„Die einzige Last Christmas-freie Zone“ – Herr Bollmann im Weihnachtsinterview, 7. Türchen

UMLAUF: Was halten Sie von Weihnachten?

Herr Bollman: Ich finde, dass es bei uns ein ganz schönes Familienfest ist, weil eben alle Familienmitglieder zusammenkommen und wir uns im Laufe des Jahres auch nicht immer in dieser Konstellation sehen.

UMLAUF: Was bringt Sie in Weihnachtsstimmung?

Herr Bollmann: Bestimmtes Essen bringt mich in Weihnachtsstimmung, angefangen von Spekulatius über Gänseessen – schulisch, privat, mit Freunden oder mit der Schulleitung. Ich war auch beim Weihnachtsessen meiner ehemaligen Schule. Das bringt mich in Stimmung, aber auch Deko. An der Stelle bin ich so ein Weihnachtswichtel. Bei uns zuhause stelle oder hänge ich überall irgendetwas hin, zum Beispiel Lichterketten. Und je näher Weihnachten kommt, so ab dem ersten Dezember, gibt es dann auch Musik; zu Weihnachten ganz klassische deutsche Weihnachtsmusik, aber die jetzige Phase bis zum Heiligabend werden „American Christmas Lieder“ gehört, also einfach tolle Lieder, bis auf „Last Christmas“. Das nicht. Da bin ich eher RadioBob-Hörer. Das ist ja die einzige „Last Christmas“-freie Zone im Radio in Deutschland.

UMLAUF: Was bedeutet Weihnachten für Sie?

Herr Bollmann: Es ist tatsächlich, gepaart mit den Weihnachtsferien und der Phase davor, Besinnlichkeit. In Ruhe über Dinge nachdenken, mit der Familie zusammensitzen und auch mit Freunden. Ich habe das Gefühl, im Winter findet man am ehesten diese Ruhe. Man ist auch eher drinnen und das ist sowohl ein Anlass, am Kamin zu sitzen, als auch Gespräche zu führen.

UMLAUF: Mit wem feiern Sie am liebsten Weihnachten?

Herr Bollmann: Natürlich mit meiner Liebsten und meinen Kindern, das ist klar. Wenn ich das erweitere, ist es die Familie. Weihnachten ist ein Familienfest, bei dem aber natürlich über die Kinder immer mal neue Personen dazukommen, vor allem die Partner und Partnerinnen der Kinder. Und dann gibt es bestimmte Riten, wann man wen noch besucht.

UMLAUF: Backen Sie an Weihnachten gerne oder essen Sie gerne Weihnachtssnacks?

Herr Bollmann: Ich habe traditionell immer mit meinen Kindern gebacken und Knusperhäuschen gebaut, aber nicht nach Vorlage, sondern Eigenkreationen. Das mit den Knuperhäuschen ist jetzt irgendwie abgegessen, weil meine Kinder immer erst zwei oder drei Tage vor Weihnachten kommen, und alleine baue ich kein Weihnachtshäuschen mehr. Das habe ich bestimmt schon die letzten fünf Jahre nicht mehr gemacht. Einmal im Jahr, zur Weihnachtszeit, bin ich aber auf jeden Fall an einer Backaktion beteiligt, vor allem wenn meine Tochter vorher kommt, denn die ist bei uns die Backkönigin. Dann backen wir zusammen.

Das sind auch eigentlich meine Weihnachtssnacks bzw. könnte man auch den Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt nennen, der gehört auch dazu. Auch bei uns zuhause versuche ich immer, ein Wintergillen mit Glühwein und Freunden einzurichten.

UMLAUF: Gucken Sie an Weihnachten bestimmte Filme und, wenn ja, welcher ist ihr Lieblingsweihnachtsfilm?

Herr Bollmann: Also es gibt einmal die klassischen Weihnachtsfilme, die gucken wir ziemlich wahllos, aber oft. „Das Wunder von Manhattan“, ist irgendwie immer dran, den gucken wir als Familie, wenn die Kinder zwei oder drei Tage vor Heilig Abend kommen. Manchmal lasse ich mich dazu überreden, „Kevin – Allein zu Haus“ zu gucken, weil meine Kinder den so gerne sehen, und ich persönlich gucke traditionell immer, unter Umständen auch alleine, „Stirb langsam“, entweder Teil 1 oder Teil 2. Die sind ja jeweils in der Weihnachtszeit mit Schnee angesiedelt, da bin ich aber dann maximal noch von meinem Sohn unterstützt, meine Frau guckt das auch nicht.

UMLAUF: Besuchen Sie den Weihnachtsmarkt? Wenn ja, gehören Sie dabei zu den Personen, die sich nur umschauen oder auch etwas kaufen?

Herr Bollmann: Ich gehöre auch zu denen, die etwas kaufen. Auf jeden Fall Nahrungsmittel und Getränke und dann kommt es darauf an, ob es auf den Weihnachtsmärkten diese Figuren aus dem Erzgebirge gibt. Dort gibt es ganz kleine handgeschnitzte Figuren, die ich sammle und die dann bei uns am Adventskranz hängen. Die müssen aber aus dem Erzgebirge sein und das ist hier in Kassel fast nie der Fall, deswegen gehe ich an der Stelle oft leer aus. Ansonsten gibt es eben auch Dinge, die man sonst nicht auf Märkten sieht, so wie Stände mit Kochutensilien wie Kochlöffel. Da laufe ich auch immer vorbei und wenn mir da etwas ins Auge springt, dann kaufe ich das auch.

UMLAUF: Manche Menschen essen zu Weihnachten immer das gleiche, wie sieht das typische Weihnachtsessen bei Ihnen aus?

