nachricht wird das familiäre Vertrauen ausgenutzt, um an große Summen an Geld zu kommen. Man erhält eine scheinbar harmlose Nachricht mit folgendem Inhalt:
Hallo Mama/Papa, mein alte Handy ist kaputt. +49 000 00000000 ist meine neue Handynummer, du kannst diese Nummer einspeichern. Kannst du mir bitte eine Nachricht auf WhatsApp schicken.
Nach dem Einspeichern der genannten Nummer fängt der Betrüger damit an, zum Beispiel durch Smalltalk Vertrauen aufzubauen. Außerdem erklärt der Täter ausführlich, wie das angebliche Handy kaputt gegangen sein soll und dass er nun sein altes nutzt. Auch das soll das Vertrauen steigern. Irgendwann kommt dann die entscheidende Frage: Ich habe mir gestern Möbel gekauft, habe aber nicht genug Geld, um diese zu bezahlen. Könntest du mir helfen, indem du mir ein wenig Geld leihst?
Anschließend folgt meist ein Foto von einer gefälschten Rechnung. Nach dem Überweisen des Geldes, wenn also wirklich jemand auf den Trick hereingefallen ist, fragt der Betrüger nach immer mehr.

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“Here’s Europol, we suspect that you are a victim of identity fraud”
Das Handy klingelt und nach dem Entgegennehmen des Anrufes hört man eine Computerstimme, welche sagt: This call is from Europol. We would like to inform you that your identity card number is in misuse. For more information please press 1. Das bedeutet übersetzt so viel wie: Dieser Anruf kommt von Europol. Wir möchten Sie darüber informieren, dass Ihre Personalausweisnummer missbraucht wird. Für weitere Informationen drücken Sie bitte die 1. Nach dem Drücken der Taste wird man weitergeleitet zu einem angeblichen Sachbearbeiter von Europol, der behauptet, dass die Ausweisnummer des Opfers bei kriminellen Aktivitäten verwendet worden sei.
Das Opfer wird dann aufgefordert, sich zu einem Discounter zu begeben und teure Guthabenkarten zu kaufen. Hier gibt es keinen logischen Zusammenhang mit Europol, aber die Betrüger setzen natürlich auf die Verunsicherung der vermeintlichen Betrugsopfer. Danach erhält man einen weiteren Anruf, bei dem man die Nummern dieser Karten durchgeben soll, und anschließend wird man dazu aufgefordert, Überweisungen auf ein thailändisches Konto zu tätigen. All diese Transaktionen werden durchgeführt, um „das Geld zu sichern“. Selbstverständlich sei das Geld des Opfers zu keiner Sekunde in Gefahr.
Vergewissert euch also immer mehrmals, bevor ihr vertrauliche oder persönliche Daten weiterreicht, und gebt solche Daten niemals per E-Mail oder Telefon heraus. Organisationen oder die Polizei werden euch niemals mit einer inoffiziellen Nummer anrufen, sondern ein offizielles Schreiben per Post versenden. Geht es um Transaktionen in der Familie, so sprecht mit der jeweiligen Person, anstatt Nachrichten zu schreiben. Wenn alle die hier genannten Infos im Hinterkopf behalten und berücksichtigen, dann sind wir vielleicht bald alle ein Stück sicherer.

 

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