Herr Bollmann: Das typische Weihnachtsessen hat sich im Laufe der Zeit bei uns entwickelt. In meiner Familie gab es immer Kaninchen; das war gesetzt. Mit meiner Frau haben wir diese Tradition nicht fortgesetzt. Als die Kiner klein waren, hatten wir nichts Fixes. Ich glaube, vor 10 oder 12 Jahren gab es irgendwann einmal Rouladen. Das war eigentlich eher etwas Technisches, denn Rouladen kann man gut vorher vorbereiten und meine Schwiegermutter hat für die ganze Familie Rouladen gebraten. In den letzten vier Jahren sind wir erweitert worden um Vegetarier und Veganer, das heißt, jetzt gibt es immer auch vegane Rouladen oder andere Alternativprodukte, deswegen ist der Tisch jetzt immer um eine Extraplatte erweitert. Aber die Roulade ist immer noch Bestandteil und meine Tochter besteht auch darauf: es muss Rouladen geben.

UMLAUF: Macht es Ihnen mehr Freude, Geschenke zu geben oder zu bekommen?

Herr Bollmann: Zu geben. Ich schenke lieber. Ich freue mich auch über ein Geschenk, aber ich schenke und überrasche gerne. Es gibt vorher die Absprache mit dem Weihnachtsmann, dass die Kinder schon sagen, in welche Richtung ihre Wünsche gehen, aber trotzdem gibt es immer noch irgendwie eine Überraschung. Und es gibt immer schöne Augenblicke, in denen die Überraschung glückt. Ich habe im letzten Jahr meinem Sohn zu Weihnachten einen Besuch mit mir zusammen in Hamburg beim Metallica Konzert geschenkt und er ist sofort in Tränen ausgebrochen. Da wusste ich, die Überraschung ist geglückt.

UMLAUF: Welches Geschenk war ihrer Meinung nach das beste, das Sie je bekommen haben?

Herr Bollmann: Das ist eine schwierige Frage. Ich kann mich daran erinnern, dass ich bei einem Geschenk extrem stolz war. Das war ein Kindheitsgeschenk, und zwar habe ich mit ungefähr 12 Jahren zu Weihnachten völlig überraschend ein neues Fahrrad bekommen. Ich hatte vorher immer nur ein Behelfsrad und habe dann ein wirklich schönes Fahrrad bekommen. Damit hatte ich nicht gerechechnet und ich habe mich unheimlich darüber gefreut. Es gibt von diesem Geschenk und mir auch noch entsprechende Bilder, als ich sofort nach draußen gegangen bin mit ebendiesem Rad. Ich habe mich auch so auf dem Bild präsentiert, das man diesen Stolz sieht. Das ist aus der Kindheit das, was hängen geblieben ist.

UMLAUF: Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Weihnachtsgeschenk oder eines, das Ihnen damals besonders gut gefallen hat?

Herr Bollmann: Das Fahrrad war nicht mein allererstes Geschenk aber das, was wirklich im Kopf verankert ist. Wenn ich jetzt in die Vergangenheit gucke, fallen mir natürlich noch andere Geschenke ein, die ich später bekommen habe, die waren aber immer in Absprache. Da war immer die Frage von meinen Eltern, welchen Wunsch ich habe, und dann war die Richtung schon klar. Das waren zwar auch schöne Geschenke, aber es hatte nicht diesen Überrumpelungseffekt. Ich habe vorher auch mal einen Schlitten bekommen, aber das war nichts so imposant.

UMLAUF: Welche ist Ihre beste Erinnerung an Weihnachten?

Herr Bollmann: Das ist schwierig, weil es in zwei Richtungen geht. Zurück, also in die Kindheit, oder eben jetzt in die aktuelle Zeit als Erwachsener, als Vater. In der Kindheit war es wirklich diese Spannung und die von meinen Eltern auch zelebrierte Wartehaltung auf den Weihnachtsmann und auf den Tannenbaum, den ich vorher nicht sehen durfte. Der war verschlossen, wurde ohne mein Beisein geschmückt und ich musste draußen mit meiner Schwester zusammen warten. Das war immer ein ganz heiliger Augenblick, wenn wir dann hineindurften und der illuminierte Baum und die Geschenke dort standen. Das waren als Kind schon die schönsten Momente. Jetzt ist es eher so, dass ich mich freue, wenn meine Kinder und meine Frau sich freuen und auch über die relativ neue Tradition, dass wir den Weihnachtsabend komplett gemeinsam begehen und auch spielen. Es ist Tradition geworden, dass wir, wenn alle Geschenke überreicht worden sind und wir gegessen haben, zusammen etwas trinken und auch noch spielen. Gerade auch mit den neuen Familienmitgliedern ist das natürlich besonders amüsant, weil das nicht so kalkulierbar ist. Das ist dann in einer größeren Runde und nicht so besinnlich, sondern einfach nur lustig.


  • Tamina Fohrmann

    Tamina spielt Basketball, Tischtennis und Geige, forscht und gärtnert. Sie interessiert sich sehr für Psychologie, Ernährung und Jura. Sie liebt es, zu lesen, zu schreiben und Zeit draußen mit Freunden zu verbringen. Ungerechtigkeit kann sie überhaupt nicht leiden.



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  • Antony Braun

    Antony interessiert sich sehr für Wissenschaft und Medizin. Er mag Feuerwerk, Kaffee und Gewitter. Unehrlichkeit, eine geringe Essensauswahl im Restaurant und nasse Socken mag er überhaupt nicht.
    Geburtstag: 28.03.2007



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